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Vollmond oder Sichel? Der Mond & seine Reise im September

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für September 2017 mit Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 31.08.2017

Supermond über der Ruine der Trimburg im fränkischen Saaletal | Bild: Alexander Preyer

Anfang September sehen Sie den zunehmenden Mond recht tief im Westen, wo er bald nach Mitternacht untergeht. Vollmond gibt es in diesem Monat gleich an zwei Abenden, danach macht unser Begleiter schon einen Abstecher in den Winter. Als abnehmende Sichel begegnet er in der zweiten Monatshälfte gleich drei Morgensternen nacheinander und schaut als junger Mond danach noch einmal bei Saturn vorbei.

Zunehmender Mond am Abend

Diesmal fängt unsere Mondreise schon in der Nacht auf den 1. September an, denn da geht der Mond bereits um halb zwei Uhr nachts unter und gibt Ihnen Gelegenheit, in den Morgenstunden nach einem Sternschnuppen-Regen Ausschau zu halten.

Abends am 1. September macht sich der Mond erst nach dem Sonnenuntergang gegen acht Uhr deutlich bemerkbar, etwa zwei Handbreit hoch im Süden. Sobald es etwas dunkler wird, taucht ein Stück rechts vom Mond ein auffälliges Licht auf: Saturn, der Ringplanet, ist zwei bis drei Handbreit entfernt. Der Mond steht an dem Abend im Schützen, der allerdings im hellen Mondlicht kaum zu sehen ist, selbst wenn gegen zehn Uhr am finstren Himmel die Sternbilder deutlich sichtbar werden. Monduntergang ist in dieser Nacht gegen halb drei Uhr.

Nacht für Nacht bleibt unser Begleiter eine knappe Stunde länger am Himmel, weil er sich auf seiner Reise um die Erde aus unserer Sicht immer weiter von der Sonne entfernt. Dabei wandert er mit weiter zunehmender Scheibe langsam ostwärts durch die unauffälligen Sternbilder Steinbock und Wassermann.

Mondphasen im September

DatumUhrzeitMondphase
06.09.1709.02 UhrVollmond
13.09.1708.25 Uhrabnehmender Halbmond
20.09.1707.30 UhrNeumond
28.09.1704.53 Uhrzunehmender Halbmond

Doppelter Vollmond

Riesiger Vollmond am Horizont

Gleich zwei Abende lang strahlt im September der Vollmond vom Himmel: am 5. wie am 6. September. Denn der exakte Vollmondtermin ist morgens am 6. September um neun Uhr, kurz nach dem Untergang des Mondes. Erst dann wäre seine Scheibe wirklich zu hundert Prozent von der Sonne angestrahlt. Abends zuvor und danach fehlt dagegen jeweils ein winziges Stück: 99,6 Prozent der Mondscheibe sind beleuchtet. Für das menschliche Auge ist das nicht wahrnehmbar - der Mond wird Ihnen an beiden Abenden voll erscheinen.

Auch die folgenden Nächte werden vom Mond erhellt, dessen Scheibe nur langsam wieder abnimmt, während sie durch das Sternbild Fische weiter zieht. Zwar taucht der Mond allabendlich später auf - dennoch früh genug, um in der Nacht vom 9. auf den 10. September den zweiten kleinen Sternschnuppen-Regen des Monats gründlich zu verderben.

Mond im Stier beim Siebengestirn

Eine sehenswerte Begegnung am Firmament hat unser Mond erst wieder am 11. September. Er erscheint nach halb elf Uhr abends im Osten, wenn es längst finster ist. Ist der Mond dann etwas höher gestiegen, können Sie rings um ihn ein paar schöne Gestirne entdecken: Eine Handbreit über dem Mond schimmert das hübsche Siebengestirn - ein Sternhaufen aus Tausenden von Sternen. Links neben dem Mond ist ein markantes, auf der Seite liegendes V zu erkennen: der Kopf des Sternbilds Stier. Sein helles Auge Aldebaran ist nur drei Fingerbreit vom Mond entfernt. Unter dem Mond erscheint in später Nacht der große Jäger Orion, ein gutes Stück weiter links können Sie die Zwillinge erkennen. Es sind die hellen Winter-Sternbilder, die sich hier um den Mond versammelt haben.
In der folgenden Nacht vom 12. auf den 13. September ist der Mond fast an den Spitzen der Stierhörner angelangt, die Nacht darauf sitzt er genau in der Mitte des Wintersechsecks. Er erscheint inzwischen - typisch für den abnehmenden Halbmond - erst nach Mitternacht, ist dafür aber auch am Vormittag noch zu sehen.

Unter den Zwillingen hindurch zieht die abnehmende Mondsichel in den folgenden Nächten weiter zum kleinen Krebs, und dann sollten Sie sie ein paar Tage nicht mehr aus den Augen lassen:

Zarte Mondsichel beim Trio der Morgensterne

Vier Tage lang, vom 16. bis 19. September, sollten Sie sich morgens immer einen Moment Zeit nehmen für einen Blick auf den Mond - falls Sie um sechs Uhr morgens schon in der Lage sind, zum Horizont im Osten zu sehen. Denn dann zieht unser Begleiter an einer ganzen Reihe sehenswerter "Morgensterne" vorüber.

Mondsichel beim Tanz der Morgensterne

Am Morgen des 16. September steht die Mondsichel um sechs Uhr morgens gut drei Handbreit hoch im Osten. Links unter ihr strahlen drei helle Punkte: Als oberster und hellster die Venus, gute zwei Handbreit links unter dem Mond. Etwa eine Handbreit links unter der Venus ist in der Dämmerung ein Doppelpunkt zu sehen: Mars und Merkur stehen da ganz dicht beieinander, nur etwa drei Fingerbreit über dem Horizont.

Mondsichel & Venus

Morgens am 17. September ist die Mondsichel auf eine Handbreit an die Venus herangerückt. Besonders hübsch ist der Anblick am 18. September um sechs Uhr morgens: Jetzt sitzt die schon sehr dünne Mondsichel anderthalb Fingerbreit unter der hellen Venus. Und ganz knapp über der Mondsichel schimmert Regulus, der hellste Löwenstern. Mars und Merkur, die sich schon wieder etwas voneinander entfernt haben, sind etwa vier Fingerbreit unter dem Mond.

Am 19. September können Sie den Mond dann letztmals vor Neumond sehen: Seine Sichel ist nur noch ein hauchzarter Strich, der es nur noch knapp über den Horizont schafft. Anderthalb Fingerbreit über der Mondsichel ist Merkur, Mars noch einen Fingerbreit darüber und hoch über den beiden die strahlende Venus.

Es bleibt Ihnen jeweils nur ein kurzer Moment Zeit, das Schauspiel zu sehen, bevor die fortschreitende Morgendämmerung die Lichter löscht. Sonnenaufgang ist an diesen Tagen schon kurz vor sieben Uhr. Aber gerade in der Dämmerung bilden die hellen Planeten mit der Mondsichel ein schönes Fotomotiv. Sollten Sie eines machen, dann schicken Sie uns bitte Ihr Foto! Wir würden uns freuen.

Danach bleibt unser Begleiter kurze Zeit im Sonnenlicht verborgen, denn er schiebt sich als Neumond am 20. September zwischen Erde und Sonne hindurch.

Junge Mondsichel tief im Westen

junger Mond im Westen

Schon am 21. September, nur einen Tag nach Neumond, ist die junge Mondsichel zurück: Abends nach Sonnenuntergang ist sie ganz kurz zu sehen, nur wenige Fingerbreit über dem Horizont im Westen. Um den Mond zu sehen, müssen Sie allerdings sehr, sehr schnell sein, denn er geht bereits um kurz nach acht Uhr unter, keine Stunde nach der Sonne.

Zunehmender Mond bei Saturn

Abnehmend oder zunehmend? Eine kleine Faustregel

Allabendlich haben Sie jetzt eine halbe Stunde länger Zeit, nach dem Mond zu gucken, während er sich langsam von der Sonne entfernt und seine Sichel wächst. Doch da die Planetenebene (Ekliptik) im Herbst abends im Westen sehr flach verläuft, steht die Mondsichel auch die folgenden Abende nur wenig über dem Horizont. Am 25. September können Sie in der späten Dämmerung noch kurz unter dem Mond das hübsche Sternbild Skorpion erahnen. Doch Ihre Aufmerksamkeit wird sicher von einem anderen Licht gefesselt:

Mond bei Saturn

Anderthalb Handbreit links vom Mond leuchtet Saturn, der große Ringplanet, etwas heller als die Sterne ringsum. Am 26. September ist der Mond nur noch zwei Fingerbreit von Saturn entfernt. Am folgenden Abend lässt unser Begleiter den Planeten schon deutlich hinter sich. Inzwischen ist er zum Halbmond angewachsen und wieder dort am Firmament angelangt, wo er Anfang September seine Reise begann. In den letzten Nächten im September zieht er erneut durch den Schützen und auf den Steinbock zu und ist zuletzt schon wieder bis zwei Uhr nachts zu sehen.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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