BR-KLASSIK

Richard Strauss Ariadne auf Naxos

Angenommen, eines Morgens käme die Einladung eines alten Freundes aus Studienzeiten, noch diesen Monat unter vier Augen und Ohren die Wiener Opern-Mitschnitte der Orfeo-Edition einmal eine ganze Nacht lang in Ruhe kritisch gegeneinander abzuwägen, zumindest ihre "schönen Stellen" - spätestens gegen drei Uhr früh stünde fest, welches die größte Sternstunde im Haus am Ring gewesen ist: "Ariadne auf Naxos" 1976 mit Edita Gruberova und Gundula Janowitz!

Autor: Volkmar Fischer Stand: 07.02.2012

Innerhalb der Edition begegnet man Richard Strauss nicht zum ersten Mal, "Die Frau ohne Schatten" (Böhm 1955) und "Intermezzo" (Keilberth 1963) liegen schon in hochwertigen Aufnahmen vor. Derart nach den Sternen aber greift weder die eine noch die andere, nur diese "Ariadne" ist auch in den mittleren und kleineren Partien vorzüglich besetzt. Die Art und Weise, wie Agnes Baltsa als Komponist und Walter Berry als Musiklehrer im "Vorspiel" die Texte ihrer Rollen mit entschiedenem Gestaltungswillen abschmecken, bereitet genüsslich auf die späteren stimmlichen Glanzleistungen der beiden Sopranistinnen vor.

Betörender Jubel

Und wer jubelt nun in Tönen betörender: Edita Gruberova oder Gundula Janowitz? In der mitgeschnittenen Wiener Aufführung tragen sich beide in die Liste der besten Interpretinnen von Zerbinetta und Ariadne ein. In hundert Jahren Rezeptionsgeschichte hat sich wohl auch kaum ein Dirigent gefunden, der sich mit dieser Oper vergleichbar beherzt identifiziert hat wie Karl Böhm. Das von Strauss vorgeschriebene "Mini-Orchester" (36 Musiker) wirkt bis in die Haarspitzen motiviert und geht dem allegorischen Stück über Monogamie und Promiskuität mit unverkennbar Wienerischer Gelassenheit auf den Grund. Als sollte dem Publikum signalisiert werden: Die Lage war schon immer hoffnungslos, aber nicht ernst…

Richard Strauss: Ariadne auf Naxos

Gundula Janowitz, Sopran - Ariadne
Edita Gruberova, Sopran - Zerbinetta
James King, Tenor - Bacchus
Agnes Baltsa, Mezzosopran - Komponist
Walter Berry, Bariton - Musiklehrer
Barry McDaniel, Bariton - Harlekin
Orchester der Wiener Staatsoper
Leitung: Karl Böhm
Label: Orfeo