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Wiederansiedlung des Zugvogels Skurriler Waldrapp soll wieder heimisch werden

Mit seinem langen gebogenen Schnabel, seiner schwarzen Halskrause und seiner punkigen Frisur auf dem geierähnlichen Kopf zählt der Waldrapp sicher zu den skurrilsten Vögeln. Bis ins 17. Jahrhundert war der Ibisvogel auch in Bayern und Österreich heimisch. Doch dann wurde er ausgerottet. Heute zählt der Waldrapp zu den am stärksten bedrohten Vogelarten weltweit.

Stand: 07.11.2017

Früher war der Vogel mit dem schwarz, grünlich glänzenden Gefieder in Europa weitverbreitet. Dss es ihn heute noch bei uns gibt, hat er Zoos zu verdanken.

Wiederansiedlungsprojekt Waldrapp

Die Europäische Union entschied nach einer Machbarkeitsstudie Anfang der 2000er-Jahre den Waldrapp wieder anzusiedeln und startete ein Schutzprojekt für die Vogelart. Noch bis 2019 wird die Wiederansiedelung des Waldrapps in Deutschland und Österreich als heimischer Zugvogel gefördert. Projektträger ist der österreichische Förderverein Waldrappteam. Insgesamt sind acht Partner aus Österreich, Deutschland und Italien beteiligt. Projektstandorte sind: das Brutgebiet im bayerischen Burghausen, das Brutgebiet Kuchl im österreichischen Salzburg, das Trainingscamp für die menschengeführte Migration in Hödingen/Überlingen am Bodensee und das itatlienische Wintergebiet WWF Oasi Laguna di Orbetello in der Toskana.

"Ziehmütter" zeigen Waldrapp-Jungen in Leichtflugzeugen die Route

Eine der größten Herausforderungen für die Biologen: Die Waldrappküken haben das Zugverhalten und die Zugroute nicht von ihren Eltern geerbt. Beides muss ihnen wieder antrainiert werden. Deshalb ziehen Wissenschaftler Waldrapp-Küken per Hand auf, um sie auf ihre Person zu prägen. Dadurch folgen die Jungvögel ihren "Ziehmüttern" im Herbst über die Alpen in die Toskana. Die Biologinnen reisen in Ultraleichtfliegern und weisen den Jungtieren den Weg.

Auf diese Weise sollen sich die Waldrappe ihre Vogelzugstrecke einprägen und sie an ihre Nachkommen weitergeben. 2007 startete von Burghausen aus diese besondere, von Menschen geleitete Waldrapp-Migration. Und 2011 war das erste Jahr, in dem gleich sechs Vögel eigenständig nach Bayern zurückgefunden haben. Im selben Jahr wurde auch erstmals ein Jungvogel von einem erfahreneren Artgenossen über die Alpen in die Toskana geführt.

Gefährliche Reise für Waldrappe

Derzeit leben in Bayern und Österreich in den wiederangesiedelten Waldrapp-Kolonien etwa 113 Tiere (Stand: Ende Juli 2017). Davon geht Johannes Fritz, der Leiter des EU-Projekts, aus. Doch die Waldrappe sind stark gefährdet, denn immer wieder werden die streng geschützten Tiere in Italien gejagt und getötet. So weiß man sicher, dass im Herbst 2016 fünf Vögel auf ihrem Weg ins Winterquartier von italienischen Jägern in der Toskana erschossen wurden. Allein in den ersten zehn Jahren wurden rund 50 Tiere getötet. Aber nicht nur die Jagd macht dem Waldrapp zu schaffen. Auch Windräder, die Wetterlage, angreifende Greifvögel oder der Flugverkehr beeinflussen und beeinträchtigen ihren Vogelzug.

Ziel: Eigenständige Zugvögel mit Überlebenschance

Insgesamt ist das Ziel des EU-Projekts, dass die frei lebenden Waldrappkolonien bis 2019 mindestens 120 Vögel zählen. Für ein selbstständiges Überleben der Vogelart reicht das aber noch nicht. Daher sollen bis 2025 viele weitere Waldrappe in die Freiheit fliegen. Denn für ein eigenständiges Überleben sind mindestens 300 bis 400 frei lebende Waldrappe nötig – die gelernt haben, wie das mit dem Vogelzug funktioniert. Also Tiere, die im Herbst selbstständig den Weg in ihr Winterquartier finden und im Frühjahr wieder allein aus der Toskana über die Alpen nach Bayern und Österreich fliegen.

  • "Der Punkvogel kehrt zurück": in "Abenteuer Wildnis", BR-Fernsehen, 15.09.2017
  • "Waldrappen auf dem Weg in den Süden": in "Sommernotizbuch, Bayern 2, 25.08.2017, 10.05 Uhr
  • "Waldrapp Iazu: Zurück aus dem Winterquartier": in "Abenschau", BR Fernsehen, 05.04.2017, 17.30 Uhr
  • "Markus Unsöld zum Waldrapp": in "Habe die Ehre", BR-Heimat, 09.11.2016, 10.05 Uhr
  • "Nach 300 Jahren zurück in Bayern: Der Waldrapp": Welt der Tiere, 15.06.2014, 15.15 Uhr

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