Wissen - Rote Liste


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Warnstufe Rot für viele Wale Die Nomaden der Meere brauchen Schutz

Über 80 Walarten leben in den Ozeanen unserer Erde, einige von ihnen sind stark gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Daher gibt es seit 30 Jahren ein Walfang-Moratorium, das die Wale schützen soll.

Stand: 31.10.2016

Vor 30 Jahren, 1986, trat das globale Walfang-Moratorium in Kraft, das den kommerziellen Walfang verbietet. Die Internationale Walfangkommission (IWC) entschied sich damals für dieses Moratorium, weil einige Walarten immer stärker dezimiert wurden und ihr Aussterben absehbar war. Die IWC ist eine Organisation, die das Management der Großwalbestände weltweit, den Walfang sowie den Schutz von Walen regeln soll. 

Treffen der Internationalen Walfang-Kommission (IWC)

IWC66

Die Webseite zum Treffen der Internationalen Walfang-Kommission im Oktober 2016 im slowenischen Portoroz:

Alle zwei Jahre treffen sich die Regierungsvertreter der 88 Mitgliedsstaaten der IWC, Experten und Berater und verhandeln über Fangquoten und Walschutz-Vorhaben. So wurde 2016 gegen die Einrichtung eines Walschutzgebietes im Südatlantik gestimmt - es hätte eine Fläche von 20 Millionen Quadratkilometern vom Äquator bis zum Beginn der Antarktis umfasst. Verabschiedet wurde dagegen eine Resolution zum Schutz des Kalifornischen Schweinswals. Aus seinem Lebensraum sollen dauerhaft alle Stellnetze zum Fischfang entfernt werden. Die Umweltorganisation Greenpeace befürwortet diesen Beschluss ausdrücklich. Denn die größte Gefahr für die letzten 60 Exemplare dieser Art, die vor Mexiko leben, sei die illegale Stellnetzfischerei, so Greenpeace.

Walfang in Island und Norwegen

Zwergwal

Ein wichtiges Thema bei dieser Konferenz waren die drei Länder, die noch Walfang betreiben und das Moratorium nur teilweise oder gar nicht anerkennen: Japan, Island und Norwegen. Norwegen – das Land, das die meisten Wale jagt – verweigerte dem Walfangmoratorium nach 1993 die Zustimmung und macht seither weiterhin Jagd auf Zwergwale, die als Großwale unter das Moratorium fallen. Im letzten Jahren waren das mehr als 600 Exemplare.

Auch Island hatte gegen das Moratorium Vorbehalte angemeldet. Ein isländisches Fangunternehmen tötete im Vorjahr knapp 200 Finnwale, dieses Jahr legte es eine Pause ein. Diplomatischer Druck der EU-Länder und die Weigerung des deutschen Fischhandels, Waren des isländischen Unternehmens zu kaufen, ließen es einknicken.

Japan unterliegt neuem Prüfverfahren für "Wissenschaftswalfang"

Drei tote Minkwale auf einem japanischen Walfangschiff, 2014

Japan umging das Moratorium bisher, indem es ein juristisches Schlupfloch des Abkommens nutzt: Es beruft sich auf die Klausel, die einen sehr beschränkten Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt. Doch Japan erfüllt die Kriterien dafür nicht, das Programm ist kommerziell, so das Urteil des Internationalen Gerichtshofs 2014. Dennoch starben im vergangenen Jahr 300 Tiere durch japanische Harpunen. Um dem Einhalt zu gebieten, wurde auf der Tagung ein neues Prüfverfahren für den "Wissenschaftswalfang" beschlossen. Wer diesen wie Japan betreiben will, muss sein Programm von einer neuen Arbeitsgruppe begutachten lassen. Umweltschützer begrüßten dies als "Schritt in die richtige Richtung". Auch wenn es wahrscheinlich ist, dass Japan nach einer negativen Empfehlung, wie sie am Ende des Prüfverfahrens stehen könnte, seine Aktivitäten einfach weiter führen wird. Denn auch dieses Mal unternahm Japan einen Vorstoß, den kommerziellen Küstenwalfang in kleinem Stil zu legalisieren, doch der wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Wale sind fürs Ökosystem wichtig

Erstmals wurde die Leistung der Wale für das Ökosystem anerkannt. "Der heutige Beschluss zur positiven Rolle, die Wale für das Ökosystem einnehmen, bedeutet einen wichtigen Paradigmenwechsel in der Betrachtung von Walen", sagte Greenpeace-Sprecherin Gesche Jürgens. "Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zeigen: Mehr Wale im Meer bedeuten auch mehr Fische - und nicht weniger."

"Walschutz-Kommission" statt "Walfang-Kommission"

Insgesamt ging es bei dem Treffen der Walfang-Kommission in Portoroz 2016, wie auch schon die Male zuvor, zunehmend um den Walschutz. Das sieht auch Greenpeace so.

"Es wäre eigentlich schon angebracht, dass sich die Internationale Walfang-Kommission in Internationale Walschutz-Kommission umbenennt."

Gesche Jürgens, Greenpeace-Sprecherin

Wale und Delfine

Wohl 86 Walarten bevölkern die Ozeane unserer Erde. Zu ihnen zählt mit dem Blauwal das größte Tier, das je auf der Erde gelebt hat. Er kann bis zu 33,5 Meter lang und bis zu 200 Tonnen schwer werden. Zu den Walen zählen aber auch Flussdelfine mit nur 1,5 Metern Länge. Die WDCS (Whale and Dolphin Conservation Society) benennt auf ihren Seiten 86 Walarten. Der WWF Deutschland geht ebenfalls von 86 Walarten aus, die in 14 Familien und 40 Gattungen untergliedert werden. Die Arten werden grundsätzlich in zwei Unterordnungen unterschieden, je nachdem ob die Wale mit Barten oder Zähnen ausgestattet sind.

Wal-Geschichten

18. Mai: Tag des Ostsee-Schweinswals

Es gibt ihn tatsächlich, den Ostsee-Schweinswal, der östlich von Rügen bis hoch nach Finnland und vor den Küsten Lettlands vorkommt. Das haben Biologen am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund in einem Forschungsprojekt mit 300 Detektoren belegen können. Verraten haben den Schweinswal seine typischen Klickgeräusche. Von den rund 260.000 Artgenossen in der Nordsee und den 11.000 in der westlichen Ostsee unterscheidet er sich entgegen früheren Untersuchungen kaum. Meeresbiologen in Stralsund schätzen den Bestand des Schweinswals in der zentralen Ostsee auf nur rund 500 Tiere – deshalb wird er auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) geführt. Die kleinen Populationsgrößen stellen die Forscher vor Probleme: Sie machen eine genaue Zählung sehr kompliziert. Deshalb seien die Ergebnisse von Zählungen ungenau und das genaue Verbreitungsgebiet in der zentralen Ostsee sei bisher auch unbekannt gewesen, so das Meeresmuseum (Stand: Oktober 2016).

Tauchrekord eines Cuvier-Schnabelwals

Cuvier-Schnabelwale sind nach Forscherangaben die neuen Weltmeister im Tauchen. Sie tauchen bis in eine Tiefe von 2.992 Metern, der längste registrierte Tauchgang dauerte 140 Minuten. Damit schlage die Zahnwalart den bisherigen Rekordhalter unter den Säugern, den Südlichen See-Elefanten, von dem eine Tauchtiefe von 2.388 Metern und eine Tauchdauer von 120 Minuten bekannt ist. Die Forscher um Gregory Schorr vom Cascadia Research Collective hatten 2014 die Daten von acht Cuvier-Schnabelwalen bei mehr als 6.000 Tauchgängen vor der Küste Kaliforniens erfasst. Die bis zu sieben Meter langen und drei Tonnen schweren Tiere ernähren sich hauptsächlich von Tintenfischen, die in großen Wassertiefen leben.

Blauwal-Ohrenschmalz - Teil 1

Die chemische Zusammensetzung des Ohrenschmalzes von Blauwalen verrät eine Menge über das Leben der gigantischen Meeressäuger. Das ist das Ergebnis von Sascha Usenko und seinen Kollegen von der Baylor Universität in Waco (Texas). Wale haben keine Ohrmuscheln. Von außen ist von bei ihnen von einem Ohr nur ein kleines Loch zu sehen. Zwischen dieser Öffnung und dem inneren Hörorgan liegt der Gehörgang mit dem Ohrenschmalzpfropfen. Die Forscher entfernten ein 25 Zentimeter langes Exemplar aus dem Gehörgang eines toten Blauwals. So ein Pfropfen besteht aus mehreren Schichten, ähnlich wie ein Baumstamm aus Jahresringen aufgebaut ist.

Blauwal-Ohrenschmalz - Teil 2

Die Wissenschaftler suchten im Wal-Ohrenschmalz unter anderem nach dem Stresshormon Cortisol, dem Sexualhormon Testosteron und nach Pestiziden. Ihre Analyse ergab: Der Blauwal war etwa zwölf Jahre alt, als er einer Kollision mit einem Schiff zum Opfer fiel. Der hohen Konzentration an Cortisol und Testosteron in den entsprechenden Schichten des Ohrenschmalzpfropfens nach zu urteilen wurde er mit etwa zehn Jahren geschlechtsreif. Andere Inhaltsstoffe zeigten, dass er vor allem während des ersten Lebensjahres, als er noch gestillt wurde, Pestiziden ausgesetzt war. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Schadstoffe durch die Mutter übertragen wurden. Diese und weitere Forschungsergebnisse veröffentlichten sie 2013 in der Zeitschrift "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Schlürfen statt beißen 

Ein Grauwal (Bartenwal) vor der Baja California Halbinsel.

Barten- und Zahnwale unterscheiden sich vor allem durch die Art, wie sie ihre Nahrung aufnehmen. Die Bartenwale filtern ihre Nahrung aus dem Meerwasser. Barten bestehen wie unsere Haare aus Keratin, sind bis zu vier Meter lang und am Oberkiefer befestigt. Die Bartenwale öffnen ihr Maul und lassen Meerwasser hineinfließen. Dabei strömt auch ihre Nahrung, Krill, Plankton und Kleinorganismen, ins Maul. Um die Nahrung herauszufiltern, pressen sie das Wasser durch die Barten wieder hinaus. 15 Walarten zählen zu den Bartwalen. Sie werden in vier Familien aufgeteilt:

Bartenwal

Die 15 Bartenwalarten werden in vier Familien untergliedert:

  • Grauwale (1 Art)
  • Furchenwale (9 Arten)
  • Glattwale (4 Arten)
  • Zwergglattwale (1 Art)

Delfine, Tümmler und der Pottwal

Etwa 71 Arten werden zu den Zahnwalen gezählt, darunter auch der Pottwal. Auch alle Delfine und Tümmler gehören dazu, zum Beispiel auch die kleinste Walart, der Hectordelfin, mit einer Länge von bis zu 1,4 Metern Länge.

Zahnwal

Die rund 71 Arten der Zahnwale werden in zehn Familien aufgeteilt:

  • Chinesischer Flussdelfin (1 Art)
  • Amazonasdelfin (1 Art)
  • La-Plata-Delfin (1 Art)
  • Südasiatischer Flussdelfin (1 Art)
  • Eigentliche Delfine (35 Arten)
  • Schweinswale (6 Arten)
  • Gründelwale (2 Arten) 
  • Pottwal (1 Art)
  • Zwergpottwale (2 Arten)
  • Schnabelwale (etwa 21 Arten)

Buckelwale trotzen dem Polarwinter

Ein Buckelwal springt aus dem Wasser.

Ein spektakulärer Sprung und dann klatschen die Flossen auf das spritzende Wasser – der Buckelwal ist wegen seiner akrobatischen Einlagen bei Whale Watchern beliebt. Und er verzückt mit seinen Gesängen die Walweibchen. Genau diese charakteristischen Gesänge haben ihn jedoch verraten: Lange dachte man, dass die Buckelwale im Winter von der Antarktis in die wärmeren Gewässer Afrikas ziehen. Wenn sie wollen, können sie ausgedehnte Wanderungen unternehmen. Doch junge Walkühe haben offenbar keine Lust mehr auf die kräftezehrende 7.000 Kilometer lange Reise und bleiben in Polnähe. Das berichteten Forscher des Antarktis-Unterwasserobservatoriums PALAOA im September 2013. Die Forscher vemuten, dass die Tiere mittlerweile auch im östlichen Weddellmeer genügend Krill als Futter finden.

In allen Meeren

Ein Schwertwal (Zahnwal) in den Gewässern vor Kanada.

Vor 50 Millionen Jahren eroberten die Wale die Ozeane als ihren Lebensraum. Einige Walarten, wie der Blauwal, der Buckelwal oder der Große Schwertwal bevölkern fast alle Meere, andere kommen nur in bestimmten Regionen vor. Dabei richtet sich der Lebensraum oft nach dem Breitengrad und einer damit verbundenen Wassertemperatur. So gibt es die Wale der nördlichen Polarmeere, wie den Narwal oder Weißwal. Dagegen findet man den Brydewal nur in subtropischen Gewässern.

Die Evolution zum Meerestier

Die Schwanzflosse eines Atlantischen Nordkapers ragt aus dem Meer.

Im Lauf der Evolution haben sich die Säugetiere optimal dem Leben im Wasser angepasst: Ihr Körper wurde stromlinienförmig, sie bekamen eine horizontale Schwanzfluke und zur Stabilisierung die Rückenfinne. Aus dem Fell wurde eine Speckschicht, der wärmeisolierende Blubber, und die Nasenlöcher entwickelten sich zu Blaslöchern an der Kopfoberseite. Gerade auch an diesen Blaslöchern kann man die Zahn- oder Bartenwale unterscheiden, denn Zahnwale haben ein, Bartenwale dagegen zwei Blaslöcher.


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Wir haben die Erde von unseren Kindern geliehen!, Montag, 24.Oktober, 13:48 Uhr

2. Rettung für die Nomaden der Meere

Zu der Lärmbelästigung in den Ozeanen kommt noch das Verbrechen der Müllentsorgung (jeglicher Art) dazu. Dieser Müll bringt unzählige Meerestiere und Tiere, die sich aus dem Meer ernähren um.
Auch in dem Fisch, den wir Menschen essen, wurden bereits mikroskopisch kleine Kunststoffpartikel gefunden. Also werden auch wir an unserem Müll sterben, oder meint irgend jemand, dass Plastik im Essen gesund ist?

In den 80ern gab es einen Spruch, der an Aktualität nichts verloren hat. Sie kennen ihn bestimmt auch noch:
„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

In diesem Sinne - Mahlzeit! Macht weiter mit eurer gierigen Halbherzigkeit! Unsere Nachkommen werden es uns danken!

LiFe, Montag, 24.Oktober, 01:00 Uhr

1. Wale brauchen Ruhe

Nicht nur Jagd auf Wale und Delfine sind alleine die Probleme. Es sind Schiffsturbinen, Windkraftanlagen oder die Suche nach Bodenschätzen, die die Lärmbelastung in den Ozeanen erhöhen. Der Krach im Ozean stört insgesamt den Orientierungssinn der Wale und anderer Meerestiere.