Zum Tod von Dietrich Fischer-Dieskau Welt trauert um den "Jahrhundertsänger"
Der Tod des Baritons Dietrich Fischer-Dieskaus löst bei Kulturschaffenden als auch Politikern große Anteilnahme aus. Der Sänger starb am Freitag, 18. Mai, im bayerischen Berg bei Starnberg kurz vor seinem 87. Geburtstag, wie seine Frau Julia Varady mitteilte.
Der "Jahrhundertsänger" Fischer-Dieskau gilt als der wahrscheinlich bedeutendste Vertreter des romantischen Liedgesangs. Er machte aber auch als Opernsänger, Musikpädagoge und Schriftsteller Karriere. Untrennbar verbunden mit seinem Namen bleiben vor allem seine Interpretationen von Franz Schuberts "Winterreise", die er erstmals 1948 einspielte und von der später weitere acht Aufnahmen erschienen. Liedklassiker wie "Die schöne Müllerin" oder Mahlers "Kindertotenlieder" erreichten als Platten hohe Auflagen.
Reaktionen zum Tod von Fischer-Dieskau
Christian Gerhaher
Der Bariton Christian Gerhaher hat den verstorbenen Dietrich Fischer-Dieskau als den "bedeutendsten Sänger überhaupt" gewürdigt. Fischer-Dieskau sei derjenige gewesen, der die vokale Kammermusik erfunden habe: "Aus einem Fach, das zuvor mit sentimentaler Rührseligkeit behandelt worden war, hat Fischer-Dieskau ein ernst zu nehmendes, reflexives, intellektuell begründbares Konzertfach gemacht," sagte Gerhaher dem Bayerischen Rundfunk. Fischer-Dieskau hatte eine "kompromisslose Helligkeit" in der Stimme und war damit auch für Gerhaher ein Vorbild. Neben der "extrem tragfähigen Stimme" schätzt Christian Gerhaher an Fischer-Dieskau eine "enzyklopädische Art des Repertoirebegreifens", mit der Fischer-Dieskau viel geleistet habe: "Keiner hat so viel gearbeitet wie er."
Nikolaus Bachler
Der Intendant der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler, erklärte, der Tod Fischer-Dieskaus sei "ein großer Verlust für die gesamte Musikwelt". Der Bariton habe "durch seine Interpretationen im Liedgesang und in der Oper die Kunst des Singens entscheidend geprägt", so Bachler. "Der heutige Liedgesang wäre ohne die Prägung durch Dietrich Fischer-Dieskau nicht denkbar. Die Bayerische Staatsoper trauert um einen ihrer wichtigsten Künstler überhaupt."
Horst Seehofer
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte Fischer-Dieskau als "Ausnahmekünstler und Jahrhunderterscheinung". Mit ihm verliere die Musikwelt "einen der ganz Großen". Dietrich Fischer-Dieskau bleibe unvergessen als der ideale Interpret des deutschen Liedes, sagte Seehofer.
Bernd Neumann
Kulturstaatsminister Neumann erklärte, Fischer-Dieskau habe mit seinen Interpretationen des deutschen Liedes von Mozart über Schubert, Schumann und Brahms bis Richard Strauss Maßstäbe gesetzt. Unvergessen blieben seine Aufnahmen von Schuberts "Winterreise". "Mit seiner Stimme hat er mehr als ein halbes Jahrhundert lang unzählige Menschen in der ganzen Welt in hunderten von Konzerten und ungezählten Einspielungen tief berührt."
Norbert Lammert
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat den verstorbenen Opernsänger Dietrich Fischer-Dieskau als einen "der besten Botschafter der Kulturnation Deutschland" gewürdigt. "Mit ihm verlieren wir eine große Künstlerpersönlichkeit, die das kulturelle Leben unseres Landes seit Jahrzehnten begleitet und geprägt hat", sagte Lammert am Freitag in Berlin. "Mit seinen herausragenden stimmlichen Fähigkeiten, seinem umfangreichen Repertoire und seiner enormen Schaffenskraft avancierte er zu einem der besten und erfolgreichsten Sänger überhaupt", fügte Lammert hinzu.
Brigitte Fassbaender
Die Sängerin Brigitte Fassbaender nannte Fischer-Dieskau einen "großen Sänger und Intellektuellen". "Für alle, die mit ihm gearbeitet haben, war er immer in hohem Maße auch Vorbild. Er war einfach eine natürliche, große Autorität", sagte Fassbaender im Deutschlandradio Kultur.
Der 1925 geborene Fischer-Dieskau hatte 1992 seine Gesangskarriere beendet. Zu den Höhepunkten seiner Laufbahn gehörte die Teilnahme an der Uraufführung von Benjamin Brittens "War Requiem" bei der Einweihung der neuen Kathedrale im britischen Coventry im Jahr 1962.
Neben dem Liedgesang pflegte Fischer-Dieskau das Opernfach. Seine erste Partie an der Bayerischen Staatsoper war die des Jochanaan in der Oper "Salome" von Richard Strauss, es folgten an die 20 weitere Rollen. 1959 wurde er zum Bayerischen Kammersänger ernannt.
Der Dirigent, Maler, Musikwissenschaftler und Rezitator publizierte über den Goethe-Freund Carl Friedrich Zelter und das Berliner Musikleben. Bis zuletzt hatte er Meisterklassen gegeben. Zu seinen Schülern gehörten Thomas Quasthoff und Christian Gerhaher.

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