Telekolleg - Biologie


8

Evolution und Sexualität 1. Definition von Sexualität

Es gibt Lebewesen, die sich ungeschlechtlich fortpflanzen und solche, die sich geschlechtlich fortpflanzen. Was ist der Unterschied und wo liegen die Vor- und Nachteile?

Stand: 29.03.2012

Zwei Schnecken bei der Paarung | Bild: BR

Das Leben wäre sicher manchmal einfacher - wenn auch vielleicht langweiliger - ohne Sex. Und eigentlich müsste es ihn gar nicht geben. Denn aus der Tier- und Pflanzenwelt kennen wir genügend Beispiele, die zeigen, dass ungeschlechtliche Fortpflanzung möglich, erfolgreich und sinnvoll ist.

Ungeschlechtliche Fortpflanzung

Blickt man zurück in die Erdgeschichte, ist die ungeschlechtliche Vermehrung eigentlich die ursprüngliche Art der Fortpflanzung - und sie ist ein sehr bewährtes Modell.

Bakterien vermehren sich durch Teilung

Bakterien, die seit 3,5 Milliarden Jahren auf der Erde sind, vermehren sich, indem sie sich teilen: Zuerst verdoppeln sie ihr Erbgut, teilen die Zelle und geben die Erbgutkopie an die neue Zelle weiter. Auch die höher organisierten Pantoffeltierchen, die sich vor rund 1,5 Milliarden Jahren entwickelten, vermehren sich ungeschlechtlich: Sie teilen sich quer. Hefepilze pflanzen sich ebenfalls ungeschlechtlich fort, und zwar durch Knospung.

Nicht nur Einzeller - selbst Blattläuse vermehren sich ungeschlechtlich

Bei höher organisierten Lebewesen ist diese Form der Fortpflanzung vor allem bei Pflanzen weit verbreitet - hier nennt man dies vegetativ. Aber sogar Blattläuse verzichten auf den Geschlechtspartner: Sie vermehren sich durch Jungfernzeugung.

Die ungeschlechtliche Fortpflanzung hat einige Vorteile: keine aufwendige Partnersuche, kein Energieverlust bei der Balz, schnellere Produktion von Nachkommen und vor allem: Aus einem Individuum werden zwei, aus diesen zwei werden vier und so weiter - es findet tatsächlich eine Vermehrung statt.

Ungeschlechtliche Fortpflanzung

Ungeschlechtliche oder asexuelle Fortpflanzung liegt dann vor, wenn aus einem Elternteil durch mitotische Zellteilung Nachkommen (Klone) hervorgehen. Diese Art der Fortpflanzung ist bei Bakterien und Einzellern die Regel. Sie verdoppeln ihre Erbsubstanz und teilen sich anschließend oder knospen, wie im Fall der Hefe.

Geschlechtliche Fortpflanzung

In der Wissenschaft geht man vom sogenannten Eva-Prinzip aus. Das bedeutet: Das weibliche Geschlecht ist das ursprüngliche. Die Einführung des männlichen Geschlechts bedeutete einen Luxus, der eigentlich nicht notwendig gewesen wäre. Warum also hat sich vor rund einer Milliarde Jahren überhaupt Sexualität entwickelt? Und wann sprechen wir von sexueller Fortpflanzung?

Weibliche Geschlechtsorgane im Modell

Zur sexuellen Fortpflanzung sind ein männliches, Samen spendendes Geschlecht und ein weibliches Geschlecht notwendig. In den Geschlechtsorangen werden Keimzellen hergestellt, die durch Meiose ein halbiertes Erbgut besitzen.

Männliche Geschlechtsorgane im Modell

Immer dann, wenn Sexualorgane mit dieser Aufgabe ausgebildet sind, liegt Sexualität vor - ein zusätzlicher Aufwand, der sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte etabliert haben muss. Woraus, wann und wie sich Geschlechtsorgane bei höheren Lebewesen zum ersten Mal entwickelt haben, wissen wir noch nicht. Tatsache ist, dass sich Sexualität erfolgreich durchgesetzt hat.

Im Gegensatz zur ungeschlechtlichen Fortpflanzung hat die geschlechtliche Fortpflanzung nur dann eine Vermehrung zur Folge, wenn ein Elternteil mehr als einen Nachkommen zeugt.

Geschlechtliche Fortpflanzung

Geschlechtliche oder sexuelle Fortpflanzung liegt dann vor, wenn zwei Elternteile Keimzellen produzieren, die durch Meiose jeweils das halbierte Erbgut des Elternteiles tragen.


8