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SoFi am 21. August 2017 Totale Sonnenfinsternis in den USA

Am 21. August bedeckte der Mond die Sonne für einen Moment komplett: totale Sonnenfinsternis! Zu sehen war die SoFi allerdings nur in den USA, wo der Mondschatten quer von Ost nach West über den Kontinent raste.

Stand: 21.08.2017

Verlauf einer totalen Sonnenfinsternis (Collage) | Bild: picture-alliance/dpa

Sommerurlaub in Kentucky - dafür gab es in diesem Jahr einen ganz besonderen Grund: Quer über die Vereinigten Staaten von Amerika war am Abend des 21. August 2017 eine totale Sonnenfinsternis zu sehen! Am größten war die SoFi in Kentucky. Am längsten dauerte sie knapp daneben, im Süden des Staates Illinois. Verursacht wurde das schöne Spektakel vom Neumond, der zwischen Erde und Sonne hindurch wanderte und die Sonnenscheibe komplett verdeckte. Insgesamt dauerte die Totalität über drei Stunden - für jeden einzelnen Ort auf dem Weg, den der Mondschatten über die Erde zurücklegte, jedoch nur ein bis gut zweieinhalb Minuten.

Nur auf einem Streifen von 60 bis 115 Kilometern Breite war die Sonnenfinsternis total: In dieser Totalitätszone traf der Kernschatten des Mondes auf die Erde. Erstmals war das um 18.49 Uhr unserer Zeit (MESZ) der Fall, im nördlichen Pazifik: Von hier raste der Mondschatten mit rund 4.000 Kilometern pro Stunde auf die USA zu und "ging" in Oregon an der Westküste der Vereinigten Staaten an Land, als dort gerade Vormittag war.

Hier war die totale Sonnenfinsternis am 21. August 2017 zu sehen

Die Totalitätszone war hier schon hundert Kilometer breit und die Sonne fast zwei Minuten lang total verfinstert. Quer über Idaho, Wyoming, Nebraska, Kansas und Missouri verlief die Totalitätszone nach Illinois, wo die totale Phase mit 2 Minuten 40 Sekunden am längsten andauerte, während in Kentucky die Totalitätszone mit 115 Kilometern am breitesten war. Über Tennessee, North Carolina, Georgia, und South Carolina wurde der Schatten wieder kleiner und die Totalität kürzer, doch der Kernschatten des Mondes zog noch fast 6.000 Kilometer weiter über den Atlantik, bevor er um 22.02 Uhr MESZ die Erde wieder verließ.

Nördlich und südlich der Totalitätszone war in einem einige tausend Kilometer breiten Bereich eine partielle SoFi zu sehen: Vom Nordpol bis zum Norden Südamerikas schob sich die Mondscheibe zumindest teilweise über die Sonnenscheibe und verdunkelte sie mehr oder weniger, je nach Abstand zur Totalitätszone. Selbst im äußersten Westen Europas konnte bei Sonnenuntergang noch ein wenig Sonnenfinsternis beobachtet werden: Allerdings verdeckte der Mond hier nur ein winziges Stück der Sonne, kurz bevor beide untergingen.

Auch vor und nach der Totalität war eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Eine gute Stunde vor der totalen Phase berührte die Mondscheibe erstmals den Sonnenrand. Bis der Mond die Sonnenscheibe wieder ganz verlassen hatte, vergingen etwa zweieinhalb Stunden - und die an jedem Ort des SoFi-Verlaufs zu einer anderen Zeit, im Westen früher, im Osten später. Weltweit gesehen dauerte das gesamte Ereignis über fünf Stunden.

Ein kosmischer Zufall

Zur Totalität wird die Korona der Sonne sichtbar

Eine Sonnenfinsternis ist in unserem Sonnensystem ein einzigartiges Ereignis, hervorgebracht durch einen kosmischen Zufall: Im Dreiecksverhältnis Sonne, Mond und Erde stimmen Größen und Abstände gerade so überein, dass der Mond die Sonne verdecken kann. Denn eigentlich ist die Sonne im Durchmesser 400-mal größer als der Mond. Aber eben auch 400-mal weiter weg. Dadurch erscheinen uns beide am Himmel gleich groß. Tritt der Mond genau zwischen Erde und Sonne, verdeckt er sie aus unserer Perspektive komplett - die Sonne ist verfinstert.

Warum es nicht jeden Monat eine SoFi gibt

Auf seiner Runde um die Erde zieht der Mond jeden Monat zwischen Erde und Sonne hindurch - Neumond. Doch dabei bedeckt er die Sonnenscheibe meistens gar nicht. Denn zur Erdumlaufbahn um die Sonne ist die Mondbahn um fünf Grad geneigt. Dadurch befindet sich der Mond aus unserer Sicht meist unterhalb oder oberhalb der Sonnenscheibe, wenn er zwischen Erde und Sonne hindurch wandert. Nur wenn der Neumond zugleich genau die Erdbahn kreuzt, kommt es zu einer Sonnenfinsternis.

Finsternis ist nicht gleich Finsternis

So kommt es zu einer Sonnenfinsternis

Je nach Länge und Geometrie des Mondschattens kann von der Erde aus eine partielle, eine ringförmige oder eine totale Sonnenfinsternis beobachtet werden. Bei der totalen Sonnenfinsternis steht der Beobachter im Kernschatten des Mondes, dessen Scheibe die Sonnenscheibe vollständig bedeckt. Während dieser Totalität ist die Korona der Sonne sichtbar und es wird so dunkel, dass man sogar die helleren Sterne sehen kann.

Partiell ist die Sonnenfinsternis, wenn die Mondscheibe nur Teile der Sonne verdeckt. Dann trifft nur der Halbschatten des Mondes auf die Erde - auch Halbschatten-Finsternis genannt. Aber auch jede totale Sonnenfinsternis beginnt und endet als partielle. Und auch die Totalität, bei der die Mondscheibe die Sonnenscheibe völlig bedeckt, ist nur auf einem relativ schmalen Streifen der Erde zu sehen, der sogenannten Totalitätszone: Nur hier wandert der Kernschatten des Mondes über die Erde. Nördlich und südlich grenzen an die Totalitätszonen sehr breite Streifen, von denen aus nur eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen ist.

Der seltene, schöne Sonnenring

Ringförmige Sonnenfinsternis

Eine ringförmige Sonnenfinsternis ist eine Sonderform der totalen: Der Mond schiebt sich komplett vor die Sonne, wenn er gerade sehr weit von der Erde entfernt ist. Dadurch kann in diesem Fall die etwas kleinere Mondscheibe die Sonnenscheibe nicht vollständig verdecken. So bleibt der typische Sonnenring stehen, der diese Sonnenfinsternis besonders sehenswert macht.

Siebeneinhalb Minuten

Wie lange der schöne Moment der Totalität anhält, ist bei jeder Finsternis verschieden. Die letzte totale Sonnenfinsternis über Deutschland im Jahr 1999 war mit knapp zweieinhalb Minuten recht kurz. Die längste tatsächlich gemessene Totalität gab es am 20. Juni 1955 auf den Philippinen: 7 Minuten und 8 Sekunden.
Theoretisch kann die Totalität bis zu 7 Minuten und 33 Sekunden dauern. Das wird die Finsternis am 16. Juli 2186 im Mittelatlantik mit 7 Minuten und 29 Sekunden fast erreichen. Sie bleibt für die nächsten 1.469 Jahre Rekordhalter.

Eine ringförmige Sonnenfinsternis kann theoretisch sogar 12,5 Minuten dauern, da der Mond weiter von der Erde entfernt ist und für die gleiche Strecke am Firmament viel länger braucht.

Die regelmäßige Sensation

Jedes Jahr gibt es zwei bis vier Sonnenfinsternisse - weltweit gesehen. Doch da jede SoFi nur auf einem wenige hundert Kilometer breiten Streifen zu sehen ist, wird sie für jeden einzelnen Ort auf der Erde zur Seltenheit. Immer zwei Wochen vor oder nach einer Sonnenfinsternis kommt es auch zu einer Mondfinsternis. So auch bei dieser SoFi: Am 7. August gab es eine partielle Mondfinsternis - und sie war sogar bei uns zu sehen!

Die nächste Sonnenfinsternis

Der Moment kurz vor der Totalität

Das nächste Mal wird sich die Sonne am 15. Februar 2018 verfinstern: eine partielle Sonnenfinsternis wird im Süden Südamerikas und in der Antarktis zu sehen sein. Bei uns in Bayern gibt es erst am 10. Juni 2021 überhaupt wieder eine Sonnenfinsternis. Und dann wird, wie auch bei den folgenden SoFis, nur ein winziger Teil der Sonne verdeckt werden. Erst am 12. August 2026 ist eine SoFi bei uns wieder richtig bemerkenswert. In Teilen Spaniens und Islands wird sie total sein, bei uns wird immerhin der größte Teil der Sonnenscheibe bedeckt. Für eine totale Sonnenfinsternis in Deutschland müssen wir uns noch sehr lange gedulden: Erst am 3. September 2081 ist es wieder so weit - über dem Gebiet des Bodensees. Rund ein halbes Jahrhundert später, am 7. Oktober 2135, dann auch in Norddeutschland.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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