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Energiewende Nicht auf Atomstrom aus Tschechien angewiesen

Wenn deutsche Kernkraftwerke stillgelegt werden, muss Strom aus Atomkraftwerken im Ausland importiert werden - das wurde viele Jahre propagiert. Doch das stimmt so nicht.

Autor: Lorenz Storch Stand: 28.10.2011
Atomkraftwerk in Temelin | Bild: picture-alliance/dpa

Eine im September durch den Bundesverband Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) veröffentlichte Bilanz des ersten Halbjahres weist zwar ein Plus von 16 Prozent bei der Stromeinfuhr aus Tschechien aus. Ein großes Teil des Anstiegs geht jedoch auf die Monate vor dem Atomunfall in Fukushima zurück; im Juli und August blieb der Stromimport aus Tschechien hingegen deutlich unter den Zahlen des Vorjahrs. Das zeigt die Statistik des Europäischen Verbands der Übertragungsnetzbetreiber.

In der Summe keine höheren Stromimporte

"Wir haben in einzelnen Wochen dieses Jahres mehr Strom aus Tschechien importiert, aber auch über sehr lange Zeiträume deutlich weniger als in den Vorjahren. Das heißt, in der Summe sieht es so aus, dass wir keine signifikant erhöhten Stromimporte haben", sagte Felix Matthes vom Ökoinstitut dem Bayerischen Rundfunk. Selbst wenn Deutschland mehr Strom aus Tschechien importiere, werde es sich nicht um Atomstrom handeln, so Matthes, weil der ohnehin ständig im Markt sei. Der Bau von Atomkraftwerken sei sehr teuer, der Betrieb dagegen billig. Die Meiler müssten deswegen aus wirtschaftlichen Gründen ständig laufen.

Wegen der hohen Baukosten bezweifelt Matthes, dass Tschechien sein angekündigtes ehrgeiziges Bauprogramm für Atomreaktoren wird umsetzen können. Auch Großbritannien wünsche seit Jahren neue Kernkraftwerke, wegen der hohen Investitionen finde sich jedoch kein Investor - obwohl die Großhandelspreise für Strom auf der Insel höher sind als auf dem Kontinent.

Österreich ist die Reserve für Deutschland

Die Bundesnetzagentur ist unterdessen bei der Suche nach Reservekapazitäten für den kommenden Winter in Tschechien nicht fündig geworden. "Tschechien wird seine Kraftwerke im Winter selbst brauchen", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth dem Bayerischen Rundfunk. Tschechien hat, ähnlich wie Frankreich, seit Jahren Elektroheizungen propagiert, die einen Großteil des erzeugten Stroms verbrauchen. Als vertraglich gesicherte Kaltreserve für Deutschland dienen Gaskraftwerke im atomkraftfreien Österreich.