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Vollmond oder Sichel? Der Mond & seine Reise im September

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für September 2016 mit Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 31.08.2016

Supermond über der Ruine der Trimburg im fränkischen Saaletal | Bild: Alexander Preyer

Der September beginnt und endet jeweils mit Neumond. Und dazwischen klappert der Mond sämtliche Planeten ab, die derzeit am Firmament zu finden sind. Den Anfang macht die junge Mondsichel abends beim Abendstern Venus. Sie zieht an Saturn und Mars vorbei und bedeckt Neptun. Als Vollmond wird unser Begleiter diesmal selbst bedeckt, vom Erdschatten. Zum Herbstbeginn zieht er durch die Herbst- und Winter-Sternbilder. Und die letztmals sichtbare Mondsichel am Morgen führt Sie noch schnell zu Merkur, dem seltenen Morgenstern.

Mondphasen im September
DatumUhrzeitMondphase
01.09.1611.03 UhrNeumond
09.09.1613.49 Uhrzunehmender Halbmond
16.09.1621.05 UhrVollmond
23.09.1611.46 Uhrabnehmender Halbmond

Junger Mond beim Abendstern

Mondlos beginnt der September: Am Monatsersten zieht unser Begleiter zwischen Erde und Sonne hindurch und bleibt als Neumond in ihrem Licht verborgen. Bei uns zumindest - in Afrika dagegen macht er sich dabei mit einer spektakulären Sonnenfinsternis bemerkbar. Auch am Abend darauf ist er bei uns höchstens im Teleskop zu finden, kurz nach Sonnenuntergang. Eine ideale Zeit, um Sterne zu gucken, die Milchstraße zu bestaunen oder nach Sternschnuppen zu suchen.

Mondsichel beim Abendstern Venus

Am 3. September werden Sie den Mond wieder sehen - und das lohnt sich, denn drei Fingerbreit rechts unter ihm taucht der strahlende Abendstern Venus kurz auf! Um Viertel nach acht Uhr abends, nur gut zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang, stehen die beiden tief im Westen, etwa zwei Fingerbreit über dem Horizont. Unter dem verschwindet die Venus schon um zwanzig vor neun Uhr, der Mond nur zehn Minuten später.

Wachsende Mondsichel am Abend

Doch allabendlich ist der Mond ab jetzt ein wenig länger zu sehen, weil er sich auf seiner Runde um die Erde immer weiter von der Sonne entfernt, bei ihrem Untergang ein wenig höher steht. Abend für Abend geht er etwa eine halbe Stunde später unter, sodass bald auch die ersten Sterne um ihn erkennbar werden. Die Mondsichel wächst ganz allmählich an, während sie in immer späterer Dämmerung durch Jungfrau und Waage langsam ostwärts wandert.

Stelldichein bei Mars und Saturn

Halbmond bei Mars und Saturn

Am 8. September hat der Mond wieder eine sehenswerte Begegnung: Um neun Uhr abends, wenn es schon recht dunkel ist, steht er im Südwesten über dem Skorpion, der jetzt nur noch mühsam seinen Kopf über den Horizont erhebt. Doch über dem Skorpion strahlen zwei markante Lichter: Knapp zwei Fingerbreit links unter dem Mond finden Sie den Ringplaneten Saturn, ein Stück rechts davon unseren roten Nachbarn Mars. Am 9. September ist unser Begleiter als zunehmender Halbmond genau über Mars angelangt, am Abend darauf hat er sich schon anderthalb Handbreit weit entfernt.

Mond bedeckt Neptun

Mond bedeckt Neptun

Vom Skorpion führt der Weg des Erdtrabanten quer über die Milchstraße durch den Schützen und weiter durch die unscheinbaren Sternbilder Steinbock und Wassermann. Dort trifft er am 15. September auf den fernen Gasplaneten Neptun und bedeckt ihn für eine Weile: Ab Viertel nach neun Uhr abends schiebt sich die fast schon volle Mondscheibe von rechts oben über das winzige Scheibchen des Neptun. Eine Dreiviertelstunde später taucht Neptun auf der anderen Seite der Mondscheibe wieder auf. Mit bloßem Auge können Sie das nicht sehen, dazu ist Neptun viel zu weit von uns entfernt. Sie brauchen mindestens ein lichtstarkes Fernglas samt Stativ oder noch besser ein Teleskop. Oder eine geöffnete Sternwarte in Ihrer Nähe.

Grauer Herbst-Vollmond

Einen Abend später, am 16. September, sollten Sie den Mond unbedingt im Blick behalten. Denn wenn der Vollmond genau bei Sonnenuntergang um 19.23 Uhr im Osten erscheint, ist gerade eine Mondfinsternis im Gange! Weil es sich um eine Halbschatten-Finsternis handelt, dauert es ein wenig, bis Sie sie erkennen werden. Doch zum Höhepunkt der MoFi ist fast die ganze Mondscheibe im Halbschatten der Erde und damit deutlich abgedunkelt.

Abnehmender Mond in später Nacht

Abnehmend oder zunehmend? Eine kleine Faustregel

Die folgenden Nächte verlaufen für unseren Begleiter eher unspektakulär. Er geht immer später auf und seine Scheibe nimmt ganz langsam wieder ab. Seine Wanderung führt ihn ohne sehenswerte Begegnungen durch Fische und Widder. Hoch darüber schimmert das Herbstviereck Pegasus am Firmament und lässt keinen Zweifel, dass der Sommer zu Ende geht. Auch der Mond wendet sich dem Winter zu:

Beim Stier und den Plejaden

Am 20. September erscheint der Mond gegen zehn Uhr am schon dunklen Himmel. Und mit ihm geht ein erster Bote des Winters auf: Links vom Mond hebt sich allmählich der Stierkopf über den Horizont. Hoch darüber sein markantestes Merkmal: das schimmernde Siebengestirn, etwa eine Handbreit links über dem Mond. In der folgenden Nacht ist der Mond dicht neben Aldebaran angelangt, dem hell leuchtenden Auge des Stiers. Und der Halbmond in der Nacht auf den 23. September hat schon die Spitzen der Stierhörner erreicht und steht mitten im Wintersechseck. Falls Sie in später Nacht noch draußen unterwegs sind, dann können Sie rechts unter dem Mond den Orion aufgehen sehen, links unter ihm die Zwillinge. An ihnen zieht er in den folgenden beiden Nächten vorbei.

Inzwischen ist der Mond erst in der zweiten Nachthälfte zu sehen und fällt eher morgens vor Sonnenaufgang auf. Nachdem er den Krebs passiert hat, können Sie seine schon schmale Sichel am Morgen des 27. September rechts des großen Frühlingssternbilds Löwe erblicken. Am Morgen danach steht die Mondsichel dicht beim hellsten Löwenstern Regulus.

Mondsichel beim Morgenstern Merkur

Mondsichel bei Merkur

Am Morgen des 29. September lohnt sich der Blick zur Mondsichel noch einmal besonders: Um halb sieben Uhr morgens können Sie sie als zarten Strich im Osten finden, etwa eine Handbreit über dem Horizont in der Morgendämmerung. Und gut einen Fingerbreit links unter ihr taucht ein winziges, gleißendes Licht auf: Merkur, der innerste Planet, ist nach langer Zeit mal wieder für ein paar Tage zu sehen. Viel Zeit bleibt Ihnen nicht, denn der nahende Sonnenaufgang um zehn nach sieben Uhr lässt ihn bald verlöschen. Zugleich wird das der letzte Blick sein, den Sie im September noch auf den Mond werfen können. Am Morgen des 30. September ist er bestenfalls im Teleskop noch auffindbar, denn am folgenden Morgen zieht er erneut als Neumond zwischen Erde und Sonne hindurch.


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