Erfolg von AKW-Gegnern Temelín soll auf Sicherheit geprüft werden
Zum ersten Mal soll es bilaterale Sicherheitsuntersuchungen an den Reaktoren des tschechischen Atommeilers Temelín nahe der bayerischen Grenze geben. Mit diesem überraschendem Erfolg für Greenpeace und Grüne ist ein hochkarätiges Treffen im oberfränkischen Wunsiedel zu Ende gegangen.
"Es ist ein Wahnsinns Durchbruch", sagte die Wunsiedler Grünen-Kreisrätin und Initiatorin des Treffens Brigitte Artmann auf Anfrage es Bayerischen Rundfunks. Artmann betonte, Greenpeace kämpfe seit zwölf Jahren um Akteneinsicht und die Zulassung eines unabhängigen Expertengremiums.
Bei dem Treffen im Wunsiedler Landratsamt kamen auf Einladung Artmanns und des Wunsiedler Landrats die Leiterin der tschechischen Atomaufsichtsbehörde, Verantwortliche des Atomkraftwerks Temelin, Greenpeace und Grüne zusammen, um über eine - laut Greenpeace - unsichere Schweißnaht an Reaktor Eins in Temelin zu beraten.
Heftige Debatte und überraschendes Angebot
Das AKW Temelín
Temelín liegt etwa 60 Kilometer von der tschechisch-bayerischen Grenze entfernt. Bislang sind dort zwei Atomreaktoren in Betrieb. Bis 2025 sollen zwei weitere Anlagen, Temelin 3 und 4, ans Netz gehen. Das AKW sorgt im Freistaat wegen seiner Kombination von amerikanischen Leitsystemen mit russischer Reaktortechnik für erhebliche Sicherheitsbedenken.
Nach einer hitzigen Diskussion machte die tschechische Atomaufsichtsbehörde überraschenderweise das Angebot, eine Untersuchung zuzulassen. Im Jahr 2014 sollen unabhängige ExpertenTemelín prüfen, vorher könne in die Akten eingesehen werden, so Artmann. Greenpeace kämpft seit Jahren für eine Abschaltung des Kernkraftwerks, weil nach deren Ansicht eine Schweißnaht an Reaktor einen Stress nicht standhalte. In den kürzlich durchgeführten Stresstests für europäische Atomkraftwerke wurde diese Schweißnaht nicht geprüft. Laut der Wunsiedler Grünen-Kreisrätin Artmann haben die Betreiber die Schweißnaht nicht mit angegeben. Greenpeace wirft den Temelín-Betreibern Vertuschung vor. Das AKW soll um zwei weitere Reaktorblöcke auf vier ausgebaut werden.
Anhörung im Juni: "Das ist eine gespenstische Veranstaltung"
Beim Anhörungstermin zur umstrittenen Erweiterung Temelíns im Juni waren auch bayerische AKW-Gegner angereist. Laut Gerhard Albrecht, Sprecher der Passauer "Plattform gegen Temelín", handelte es sich um eine "gespenstische und beängstigende Veranstaltung". Etwa 400 mutmaßliche Atomkraftgegner, davon die meisten aus Deutschland und Österreich, dazu einige wenige Tschechen, hätten sich nach strenger Leibesvisitationen im Saal eingefunden. Die Fragen der Gegner wurden nur sehr schleppend beantwortet, da nicht simultan übersetzt wurde, berichtete Albrecht damals. Wichtige Punkte wurden auf einer großen Leinwand festgehalten, allerdings nur auf tschechisch. Die tschechischen Behörden hätten kategorisch erklärt, sie könnten sich eine Energiewende nicht leisten.
"Das Ganze kommt mir so vor, wie wenn man einen Dinosaurier wiederbeleben wollte."
Gerhard Albrecht, Sprecher der Passauer Plattform gegen Temelín
Auch zwei Gruppen aus dem Fichtelgebirge und Bad Steben zeigten vor Ort Flagge und kämpfen gegen einen Ausbau des störanfälligen Atomkraftwerks Temelín. Federführend dabei war auch damals schon Grünen-Kreisrätin Brigitte Artmann. Ihr Landkreis Wunsiedel hatte einstimmig eine Resolution gegen die Erweiterung des Atomkraftwerks verabschiedet.
Kritik an tschechischer Regierung
Artmann kritisierte den Anhörungstermin. Die tschechische Regierung habe ihn bewusst auf einem Werktag in dem schwer erreichbaren Budweis, noch dazu an einem Viertelfinal-Spieltag gelegt. Auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Eike Hallitzky sprach von einer "sehr schrägen Veranstaltung", die nicht dem deutschen Verständnis einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsüberprüfung entspreche. So würden Wortmeldungen beispielsweise nur nach dem Zufallsprinzip aufgerufen. Wasser sei erst nach Protest für die Zuhörer zugelassen worden.
Hallitzky kündigte juristische Schritte gegen das Verfahren an. Darüber hinaus sei es völlig unvorstellbar, dass alle rund 50.000 Einwendungen gegen den Kraftwerksausbau bereits vollständig aufgearbeitet sein sollen. Aus Deutschland wurden noch bis Anfang dieser Woche Einwendungen akzeptiert.
"Wenn in Temelín etwas passiert, hängen wir alle mit."
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Eike Hallitzky
Das Umweltministerium bekräftigte erneut, man sei gegen den Neubau von Kernkraftwerken und wolle die tschechische Regierung "von der Energiewende und dem bayerischen Weg hin zu erneuerbaren Energien überzeugen und unterstützen".
Transparenz versprochen
Anfang Mai hatte Tschechiens liberal-konservativer Ministerpräsident Petr Necas Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Treffen in Prag Transparenz beim Ausbau des Atomkraftwerks Temelín nahe der bayerischen Grenze versprochen. Necas verlangte aber zugleich Akzeptanz für die Pläne. Für den Bau der neuen Reaktoren werden Projektkosten von knapp acht Milliarden Euro angesetzt.

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peter poehner, Samstag, 20.Oktober, 11:34 Uhr
2. temelin
es freut mich sehr, daszentlich einmaletwas passieret ist, und das tschechien endlich einmal eine einsicht hat. nur bis 2014 kann noch soviel passieren, eine unsichere schweißnaht ist wie eine zeitbombe undwenn dies vor 2014 passiert, dann müssen sie ja nur nach tschernobyl sehen, und das dann mitten in europa
ich bin dafür, dasz eine sofortige untersuchung stattfindet, anders kann man ein ungewissen nicht befriedigen.
warum erst 2014 . musz man erst akten frisieren,weil es solange dauert. in unserer
korrupten welt würde mich dies nicht wundern.
ich selbst wohne in bayreuth, also ganz in der nähe undmöchte auch hier bleiben und nicht an den nordpol umgesiedelt werden.
danke
peter poehner
joe 48, Donnerstag, 18.Oktober, 16:30 Uhr
1. Schweißnaht im KKW
kann man denn diese Naht nicht bei Nacht und Nebel einfach richten ? Verdeckte, heimliche Aktionen sind doch in Wunsiedel nicht ungewöhnlich !!