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Landwirtschaft bedroht Artenvielfalt Generalinventur in Deutschland

In Deutschland sind knapp zwei Drittel der Tierarten und Lebensräume in ihrem Bestand gefährdet. Das ist das Ergebnis der umfassenden Generalinventur von 2014 zur Lage der Natur in Deutschland. Ein Grund: die intensive Landwirtschaft.

Stand: 28.03.2014

Größtes Sorgenkind des Bundesumweltministeriums ist die intensive Landwirtschaft. Denn gerade in stark landwirtschaftlich genutzten Lebensräumen geht die Artenvielfalt immer mehr zurück. Doch auch der Verlust von zum Beispiel Flussauen und Mooren macht der Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen. Deutlich wurde bei der Präsentation der bisher ausführlichsten Datenerhebung zur Lage von Lebesräumen und Tier- und Pflanzenbeständen in Deutschland im Frühjahr 2014 auch, dass einzelne Artenschutzprogramme wie für die Wildkatze oder den Seeadler durchaus positive Effekte haben.

Untersucht wurden Arten von Amphibien, Säugetiere, Reptilien, Fische, Schmetterlinge, Libellen, Käfer, Schnecken, Fledermäuse, Moose, Blütenpflanzen und Muscheln. Zudem wurden für den Vogelschutzbericht alle 250 in Deutschland heimischen Brutvogelarten erfasst, insgesamt über 361 Vogelarten.

Gezielte Schutzmaßnahmen bringen Erfolge

Dabei wurde bei 25 Prozent der Arten ein günstiger Erhaltungszustand ermittelt. Zu ihnen zählen der Biber, der Seeadler oder die Wildkatze. Bei diesen Arten haben sich die Schutzprogramme und -wiederansiedelungsmaßnahmen, die auf die Tiere speziell zugeschnitten wurden, ausgezahlt.

Arten vor dem Aus

Schwarzer Apollofalter

29 Prozent der Arten weisen einen schlechten und 31 Prozent einen unzureichenden Zustand auf. Besonders Amphibien, Wanderfische, Schmetterlinge und Moose sind in Gefahr in Deutschland zu verschwinden.

Landwirtschaft als Artenkiller

Der Bericht zeigt, dass 39 Prozent der Lebensräume in einem unzureichenden und 31 Prozent in einem schlechten Zustand sind. Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex. Vor allem die intensive Landwirtschaft, immer mehr monotone Maisfelder und Monokulturen für Biokraftstoffe oder Tierfutter, machen es der Artenvielfalt schwer. Als Ursachen für das Artensterben werden der Pestizideinsatz und die Überdüngung der Böden genannt.

In der intensiv bewirtschafteten Landschaft fänden sie kaum mehr Nahrung und geeignete Brutplätze. Gerade das dichtbesiedelte Nord- und Westdeutschland mit der dichten Besiedelung und landwirtschaftlich gut nutzbaren Flächen gilt als Problemfall.

Zu den 28 Prozent Lebensräumen die "in einem günstigen Zustand" sind, zählen die Alpenregion oder das Wattenmeer. Ost- und Nordsee gelten dagegen als gefährdet. Genau wie die meisten Auenlandschaften, Moore, Mäh- und Wildwiesen und ihre Bewohner.

Generalinventur der Natur 2014

Umfassende Datenerhebung

Für den Bericht zu den Lebensräumen und Tierarten in Deutschland sind über vier Jahre Daten gesammelt worden. In Deutschland gibt es rund 48.000 Tier- und 24.000 Pflanzen- und Pilzarten. Davon wurden 12.000 Stichproben zu 195 EU-weit bedeutenden Tier- und Pflanzenvorkommen und von 92 Lebensräumen wie Flussauen, Wiesen, Mooren und Wäldern ausgewertet. Allerdings gibt es bei 16 Prozent der Arten keine genaue Kenntnis. Konkret in Zahlen wurde der Vogelbestand mit über 250 Vogelarten ermittelt. Hier wurde quasi ein Zensus durchgeführt. Allerdings gibt es auch bei einzelnen Vogelarten weite Spannen, zum Teil nur durch ungefähre Schätzungen.

Monitoring mit Methode

Estmals wurde dieses umfassende Monitoringprogramm durchgeführt. Die Daten der Stichproben, auch von Ehrenamtlichen und Naturschützern gesammelt, wurden zusammengeführt. Erfasst und bewertet wurden die Daten mit einer detaillierten Methode, die nach Vorgaben der EU erstellt wurde.
Die Bewertung fand nach vier Parametern statt: Ob sich aktuelle Vorkommen und Verbreitungsgebiete seit Inkrafttreten der Richtlinien vergrößert oder verkleinert haben. Ob die Lebensräume in einem guten Zustand sind. Und ob sich der Zustand in naher Zukunft absehbar verbessern oder verschlechtern wird.

EU-weite Erhebung

Grund für die "Generalinventur" sind zwei EU-Richtlinien: die Vogelschutzrichtlinien und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). Sie fordern, dass Schutzgebiete für EU-weit bedeutende Arten ausgewiesen werden müssen. Deshalb wurde die bundeseinheitliche Inventarisierung von Arten und Lebensräumen mit europaweiter Bedeutung vorgenommen. Alle sechs Jahre berichten die Staaten der Europäischen Union über den Stand der Umsetzung und die Situation der Arten und Lebensräume. Ziel ist es notwendige Schutzprogramme oder Maßnahmen zu ergreifen, um gefährdete Arten entsprechend zu schützen.

Als eine erste Maßnahme zum Schutz der Artenvielfalt forderten Bundesumeltministerium und Umweltschutzverbände das Eindämmen des exzessiven Maisanbaus. Zudem sollte die Flächenversiegelung eingedämmt werden: Zum Zeitpunkt der Datenerhebung betrug der Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche 74 Hektar pro Tag.


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