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Medienkompetenz - Folge 2 Printmedien - Nutzung und Informationsgewinn

Die Printmedien tragen zur öffentlichen Meinungsbildung bei - doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass sich dieser Prozess auf wenige Verlagshäuser verteilt. Im Zuge der Digitalisierung entwickelt sich auch auf dem Buchmarkt ein neuer Trend: das ebook.

Stand: 30.01.2012

ebook im Bücherregal | Bild: picture-alliance/dpa

1. Das Zeitungs- und Zeitschriftenwesen

  • Bereits 1945 begannen die Alliierten Lizenzen an Deutsche mit "politisch sauberer Weste" und mit unterschiedlicher Orientierung zu vergeben. Nach den verheerenden Erfahrungen mit der Nazipropaganda lautet die Grundforderung an das neue Pressewesen, Information und Meinung strikt zu trennen. Die kontrollierte Lizenzpresse sollte aus der ideologisch fehlgeleiteten Bevölkerung überzeugte Demokraten machen.
  • Ein Zeichen dafür setzte die Süddeutsche Zeitung: "Die ersten Druckplatten der SZ wurden am 6. Oktober 1945 aus dem eingeschmolzenen Originalsatz von Hitlers Mein Kampf gegossen." (50 Jahre Süddeutsche Zeitung. Katalog zur Ausstellung 1995 S.4)
  • Das Ideal der demokratischen Presse war fortan, als "vierte Gewalt" im Staat zu agieren und ein Gegengewicht zu Judikative, Exekutive und Legislative zu bilden. Sie wirkt an der öffentlichen Meinungsbildung mit, indem sie Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt und Kritik übt.
  • Die 68er-Generation sah die im Grundgesetz (Artikel 5) verankerte Pressefreiheit und damit die Demokratie gründlich aufs Spiel gesetzt. Hintergrund ihrer Proteste war die enorme Pressekonzentration: Seit Mitte der 50er Jahre erlagen immer mehr kleine Zeitungen und Verlage dem Wettbewerb mit den immer mächtigeren Konzernen. Die Presse, so die 68er, könne unter diesen Umständen ihren aufklärerischen Anspruch nicht mehr erfüllen. Der Pluralismus der Meinungen stehe auf dem Spiel.
  • "Enteignet Springer" lautete die Losung der 68er.
  • Der Konzentrationsprozess im Bereich der Tageszeitungen stagniert inzwischen fast, die Marktanteile der Tagespresse sind unter den großen Konzernen verteilt. Obwohl dies für die Meinungsvielfalt nicht förderlich ist: Der Protest dagegen ist heute verstummt.
  • Erhebliche Bewegungen gibt es indes noch auf dem Zeitschriftenmarkt. Er hat sich derartig vervielfältigt, dass es kaum noch ein Interesse gibt, das noch nicht von einer Spezialzeitschrift bedient wird.
  • Genaue Marktanalysen erforschen die Wettbewerbslage und die Interessen und Gewohnheiten von Zielgruppen. Diese Arbeit der Marktforschungsinstitute fließt entscheidend in die Konzeption neuer Blätter ein, wenn sie ihr nicht gar vorausgeht. Denn mit einer hohen Leserzahl steigt der Anzeigenpreis. Beide sind abhängig von einander, damit Printmedien sich auf dem Markt behaupten und halten können.
  • Kritisch wird dieses Geschäft mit den Anzeigenkunden nach Andreas Lebert, (Medienentwickler, Chefredakteur der Frauenzeitschrift Brigitte), wenn diese (zu viel) Macht über die Berichterstattung erhalten. Wenn sie bestimmen, welche Berichte gebracht oder nicht gebracht werden, oder wenn eine Redaktion aus Rücksicht auf ihre Anzeigenkunden bestimmte Informationen nicht bringt.

2. Die Fusionsbewegung im Verlagswesen: Auswirkungen auf den Buchmarkt

  • Ein Ende der Konzentration ist bei den Buchverlagen immer noch nicht in Sicht, immer mehr kleine Verlage werden von den großen Verlagshäusern aufgekauft. Branchenriesen wie Bertelsmann, Springer und Holtzbrinck machen es mittelständischen und kleinen Verlagshäusern schwer, literarische Experimente mit einem namenlosen Autor zu wagen. Aus der Not heraus versuchen kleine Verlage mit außergewöhnlichen Ideen aufzufallen, mit der Hoffnung einen bestsellerverdächtige Stoff zu entdecken. Unternehmensberater trimmen die Verlage auf maximale Effizienz. All das führt dazu, dass es die jungen, noch unbekannten Schriftsteller heute besonders schwer haben. Das Marketing für No-name-Autoren ist viel aufwändiger als für bekannte: Innerhalb von sechs Monaten muss ein neues Buch sich durch teure Werbeaktionen und Rezensionen in prominenten Medien bewährt haben, sonst fällt es unweigerlich durch die nachdrängenden Neuerscheinungen der Vergessenheit anheim.
  • Doch das ebook erschließt neue Chancen. Seit es Online-Buchläden von Amazon und Apple gibt, bieten Autoren selbst ihre elektronischen Werke zum Kauf an – das geschieht ganz an den Verlagen vorbei. (SZ am 12. Oktober 2011). Die „Indie- Autoren“ brauchen keinen Verlag, denn sie stellen ihre Werke online und Firmen wie Amazon übernehmen den Vertrieb. Auch wenn der Markt noch in den Kinderschuhen steckt, die Nachfrage wird steigen., Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) kauften in den ersten sechs Monaten dieses Jahr etwa 340 000 Deutsche 1,4 Millionen E-Books und gaben dafür 13 Millionen Euro aus, das bedeutet einen Marktanteil von unter einem Prozent. Der wird sich erhöhen, wenn es mehr E-Books auf Deutsch gibt.

3. Der Buchmarkt

Auf der Frankfurter Buchmesse 2011 gab es 400 000 Neuerscheinungen. Wie soll man sich in dieser Bücherflut noch orientieren und ein gutes Buch finden? Das Telekolleg präsentiert ein paar Möglichkeiten:

  • Engagierte BuchhändlerInnen, ob in großen oder kleinen spezialisierten Buchläden, geben individuelle Tipps.
  • Buchbesprechungen im Radio, im Fernsehen oder in der Zeitung informieren über Neuerscheinungen.
  • Bestsellerlisten machen auf das aufmerksam, was gerade modernist. o Verlage schicken auf Anfrage Broschüren über ihr Programm.
  • Man kann sich auch an bewährte Buchgemeinschaften halten, die Inhalt und Qualität garantieren. Regina Moths, Inhaberin von Literatur Moths, eines so kleinen wie engagierten Buchladens in München, empfiehlt z.B. die Büchergilde, eine unabhängige Buchgemeinschaft. In den 20er Jahren von der Gewerkschaft gegründet, bestimmt Qualität und nicht unbedingt die Bedienung des großbürgerlichen Geschmacks ihr Programm.

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