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Neu entdeckt und stark bedroht Neue Orang-Utan-Art auf Sumatra

Auf der indonesischen Insel Sumatra haben Forscher eine neue Orang-Utan-Art entdeckt. Doch kaum ist die Menschenaffen-Art Tapanuli-Orang-Utan benannt, machen die Forscher klar: Die Primaten sind vom Aussterben bedroht.

Stand: 02.11.2017

ACHTUNG: SPERRFRIST 2. NOVEMBER 17:00 UHR. ACHTUNG: DIESER BEITRAG DARF NICHT VOR DER SPERRFRIST, 02. NOVEMBER, 17.00 UHR, VERÖFFENTLICHT WERDEN! EIN BRUCH DES EMBARGOS KÖNNTE DIE BERICHTERSTATTUNG ÜBER STUDIEN EMPFINDLICH EINSCHRÄNKEN. - HANDOUT- Ein Tier der neu entdeckten Orang-Utan-Art Pongo tapanuliensis hängt in der undatierten aufnahme auf der Insel Sumatra (Indonesien) in einem Baum. (zu dpa «Forscher: Neue Orang-Utan-Art auf Sumatra entdeckt» vom 02.11.2017)  ACHTUNG: Verwendung nur zu redaktionellen Zwecken in Verbindung mit der aktuellen Berichterstattung bei vollständiger Quellenangabe Foto: -/Andrew Walmsley/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk

Die eigenständige Orang-Utan-Art besteht aus rund 800 Tieren und lebt isoliert von anderen Menschenaffen auf der Insel. Benannt wurde der Tapanuli-Orang-Utan nach der Region auf der indonesischen Insel Sumatra, in der er lebt: lateinisch Pongo tapanuliensis. Mindestens genauso groß wie die Freude des internationalen Forscherteams um Michael Krützen von der Universität Zürich über die Neuentdeckung, ist die Sorge der Wissenschaftler um die Tiere. Denn der Tapanuli-Orang-Utan ist extrem gefährdet.

Vom Aussterben bedrohte Menschenaffen

Ein Tapanuli-Orang-Utan auf Sumatra

So warnten die Forscher vor einem baldigen Aussterben der Tapanuli-Orang-Utans. Die Menschenaffen seien vor allem durch Jagd und durch den geplanten Bau von Staudämmen gefährdet. Das Bauprojekt zerstöre große Teile ihres Lebensraums, so die Forscher in ihrer Studie, die sie im Fachjournal "Current Biology" am 3. November 2017 veröffentlichten.

Bereits bei einer Sterblichkeitsrate von einem Prozent pro Jahr wäre ihr Überleben nicht mehr gesichert. "Würden nur acht von 800 Tieren pro Jahr getötet oder auf andere Weise von der Population entfernt, würde die Art aussterben", heißt es in dem Bericht. Der World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland schließt sich der Sorge um die neue Orang-Utan-Art an.

"Kaum entdeckt ist die neue Art mit nur 800 Individuen leider schon akut bedroht. Neben Goldabbau, illegaler Entwaldung und Wilderei stellt ein geplantes Dammbauprojekt die größte Bedrohung für sie dar. Der Tapanuli-Orang-Utan lebt im Batang-Toru-Wald auf einer Fläche von nur 1.100 Quadratkilometern. Genau dort soll ein Damm für ein Wasserkraftwerk errichtet werden."

Susanne Gotthardt, Indonesien-Referentin beim WWF Deutschland

Orang-Utans auf Borneo und Sumatra

Orang-Utan in Tanjung Puting National Park in Kalimantan (Borneo)

Bislang ging man davon aus, dass heute nur noch zwei Arten von Orang-Utans existieren: der Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) und eine weitere Art auf der Nachbarinsel Borneo, der Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus). Die IUCN listet die Orang-Utans auf Sumatra als "vom Aussterben bedroht" und die Art auf Borneo als "stark gefährdet" ein.

Bereits bekannt war den Forschern, dass sich einige Orang-Utans auf Sumatra genetisch stark voneinander unterscheiden. Bislang ging man aber noch nicht so weit, zwei unterschiedliche Arten zu benennen. Diesen Schritt machen die Wissenschaftler nun, nachdem sie ein 2013 gefundenes Skelett eines Tapanuli-Orang-Utans, der von Menschen getötet worden war, analysiert haben.

Aus zwei Orang-Utan-Arten werden drei

Die Tapanuli-Orang-Utans sind im Batang-Toru-Wald im Norden Sumatras, südlich des Tobasees zuhause. Beim Vergleich zu Orang-Utans, die nördlich des Tobasees leben, fanden sich große Unterschiede am Schädel und an den Zähnen. Die Analyse von 37 Orang-Utan-Genomen ergab, dass die Trennung zwischen Orang Utans aus dem Batang-Toru-Wald südlich des Tobasees und Orang Utans aus Regionen nördlich des Sees in der Evolutionsgeschichte mehr als drei Millionen Jahre zurück reicht. Borneo- und Sumatra-Orang-Utans wurden hingegen erst später voneinander getrennt, vor weniger als 700.000 Jahren.

"Die Batang-Toru-Orang-Utans scheinen direkte Nachkommen der ersten Orang-Utans zu sein, die vom asiatischen Festland herüberkamen."

Forscher Alexander Nater, Universität Zürich.

Orang-Utan bedeutet wörtlich übersetzt "Waldmensch". Die Primaten gehören zu den nächsten Verwandten des Menschen. Männchen werden zwischen 50 und 90 Kilogramm schwer. Weibchen wiegen etwa die Hälfte. Orang-Utans bekommen nur wenig Nachwuchs, obwohl sie rund fünfzig Jahre alt werden. Durch den langen Generationenzyklus kann sich die Art nur schwer regenerieren. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet reichte von China über Thailand und Vietnam bis nach Java. In all diesen Gegenden gibt es seit vielen tausend Jahren aber keine Orang-Utans mehr.

  • "Neue Orang-Utan-Art entdeckt": IQ - Wissenschaft und Forschung, 03.11.2017, 18.05 Uhr
  • "Der Tapanuli-Orang-Utan": nano, ARD-alpha, 03.11.2017, 16.30 Uhr
  • "Sumatra - wer rettet die Orang-Utans": Welt der Tiere, BR Fernsehen, 02.09.2017, 10.00 Uhr

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