Wissen - Rote Liste

Ein Drittel der Tiere und Pflanzen sind bedroht

Artenschutz-Report für Deutschland 2015 Ein Drittel der Tiere und Pflanzen sind bedroht

Stand: 20.05.2015

Pflanzen und Tiere haben es in Deutschland schwer: Trotz aller Naturschutz-Bemühungen vergangener Jahrzehnte ist ein großer Teil der heimischen Fauna und Flora in ihrem Bestand bedroht. Nach wie vor - und ungebremst. Das zeigte der Artenschutz-Report für Deutschland 2015.

Das Schwinden der Artenvielfalt ist auch in Deutschland kein neues Thema. Jahrhundertelang holzte man Wälder ab, legte Moore und Sümpfe trocken und schuf Ackerland. Im 20. Jahrhundert tat die industrialisierte Landwirtschaft mit Düngern, Giften und Flurbereinigung ihr Übriges, Deutschland in eine artenarme Agrarsteppe zu verwandeln - und tut es noch heute.

Deshalb bemühen sich seit Jahrzehnten Umweltorganisationen und politische Instanzen wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) darum, die biologische Vielfalt hierzulande zu erhalten. Mit Naturschutzgebieten, der Einrichtung von Biotopen oder gezielten Schutzmaßnahmen für einzelne Tierarten soll dem Artensterben Einhalt geboten werden. Doch der Artenrückgang geht nach wie vor weiter.

Jede dritte Art ist gefährdet

"Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend. Ein Drittel der bei uns in Deutschland vorkommenden Arten steht auf der Roten Liste und hat damit in seinem Bestand als gefährdet zu gelten."

Artenschutzreport 2015, Bundesamt für Naturschutz (BfN).

Artenschutzreport 2015

Ein Drittel der Arten in Deutschland ist gefährdet

Im Mai 2015 veröffentlichte das BfN seinen ersten Artenschutzreport als umfassende Analyse der Gefährdungssituation von Tier- und Pflanzenarten in Deutschland, deren möglichen Ursachen und Gegenmaßnahmen. Die Zahlen basieren unter anderem auf der Roten Liste für Deutschland, auf der mehr als 32.000 Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands beobachtet werden. Das erschreckende Ergebnis: Mehr als ein Drittel dieser Arten sind im Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben.

"Wir müssen dringend unsere Anstrengungen verstärken, um den Artenrückgang zu stoppen."

Prof. Beate Jessel, BfN-Präsidentin, zum Artenschutzreport 2015

Mensch in Konkurrenz zu den Arten

Mehr als 70.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gibt es in Deutschland

Es ist natürlich längst nicht mehr die Jagd, die in Deutschland zum Aussterben von Arten führt. Das Artensterben findet auf einer viel breiteren Fläche statt, als es mit Gewehren oder Netzen überhaupt verursacht werden könnte. Es ist der Mensch in seiner Daseinsform, der der Natur zum Verhängnis wird: Zersiedelung der Landschaft, Zerstörung von Lebensräumen, der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, Monokulturen in der Forstwirtschaft - all trägt dazu bei, dass die Artenvielfalt am Standort Deutschland gefährdet ist.

Etwa 71.500 verschiedene Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind in Deutschland bekannt. Nur ein Teil davon konnte bislang so genau untersucht werden, dass sichere Bestandsdaten in der Roten Liste für Deutschland vorliegen.