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Praxensterben 15 Millionen Euro für Ärzte auf dem Land

Den Bayern geht's gut. Noch. 93 Prozent der Menschen gelten als "überversorgt", was Ärzte und ihre Praxen anbelangt. Doch das könnte sich bald ändern. Junge Mediziner verschmähen das Land. Gesundheitsminister Huber will sie nun locken - mit viel Geld.

Stand: 08.04.2013
Landschaft mit Schildern | Bild: picture-alliance/dpa

Derzeit ist jeder vierte Hausarzt älter als 60 Jahre. Das Durchschnittsalter in Bayern liegt bei 54,3 Jahren. Klar ist damit: Bis Ende des Jahrzehnts wird die Hälfte der bayerischen Hausärzte das Rentenalter erreichen. Die drohende Versorgungslücke will Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) mit 15 Millionen Euro für neue Förderprogramme schließen. "Es ist nicht einfach, diese Dinge in einem Flächenland wie Bayern hinzukriegen", betonte Huber.

Wie sehen die Pläne aus? Ein Förderprogramm beinhaltet bis zu 200.000 Euro Zuschuss für "innovative Versorgungskonzepte", sagt Huber. Konkreter wird er nicht. Darunter jedenfalls können Gemeinschaftspraxen mit familienfreundlichen Arbeitszeiten fallen. Die beiden anderen Programme bezuschussen einerseits mit 60.000 Euro die Übernahme von Hausarztpraxen in den betroffenen ländlichen Gebieten und andererseits mit 300 Euro monatlich Medizinstudenten, die sich verpflichten, nach der Ausbildung mindestens fünf Jahre auf dem Land zu arbeiten.

Große Probleme in Franken und Niederbayern

Schwierig mit dem Nachwuchs dürfte es nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) in Zukunft vor allem in Ober- und Unterfranken sowie Niederbayern werden. Bei der Suche nach einem Praxisnachfolger taucht laut KVB immer wieder das Problem auf, dass junge Ärzte oft nicht auf das soziale Umfeld verzichten wollen, das sie sich während des Studiums in einer Universitätsstadt aufgebaut haben.

Entsprechend groß sind in bestimmten Regionen die Probleme, Nachfolger für Praxen zu finden, wenn der bisherige Arzt aufhört. Die neuesten Zahlen stammen aus dem Jahr 2009 und zeigen, dass beispielsweise in Niederbayern 42 Prozent der Praxen nicht nachbesetzt werden konnten. Besser sieht es in München aus. In der Landeshauptstadt konnte für jeden Hausarzt, der in Rente gehen wollte, auch ein Nachfolger gefunden werden.

Ärztekammer befürchtet "Super-GAU"

Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer

Volle Unterstützung hat Huber mit seinen Plänen von der Bayerischen Landesärztekammer. Sie sieht bei der Hausärzte-Versorgung einen Notstand heraufziehen. Kammerpräsident Max Kaplan sagte dem Bayerischen Rundfunk:

"Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, sondern fast fünf nach zwölf."

Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer

Wenn man jetzt nicht sofort gegensteuere, laufe man in einen "Super-GAU". Nach seinen Worten fehlen in zehn Jahren etwa 1.500 Hausärzte in Bayern. "Schon in den kommenden Jahren wird die Hälfte ausscheiden." Das gehe besonders zu Lasten der Situation auf dem Land und müsse vernünfttig kompensiert werden.

Um junge Ärzte aufs Land zu locken, muss sich aus Kaplans Sicht einiges ändern. Dazu gehört, dass sich mehrere Hausärzte künftig eine Region teilen. Er fordert auch Änderungen bei den Bereitschaftsdiensten der Ärzte: "Es ist wenig attraktiv, wenn Hausärzte in kurzen Abständen auch am Wochenende und damit zwölf Tage am Stück arbeiten müssen." Auch in höheren Honoraren für Landärzte sieht er einen Anreiz, der aber nicht zu Lasten von Hausärzten in überversorgten Regionen gehen dürfe. Den finanziellen Aspekt hält er aber letztlich nicht für entscheidend: "Nur mit einem höheren Honorar können sie einen jungen Arzt auch nicht in den Bayerischen Wald locken."


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