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Vollmond oder Sichel? Der Mond & seine Reise im Mai

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für Mai 2017 mit Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 28.04.2017

Supermond über der Ruine der Trimburg im fränkischen Saaletal | Bild: Alexander Preyer

Im Mai wandert ein wachsender Mond abends von den Winterbildern, die jetzt schon früh versinken, durch die großen Sternbilder des Frühlings und leuchtet dort mit dem Riesen Jupiter um die Wette. Vollmond ist am 10. Mai. Danach zieht die abnehmende Mondscheibe durch die Sommerbilder, wo sie auf Saturn trifft. Als Mondsichel trifft sie den hellen Morgenstern Venus und verschwindet kurze Zeit: Am 26. Mai ist Neumond. Doch an den letzten Mai-Abenden taucht der Junge Mond wieder auf und zieht nochmals von den Winter-Sternbildern zum Frühling.

Junger Mond abends in den Winter-Sternbildern

Der Mond beginnt seine Reise im Mai mit schon dicker Sichel, die früh abends noch hoch im Westen steht. Wenn es nach zehn Uhr richtig finster wird, sehen Sie rechts unter der Mondsichel noch kurz den oberen Teil des untergehenden Wintersechsecks. Die Zwillinge als höchstes Sternbild sind eine gute Handbreit vom Mond entfernt. Links über dem Mond schimmert der kleine Krebs, ein eher unscheinbares Sternbild. Am 2. Mai steht der Mond genau in der Mitte des Krebses und überstrahlt seine schwachen Sterne.

Mondphasen im Mai

DatumUhrzeitMondphase
03.05.1704.46 Uhrzunehmender Halbmond
10.05.1723.43 UhrVollmond
19.05.1702.33 Uhrabnehmender Halbmond
25.05.1721.45 UhrNeumond

Halbmond beim Löwen im Frühling

Tagtäglich entfernt sich unser Begleiter etwas weiter von der Sonne, steht bei ihrem Untergang etwas höher und geht selbst etwa eine Stunde später unter, während seine Sichel langsam wächst und er ostwärts durch die Sternbilder wandert. Als zunehmenden Halbmond am 3. Mai finden Sie ihn dicht vor dem Löwen, knapp vier Fingerbreit rechts von dessen hellstem Stern Regulus. Das Frühlings-Sternbild ist so groß, dass unser Begleiter zwei weitere Nächte braucht, um darunter vorbei zu wandern. In der Nacht vom 5. auf den 6. Mai schickt er sich erst um vier Uhr morgens an unterzugehen - gerade rechtzeitig, um Ihnen eine Chance auf den Sternschnuppenregen in den frühen Morgenstunden dieser Nacht zu geben.

Mond bei Jupiter und der Jungfrau

Mond bei Jupiter

Am 6. Mai ist der Mond beim nächsten großen Sternbild angelangt, der Jungfrau. Und dort wartet schon Jupiter auf ihn, eine gute Handbreit links unter der stark angewachsenen Mondscheibe. In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai wandert der Mond ganz dicht an dem strahlend hellen Planeten vorbei: Kein Fingerbreit passt zwischen die Mondscheibe und Jupiter. Etwa eine Handbreit unter dem Duo sehen Sie ein weiteres auffälliges Licht: die Spika, den hellsten Stern der Jungfrau. Von ihr ist der Erdtrabant am Abend des 8. Mai nur drei Fingerbreit entfernt.

Kleiner Vollmond, große Täuschung

Riesiger Vollmond am Horizont

Am 10. Mai geht um kurz nach acht Uhr abends der Vollmond im Osten auf, eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang. Weil unser Begleiter auf seiner elliptischen Bahn um die Erde zugleich fast den entferntesten Punkt zu uns erreicht hat, ist er etwas kleiner als ein Durchschnitts-Vollmond und auch weniger hell. Auffallen würde Ihnen das allerdings nur, wenn der Durchschnitts-Vollmond neben dem wirklichen Vollmond stünde. Ohne den direkten Vergleich ist der Unterschied fürs bloße Auge nicht wahrnehmbar.

Dem Mond selbst auf die Schliche kommen

Es kommt im Mai sogar zum gegenteiligen Effekt: Da der Vollmond im tiefstehenden Sternbild Waage ist, entfernt er sich nach dem Aufgang nur langsam vom Horizont. Selbst um ein Uhr nachts, wenn er seinen höchsten Punkt im Süden erreicht, steht er keine drei Handbreit hoch. Die Nähe zum Horizont lässt den Mond jedoch wachsen - scheinbar: Die Mondtäuschung schlägt zu! Das Bild verrät Ihnen, wie Sie der Mondtäuschung selbst auf die Schliche kommen können. Und die folgende Animation erklärt, wie sie zustandekommt:

Mond beim Sommer-Sternbild Skorpion

Am 11. Mai führt die allmählich wieder abnehmende Mondscheibe Sie zu einem typischen Sommer-Sternbild: Der Mond steht über dem Skorpion, der jetzt seinen hübschen Kopf wieder über den Horizont reckt und in den Stunden nach Mitternacht am besten zu sehen ist. Solange die helle Mondscheibe nahe steht, überstrahlt sie viele der Skorpionsterne, zeigt Ihnen aber, wo Sie das Sternbild in den folgenden Nächten finden werden.

Mond beim Ringplaneten Saturn

Mond bei Skorpion und Saturn

Doch in der Nacht vom 12. auf den 13. Mai lohnt sich der Anblick: Die Mondscheibe bildet mit zwei hellen Lichtern ein Dreieck über dem Horizont. Rechts unter dem Mond schimmert eine Handbreit entfernt Antares, der hellste Stern des Skorpions. Eine Handbreit links vom Mond strahlt, etwas heller als Antares, Saturn. In der folgenden Nacht ist unser Begleiter an dem Planeten schon vorbei gewandert und steht gut einen Fingerbreit links über Saturn. Nach Mitternacht tauchen die beiden im Südosten auf, stehen zwischen drei und vier Uhr morgens etwa zwei Handbreit hoch im Süden und sind bis gegen fünf Uhr morgens zu sehen, dann löscht die Morgendämmerung Saturns zartes Licht.

In den folgenden Nächten wandert der Mond durch das Sternbild Schütze über das breite Band der Sommer-Milchstraße hinweg und zieht anschließend durch die unscheinbaren Sternbilder Steinbock und Wassermann, während seine Scheibe zum Halbmond am 19. Mai abnimmt. Inzwischen geht er erst weit nach Mitternacht auf, ist dafür aber auch tagsüber noch am Firmament zu sehen.

Mondsichel beim Morgenstern Venus

Mondsichel beim Morgenstern

Frühmorgens vom 21. bis 23. Mai lohnt es sich, nach dem Mond Ausschau zu halten. Seine abnehmende Sichel steht tief im Osten in der Morgendämmerung - dicht neben einem gleißend hellen Licht: der Venus. Gegen vier Uhr geht der Morgenstern auf und ist ab 4.15 Uhr leicht zu finden, bis der Himmel etwa um fünf Uhr selbst für die strahlende Venus zu hell wird. Am Morgen des 21. Mai steht die Mondsichel noch zwei Handbreit entfernt rechts über dem Planeten. Doch am 22. Mai ist der Mond nur noch drei Fingerbreit von der Venus entfernt - in der Dämmerung ein schönes Fotomotiv!

Zwei helle Sicheln am Morgen

Am Morgen darauf ist unser Begleiter schon eine knappe Handbreit links unter die Venus "gerutscht" und geht erst eine Dreiviertelstunde nach ihr auf. Es ist vermutlich das letzte Mal vor Neumond, dass Sie ihn sehen. Am 24. Mai braucht es schon ideale Bedingungen, um die schmale Mondsichel noch einmal zu entdecken, die erst um fünf Uhr, eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang, im Osten erscheint - jetzt schon wieder zwei Handbreit von der Venus entfernt. Danach bleibt der Mond kurze Zeit ganz im hellen Sonnenlicht verborgen: Am 25. Mai zieht er als Neumond zwischen Sonne und Erde hindurch. Auch unsichtbar macht er sich jedoch bemerkbar, denn weil er zugleich seinen erdnächsten Punkt erreicht, ist die Gezeitenkraft des Mondes diesmal bei Neumond besonders stark.

Junge Mondsichel am Abend im Westen

junger Mond im Westen

Geübte Beobachter können schon am 26. Mai versuchen, mit Fernglas oder Teleskop nach der jungen Mondsichel Ausschau zu halten. Allerdings ist der Erdtrabant an dem Abend noch so dicht bei der Sonne, dass er bei ihrem Untergang um neun Uhr schon an den Horizont im Westen gerückt ist. Abends am 27. Mai sind die Bedingungen besser: Um zehn Uhr abends steht die Mondsichel drei Fingerbreit über dem Horizont in der Abenddämmerung. Eine Dreiviertelstunde später geht der Mond unter.

Einmal rum ums Firmament

Abnehmend oder zunehmend? Eine kleine Faustregel

Doch allabendlich bleibt der Mond länger am Himmel - bald lange genug, dass auch die Sternbilder um ihn herum in der späteren Dämmerung erkennbar werden. So finden Sie am 28. Mai gegen elf Uhr abends rechts von der Mondsichel wieder die Zwillinge, wo die Mondreise am 1. Mai begann. Nur, dass die Zwillinge jetzt fast zwei Stunden früher untergehen als zu Monatsanfang. Die langsam zunehmende Mondsichel kreuzt in den nächsten Nächten noch einmal den kleinen Krebs und erreicht am 30. Mai erneut das große Frühlings-Sternbild Löwe, dass sich jetzt abends kopfüber dem westlichen Horizont entgegenzustürzen scheint. In der letzten Mainacht ist der Mond wieder dicht beim hellsten Löwenstern Regulus angelangt.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.


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