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41P/Tuttle-Giacobini-Kresak im Anflug Der Komet ist bald mit bloßem Auge zu sehen

Allabendlich wird er heller: Komet 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak ist im Anmarsch auf das innere Sonnensystem und im Fernglas schon gut zu sehen. Und dieser Komet ist berühmt für helle Überraschungen. Nutzen Sie die Nächte ohne störenden Mond!

Von: Heike Westram

Stand: 28.03.2017

Komet 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak am 17. März 2017, fotografiert von Roland Fichtl | Bild: Roland Fichtl

Kometen sind die eisigen Gesellen vom fernen Rand des Sonnensystems. Immer wieder kommen sie von dort zu Besuch, umkreisen die Sonne und werden manchmal für kurze Zeit am Firmament sichtbar. Doch nur selten ist ein solcher Schweifstern hell genug, um von Laien gesehen zu werden. Jetzt könnten Sie dazu Gelegenheit haben, denn der Komet 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak ist im Anflug! Die letzten Märznächte sind ideal zur Kometensuche: Kein Mond stört und der Komet ist fast schon hell genug fürs bloße Auge.

41P/Tuttle-Giacobini-Kresak - ein alter Bekannter

Vielleicht haben Sie seinen durchaus komplizierten Namen schon mal gehört, denn der Komet 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak ist ein alter Bekannter: Für eine Runde um die Sonne braucht er nur 5,4 Jahre - eine kurze Zeitspanne für einen Kometen. Zuletzt war er 2011 der Sonne nah, allerdings aus unserer Sicht hinter ihr versteckt. 2006 war 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak das letzte Mal zu sehen. Meist ist dieser kleine Schweifstern, dessen Kern vermutlich nur anderthalb Kilometer groß ist, nur ein wenig heller, diffuser Fleck am Firmament. Doch unter Kometenjägern ist er berühmt für sein "Aber: oho!"

Kleiner Komet, großer Helligkeitsausbruch

Als 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak im Jahr 1973 der Sonne nahe kam, wurde er zur Berühmtheit: Kurz vor dem sonnennächsten Punkt kam es zu einem Helligkeitsausbruch ("Outburst" in Kometenjäger-Sprache). In nur einer Woche legte der verwaschene Fleck mit einer scheinbaren Helligkeit von 14 mag (nur in Teleskopen oder sehr lichtstarken Ferngläsern sichtbar) um ganze zehn Größenklassen zu, auf 4 mag scheinbare Helligkeit. Die Lichtmenge, die bei uns eintrifft, steigert sich von einer Größenklasse zur nächsten um mehr als das 2,5-fache. Ausgedeutscht heißt das: Nach nur sieben Tagen war der Komet plötzlich zehntausendmal heller als zuvor.

Komet 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak am 2. März 2017.

Und auch jetzt legt sich 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak schon gewaltig in die Lichtkurve: Von Mitte Januar bis Anfang März 2017 ist er hundertmal heller geworden (1. März: 9,5 mag). Inzwischen ist der Komet bei einer Helligkeit von etwa 7 mag (Stand: 24. März) und damit kurz unter der Sichtbarkeitsgrenze fürs bloße Auge. Mit einem lichtstarken Fernglas können Sie ihn bereits sehen. Und wie hell kann 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak noch werden?

41P/Tuttle-Giacobini-Kresak ist zugleich der Erde und der Sonne nah

Komet 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak am 13. März 2017.

Der Komet könnte in den nächsten Tagen mit bloßem Auge sichtbar werden (etwa ab 6 mag) und bis zu 5 mag scheinbare Helligkeit erreichen, vermuten Experten - einen Helligkeitsausbruch noch gar nicht mitgerechnet.

Komet 41P-Tuttle-Giacobini-Kresak in Sonnen- und Erdnähe.

Die Beobachtungsbedingungen sind in diesem Jahr besonders gut, denn der Komet erreicht seinen nächsten Punkt zur Erde (Perigäum) fast zeitgleich mit seinem nächsten Punkt zur Sonne (Perihel): Anfang April ist 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak nur etwa 22 Millionen Kilometer von der Erde entfernt (etwa fünfzigmal weiter als der Mond), am 12. April erreicht er dann seinen sonnennächsten Punkt, rund 156 Millionen Kilometer von unserem zentralen Stern entfernt (etwas weiter als die Erde). Das heißt, zum Zeitpunkt seiner größten Helligkeit ist er uns auch noch besonders nah.

Komet hoch am Firmament in finstrer Nacht

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Aus noch zwei weiteren Gründen sind die Chancen diesmal optimal, um 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak zu sehen: Zum einen befindet sich der Komet immer noch außerhalb der Erdumlaufbahn, also auf der Nachtseite der Erde. Zum anderen wandert er auf seiner schiefen Bahn, die knapp zehn Grad zur Bahn der Erde geneigt ist, gerade nördlich der Erde vorbei. Und das ist toll für alle Kometensucher auf der Nordhalbkugel: 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak ist mitten in der Nacht bei absoluter Dunkelheit ganz hoch an unserem Sternenhimmel unterwegs. Das sind die besten Beobachtungsbedingungen.

Wann und wo? Tipps zur Beobachtung des Kometen

Hier finden Sie den Kometen 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak im März und April 2017

41P/Tuttle-Giacobini-Kresak ist die ganze Nacht ideal zu sehen - zur Zeit allerdings noch nur mit Teleskop oder starkem Fernglas. Von halb zehn Uhr abends bis fünf Uhr morgens (Sommerzeit) ist es dunkel genug, um ihn zu entdecken. Der Komet zieht von Ende März bis Mitte April mit etwa zweieinhalb Handbreit Abstand am Sternbild Kleiner Bär (Kleiner Wagen) vorbei. Dabei wandert er sehr flott über den Sternenhimmel: Pro Tag bewegt sich 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak um etwa einen Fingerbreit (zwei Grad) weiter.

41P/Tuttle-Giacobini-Kresak im April 2017

Bis Anfang April finden Sie 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak genau zwischen dem Großen und dem Kleinen Wagen im Drachen. Dann wendet der Komet sich weiter Richtung Nordost und wandert auf die Sternbilder Herkules und Leier zu, die er Ende April fast erreicht. Auch dann ist er noch die ganze Nacht hoch genug über dem Horizont, allerdings ist es Ende April nur noch von halb elf Uhr abends bis vier Uhr morgens (Sommerzeit) dunkel genug.

Schön und schwierig

Ideal ist die Zeit zwischen dem 1. und 12. April, wenn der Komet nahe der Erde ist und sich der Sonne nähert. Ein Outburst ist rund um die größte Sonnennähe am 12. April am wahrscheinlichsten.

Wird 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak wie erwartet bis zu 5 mag hell, können Sie den Kometen mit bloßem Auge finden: ein verwaschenes Fleckchen von der Helligkeit der schwächsten Sterne. Doch dazu müssen Sie jede störende Lichtquelle meiden. In einem lichtstarken Fernglas (auf einem Stativ!) erscheint der Komet als grünliche, kleine Scheibe und könnte auch einen kleinen Schweif zeigen. Durch ein Teleskop betrachtet wird er richtig beeindruckend. Tipp: Fragen Sie in einer Sternwarte in Ihrer Nähe nach!

Wann kein Mond stört

Ende März sind ideale Bedingungen zur Kometensuche: Die Nächte um den 28. März sind mondfrei. Danach taucht zunächst nur am frühen Abend die Mondsichel auf, bleibt aber allabendlich länger. Etwa vom 7. bis 13. April stört der Mond die Suche nach 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak empfindlich.

Der Kometenschweif

So entsteht der Kometenschweif

Ein solcher Schweif wächst, wenn sich ein Komet der Sonne nähert. Sie erhitzt den Eisball und sorgt dafür, dass Gase und Eispartikel aus dem Kometen austreten und den typischen Schweif bilden. Eigentlich sogar zwei Schweife: einen weißlichen Staubschweif und einen grünlichen Ionenschweif.

Ein Schweif fliegt auch mal voraus

Komet mit zwei entgegengesetzten Schweifen

Der größere Ionen- oder Plasma-Schweif zieht übrigens nicht hinter dem Kometen her, sondern weist immer von der Sonne weg, da die leichten Ionen vom Sonnenwind "davongeblasen" werden. Der Schweif kann also auch seitlich vom Kometen wegweisen oder fliegt ihm gar voraus, wenn der Komet sich von der Sonne wieder entfernt. Der kürzere, leicht gekrümmte Staubschweif, der sich bei manchen Kometen bemerkbar macht, zieht dem Kometen hinterher.

Auf krummen Wegen

Kometen-Umlaufbahnen sind stark elliptisch: Die Schweifsterne ziehen nahe an der Sonne vorbei und entfernen sich dann wieder bis an den Rand des Sonnensystems. Viele der Kometen sind periodisch, kommen also immer wieder mal in die Nähe der Sonne, wenn auch manchmal erst nach vielen Jahrtausenden.

41P/Tuttle-Giacobini-Kresak gehört allerdings zu einer ganz speziellen Sorte von Kometen, der sogenannten Jupiter-Familie: Zwar ist er wohl einst vom Rande des Sonnensystems gekommen, geriet dann aber unter den gewaltigen Gravitationseinfluss von Jupiter, dem größten Planeten. Der hat die Bahn des Kometen so verändert, dass er sich nicht mehr weit entfernt: Der sonnennächste Punkt von 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak liegt immer etwas außerhalb der Erdbahn, sein sonnenfernster Punkt ein Stück außerhalb von Jupiters Umlaufbahn. Daher ist 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak auch ein kurzperiodischer Komet, der die Sonne einmal alle 5,4 Jahre umkreist.

Die Umlaufbahn von 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak ähnelt auch in einem anderen Punkt den Bahnen der Planeten: Sie ist mit 9,2 Grad nur geringfügig zur Planetenebene (Ekliptik) geneigt: Auch Merkurs Bahn liegt um 7 Grad schief, Plutos sogar gut 17 Grad.

Entdeckungsgeschichte

Der US-amerikanische Astronom Horace Parnell Tuttle sichtete Komet 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak erstmals im Jahr 1858. Doch weil der lichtschwache Komet nur kurze Zeit zu sehen war, konnte Tuttle keine genauen Bahndaten des Schweifsterns errechnen. 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak ging den Astronomen wieder verloren. Ein halbes Jahrhundert später, 1907, wurde er wiederentdeckt, von Michel Giaccobini. Sie ahnen es vermutlich schon: Sein Name legt nahe, dass Komet 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak noch einen dritten Entdecker hat. 1951 wurde er nochmals entdeckt, von Lubor Kresák. Erst dann war der Komet lange genug sichtbar, um seine Bahndaten genauer zu berechnen und dabei festzustellen, dass es sich in allen drei Fällen um ein und denselben Kometen handelt.


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Kommentare

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Gerd Rosner, Montag, 20.März, 00:05 Uhr

2.

"bis fünf Uhr morgens (Winterzeit)" ?!?

Es gibt keine "Winterzeit". Normalzeit ist der richtige Terminus.

Amatör, Mittwoch, 08.März, 22:06 Uhr

1. Sonnennächster Punkt?

Im Artikel heißt es, dass der sonnennächste Punkt des Kometen am 12. April knapp außerhalb der Erdumlaufbahn (156 Mio km) erreicht wird, was etwa den Angaben in Wikipedia entspricht. Später heißt es, der „sonnennächste Punkt von 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak liegt im extremsten Fall zwischen den Bahnen von Venus und Merkur“; die Venus ist aber nie weiter als 109 Mio km von der Sonne entfernt. Wodurch verändert der Komet denn seine Umlaufbahn so stark? Das klingt für mich nach einer astronomischen Sensation.

  • Antwort von Heike Westram, Donnerstag, 09.März, 09:01 Uhr

    Hallo Amatör,
    uh - guter Hinweis! Da hat sich eine meiner Quellen gründlich geirrt. Ich habe nochmals nachrecherchiert: Das Perihel von 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak ist immer etwas außerhalb der Erdbahn. Allerdings verändert sich die Perihel-Distanz tatsächlich, durch den Einfluss Jupiters. Zweimal schon ist der Komet offenbar so nahe an dem Planeten vorbei gezogen, dass sich seine Umlaufbahn verkleinerte und er seine Geschwindigkeit änderte.
    Ich bedauere meinen Fehler und danke für die aufmerksame Lektüre!
    Heike Westram Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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