Wissen - Rote Liste


36

Bedrohte Vögel Rote Liste für Brutvögel in Deutschland

Fast die Hälfte aller Brutvögel in Deutschland stehen auf der Roten Liste, viele weitere Vogelarten auf der Vorwarnliste. Vor allem die ganz gewöhnlichen, früher weit verbreiteten Vögel sind gerade im Schwinden begriffen.

Stand: 07.12.2016

Ein Wiedehopf mit Käfer auf einem Baumstumpf. Der Wiedehopf ist in Bayern vom Aussterben bedroht und auf der Roten Liste der Brutvögel | Bild: colourbox.com

248 Vogelarten brüten in Deutschland, doch nicht einmal die Hälfte davon ist ungefährdet. So die erschreckende Bilanz der Roten Liste für Brutvögel in Deutschland, die im August 2016 erschienen ist. Die Rote Liste ist ein Fachgutachten, das von einem unabhängigen Expertengremium erstellt wird und anzeigen soll, wie stark eine Tier- oder Pflanzenart vom Aussterben bedroht ist. Und sie liest sich wie das "Who's who" unserer bekanntesten Gartenfreunde. Sorgen machen muss man sich unter anderem um den Kuckuck, den Pirol und den Haussperling (Spatz), den Star und viele Schwalbenarten.

Brutvögel in ganz Deutschland in Gefahr

Gefährdet: der Wiedehopf

Insgesamt sieht es nicht gut aus für die Vögel in Deutschland: 118 Brutvogelarten sind bei uns vom Aussterben bedroht oder gefährdet (45 Prozent), 18 weitere Arten stehen auf der Vorwarnliste (7 Prozent). Insbesondere einstmals weit verbreitete Vögel wie Feldlerche, Mauersegler oder Mehlschwalbe geht es zunehmend schlecht in Deutschland. Ihnen fehlen Brutplätze und Nahrung bei uns.

Keine Brutplätze im offenen Land

Am dramatischsten ist die Situation der im Offenland brütenden Vögel wie Wiesenpieper oder Wachtel: Dreiviertel dieser Vogelarten sind ausgestorben oder gefährdet. Dazu kommen etliche Arten auf der Vorwarnliste. Nur 13 Prozent der Offenlandbrüter gelten als gar nicht gefährdet.

In Deutschland ausgestorben: Der Waldrapp

13 Brutvogelarten sind in Deutschland bereits ausgestorben. Weder Gänsegeier noch Waldrapp brüten noch in unserem Land. Sogar der Spatz macht Sorgen: Er steht auf der Vorwarnliste, die ergänzend zur Roten Liste die Tierarten aufzeigt, deren Rückgang zum Teil dramatisch ist, auch wenn sie noch nicht bedroht sind.

Seit 2007, als zuletzt eine Rote Liste der Brutvögel in Deutschland erschien, hat sich damit die Situation wieder etwas verschlechtert: 24 Vogelarten weisen heute einen höheren Gefährdungsgrad auf als vor neun Jahren, 21 Arten sind weniger gefährdet als 2007. So haben sich dank intensiver Schutzbemühungen beispielsweise Weißstorch und Fischadler erholt.

Auch in Bayern sind die Hälfte der Brutvögel gefährdet

In Bayern sieht es kaum anders aus: Nach der jüngsten Roten Liste für Brutvögel in Bayern vom Juni 2016 sind 17 der einst bei uns brütenden Vogelarten heute ausgestorben, darunter auch erstmals der Brachpieper, der in ganz Deutschland vom Aussterben bedroht ist. Weitere 28 Vogelarten sind in Bayern vom Aussterben bedroht. Nicht einmal die Hälfte der Vogelarten gilt als ungefährdet. Und auch bei uns geht es den früheren "Allerweltsvögeln" wie Spatz oder Feldlerche zunehmend schlecht:

Von den 210 Brutvögel-Arten, die in Bayern beheimatet sind und in der Roten Liste begutachtet wurden, sind fast die Hälfte auf der Roten Liste, weitere zehn Prozent auf der Vorwarnliste. Nur 46 Prozent gelten als gar nicht gefährdet.

Unsere Landnutzung bedroht die Vögel

Helikopter versprüht Herbizid

Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft trägt viel dazu bei, dass unsere Vögel bedroht sind. In Deutschland werden Ackerbauflächen hauptsächlich als Monokulturen betrieben. Doch so schön beispielsweise riesige Rapsfelder auch anmuten, sie sind anfällig für Schädlinge. Daher werden im großen Stil Pestizide auf die Felder aufgebracht: Insektizide gegen Fraßschädlinge, Herbizide gegen Unkräuter, Fungizide gegen Pilzbefall der Pflanzen. Diese effektiven Spritzmittel machen Insekten und Wildkräutern den Garaus und entziehen Brutvögeln damit ihre Nahrungsgrundlage. Die Zunahme der intensiven Landwirtschaft und zahlreiche Agrargifte bedrohen vor allem Arten, die das Grünland besiedeln, wie Kiebitz oder Wiesenpieper. Dem Brachpieper ist in Bayern dadurch Lebensraum und Nahrungsgrundlage entzogen worden - so gründlich, dass er bei uns ausgestorben ist.

In ganz Europa immer weniger Vögel

Kein allein deutsches oder bayerisches Phänomen. In ganz Europa nimmt die Zahl der Vögel drastisch ab. Britische Forscher haben Ende 2014 nachgezählt und festgestellt, dass die Zahl der Vögel in Europa in den vergangenen 30 Jahren um rund 421 Millionen zurückgegangen ist. Zu etwa 90 Prozent betrifft der Rückgang demnach gewöhnliche Arten wie Spatzen, Stare, Lerchen und Rebhühner.

Aufgeben gilt nicht

Dem Uhu geht's wieder besser.

Bei einzelnen Vogelarten zeigen dagegen spezielle Schutzmaßnahmen der vergangenen Jahre positive Wirkung. Das trifft insbesondere bei Großvögeln häufiger zu: Die Bestände von Seeadler, Schwarzstorch und Wanderfalke in Deutschland haben sich so gut stabilisiert, dass sie schon 2007 von der Roten Liste genommen werden konnten. Auch Uhu und Wanderfalke sind Dank intensiven Schutzes nicht mehr gefährdet.

"Der Zustand der deutschen Vogelwelt zeigt uns, dass Vogelschutz weiterhin notwendig ist, aber auch, dass er sich lohnt!"

Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Rote Liste der Zugvögel

Neben den Brutvögeln, die ihre Jungen bei uns aufziehen, wurde im März 2014 auch erstmals eine Rote Liste der wandernden Vogelarten erstellt. Rund 500 Millionen Zugvögel pro Jahr machen Deutschland zu einer wichtigen Drehscheibe im Tierreich. Von den 279 vorkommenden Zugvogelarten ist knapp ein Viertel in ihrem Bestand gefährdet. In der folgenden Bildergalerie finden sich einige prominente Beispiele.

Folgende Zugvögel sind gefährdet


36