Aktuell

Prozess in München Athletin fordert Schmerzensgeld von Klinik

Zwei Goldmedaillen hat Birgit Kober in London bei den Paralympics - den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung - gewonnen. Im Rollstuhl sitzt sie seit einer ärztlichen Behandlung. Daher strengte sie einen Prozess an. Zu dessen Auftakt vor dem Landgericht München I verlangte die Speerwerferin und Kugelstoßerin Schmerzensgeld vom Münchner Klinikum rechts der Isar.

Stand: 17.10.2012
Birgit Kober | Bild: picture-alliance/dpa

Die Münchner Sportlerin erklärte, nach einem epileptischen Anfall 2007 habe man im Klinikum bei ihr eine viel zu hoch dosierte, toxische Medikamentenbehandlung vorgenommen. Dem Vorsitzenden Richter zufolge wurde Kober damals auf der Intensivstation eine 25-fach überhöhte Dosis eines Medikaments gegen Epilepsie verabreicht. Ihr Körper habe auf die hohe Dosierung mit massiven Koordinationsstörungen reagiert, so Kober. Seitdem lebt die 42-Jährige mit einer Ataxie (medizinische Umschreibung für Bewegungs- und Koordinationsstörungen) und sitzt im Rollstuhl. Kober musste ihr Pädagogik-Studium abbrechen, eine Umschulung zur Heilpädagogin schaffte sie wegen ihrer Einschränkungen nicht.

Laut Gericht ist unstrittig, dass Kober falsch behandelt worden war. Geklärt werden muss, ob es sich bei der Überdosierung eines Epilepsiemedikaments um einen "groben" Behandlungsfehler handle. Auch müsse erst belegt werden, dass ihre Schädigungen eine Folge der Überdosis seien. Ein Sachverständiger erklärte, bei Kober habe bereits vor dem Behandlungsfehler unter anderem eine Bewegungsstörung bestanden. Es ließe sich jedoch nicht ausschließen, dass die Intoxikation eine Mitschuld an der jetzigen Situation der Sportlerin trage.

Einem Mediziner soll ein Schreibfehler in ihrer Krankenakte unterlaufen sein. Kobers Anwalt fordert daher ein Schmerzensgeld in Höhe von etwa einer Million Euro. Absahnen wolle sie nicht, aber weiterhin von Hartz IV zu leben, sei sehr schwer. "Die Aktenlage ist eindeutig, auch für Ärzte, aber ich habe große Angst vor dem Prozess, weil man sicher wieder versucht, mich mit Schmutz zu bewerfen", so Kober.

"Ich habe erfahren müssen, dass die Anwälte der Klinik so gemein sind und einen Menschen aus einem machen, der man gar nicht ist."

Birgit Kober

Zweimal Gold, zweimal Weltrekord

Birgit Kober jubelt nach der Siegerehrung im Kugelstoßen bei den Paralympics in London 2012.

Anfang September hatte die Münchnerin bei den Paralympics zwei Goldmedaillen erzielt: Nach dem Sieg im Speerwerfen gewann die 42-Jährige auch im Kugelstoßen - beide Male mit Weltrekord. Vor vier Jahren sah Kober die Paralympics von Peking im Fernsehen und fühlte sich von der neunmaligen Paralympics-Siegerin Marianne Buggenhagen inspiriert. Trotz ihrer massiven Probleme versuchte sie sich an ein paar Kugelstößen. Sie fragte bei Münchner Vereinen nach, doch keiner wollte die Rollstuhlfahrerin aufnehmen. Offiziell startet sie inzwischen für Bayer Leverkusen, dem Vorreiter im deutschen Behindertsport. Einen richtigen Heimatclub hat die Weltrekordhalterin mit Kugel und Speer aber immer noch nicht.


0