Wissen - Rote Liste


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Vom Aussterben bedroht Bayerns Tiere und Pflanzen in Gefahr

Nur noch selten hört man das Auerhuhn in bayerischen Wäldern. Der Grasfrosch ist in Bayern bedroht, ebenso die Feldlerche. Immer mehr Arten stehen auf der Roten Liste.

Stand: 19.09.2016

In Bayern sind rund 80.000 der insgesamt 100.000 Tier- und Pflanzenarten Deutschlands beheimatet, manche kann man auch nur noch hier finden. Das liegt auch daran, dass Bayern mit den Alpen einen ganz besonderen Lebensraum bietet. Über 77 Prozent aller bayerischen Tiere und Pflanzen kommen hier vor, obwohl die Alpen nur rund sechs Prozent Bayerns ausmachen.

Der Fischotter ist akut vom Aussterben bedroht.

Trotz aller Bemühungen um den Artenschutz - es sieht schlecht aus für die in Bayern heimischen Pflanzen und Tiere. Rund vierzig Prozent aller Großpflanzen und Tiere stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten und fast ein Drittel aller Pilze sind bedroht. 2014 waren 9.563 Arten in Roten Listen zu finden.

Eine letzte Kolonie der Großen Hufeisennase in der Oberpfalz

Eine der bedrohten Arten ist die Große Hufeisennase. Ihren Namen hat die Fledermausart aufgrund des hufeisenförmigen Hautlappens auf ihrer Nase. Doch den könnte man schon bald nur noch von alten Fotos her kennen, denn in ganz Deutschland ist die Fledermaus verschwunden - außer in der Oberpfalz. In Hohenburg bei Amberg wurde vor zwanzig Jahren eine Kolonie entdeckt. Rund siebzig Tiere leben dort im Dachstuhl eines alten Stadels. Und damit die bedrohten Tiere dort bleiben, wurde dieser Stadel für über eine Million Euro saniert. Jetzt muss aber auch der Lebensraum der Großen Hufeisennase noch deutlich verbessert werden, damit die Population wieder wächst. Mistkäfer zum Beispiel wären ein bevorzugtes Beutetier dieser Fledermaus. Die brauchen aber frischen Dung - deshalb gibt es in Hohenburg ein Projekt zur Umgestaltung der Weidekultur.

Vom Aussterben bedroht: Fischotter und Böhmischer Enzian

Zahlreiche Tiere und Pflanzen stehen kurz vor dem Aussterben, sie kommen zum Teil nur noch einzeln vor oder ihre Anzahl ist auf eine kritische Größe geschrumpft. Das sind zum Beispiel der Fischotter oder der Böhmische Enzian. Ihnen geht der Lebensraum verloren und der Klimawandel macht ihnen zu schaffen. Vom Großen Brachvogel zählten die Forscher beispielsweise im Jahr 1980 noch rund 1.000 Brutpaare - in der jüngsten Roten Liste der Brutvögel Bayerns finden sich nicht einmal mehr die Hälfte. Nur eine von 28 Vogelarten, die akut vom Aussterben bedroht sind.

Auf der Roten Liste

  • Luchs
  • Auerhuhn
  • Bachneunauge
  • Fetthennenbläuling
  • Sperbergrasmücke
  • Bayerisches Löffelkraut
  • Böhmischer Enzian
  • ... und viele Hunderte mehr

Der weltweite Trend des Artensterbens macht auch vor Bayerns Grenzen nicht halt. Die Ziele der Politik sind bescheiden - es geht nur noch um eine Trendumkehr, also darum, dass das Artensterben nicht mehr so schnell fortschreitet. Bei manchen Spezies scheint das aber immerhin schon geklappt zu haben:

Den Absprung geschafft

Blaukehlchen

Nicht mehr auf der Roten Liste stehen:

  • Großes Mausohr
  • Zwergfledermaus
  • Biber
  • Hausspitzmaus
  • Saatkrähe
  • Blaukehlchen

Manche haben den Absprung geschafft, weg von der Roten Liste, zurück ins Überleben. Das sind zum Beispiel die Fledermaus Großes Mausohr oder der Biber. Durch aufwendige Schutzprogramme konnten die Bestände stabilisiert werden. Wie ihre Zukunft aussieht, wird sich erst noch zeigen. Denn nur, weil sie nicht mehr auf der Roten Liste stehen, heißt das noch lange nicht, dass diese Arten über den Berg sind.

Artenschutzprojekte der bayerischen Regierung

Bayerische Schutzprojekte


Die bayerische Staatsregierung investiert laut eigenen Angaben jährlich 50 Millionen Euro in den Erhalt der Artenvielfalt. Neben Schutzprojekten für einzelne Tier- und Pflanzenarten hat der Freistaat die "Bayern Arche" ins Leben gerufen, inzwischen unter dem Titel "NaturVielfaltBayern" - eine Internetseite, die über Naturschätze in jedem Landkreis informiert. Unterstützt vom Umweltministerium informieren seit 2008 auch die bayerischen Landschaftspflegeverbände über schützenswerte Natur - mit der Aktion "Bayerns UrEinwohner":

Bayerns UrEinwohner brauchen Schutz

Das "Artenhilfsprogramm Botanik" hat seit 1991 zahlreichen stark bedrohten Pflanzenarten ein bisschen Luft zum Atmen verschafft. Das Bayerische Löffelkraut und das Bodensee-Vergissmeinnicht profitieren zum Beispiel von diesen Verbesserungen. Und - etwas weniger hoffnungsfroh: Forscher haben eine Samenbank für gefährdete heimische Pflanzenarten angelegt, die "Genbank Bayern Arche" - "nachdem, trotz aller Bemühungen, nicht auszuschließen ist, dass in Zukunft die ein oder andere Pflanzenart in Bayern ausstirbt", wie es auf den Internetseiten des Umweltministeriums zu lesen ist.

2008 hat die Regierung ihre "Biodiversitätsstrategie" formuliert. Ein Netzwerk bringt bayerische Akteure im Natur- und Artenschutz zusammen, beraten von einem Biodiveristätsrat. Bis 2020 soll der Rückgang der Artenvielfalt gestoppt werden. Dabei wird vor allem auch auf den engagierten Einsatz Ehrenamtlicher gesetzt. Bleibt zu hoffen, dass die Aktionen nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind, sondern zumindest einigen Tieren und Pflanzen helfen, zu überleben.

Artenschutzerfolg in Bayern bei der Wiesenweihe


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