Miklós Perenyi spielt Britten, Bach Ligeti
Der ungarische Cellist Miklós Perényi ist in Deutschland vor allem als Kammermusikpartner von András Schiff bekannt. Bei ECM haben die beiden vor ein paar Jahren eine absolut hörenswerte Gesamteinspielung von Beethovens Cellosonaten veröffentlicht. Jetzt widmet sich Perényi beim gleichen Label drei wichtigen Werken für Violoncello solo. Und wieder fasziniert sein erdiger, dunkler, wunderbar sonorer Ton.
Perényi, ein Schüler des großen Cellisten Pablo Casals, gehört zu den wenigen Musikern, die ihrem Instrument eine auf Anhieb wiedererkennbare, ganz individuelle Stimme geben - und das ohne den geringsten Anflug von Manierismus: Geradliniger und aufrichtiger als er kann man kaum spielen. Die Mstislav Rostropowitsch gewidmete Suite Nr. 3 von Benjamin Britten ist in ihrer originellen Abfolge kurzer, thematisch verwandter Sätze, die in eine große Passacaglia münden, eine Hommage an Johann Sebastian Bach. Miklós Perenyi leuchtet alle Dimensionen des kontrastreichen Stücks souverän aus.
Eintauchen in den dunklen Klang
Bachs sechste Solosuite ist ein hochvirtuoses Werk, das wohl ursprünglich für ein fünfsaitiges Violoncello gedacht war. Die erheblichen technischen Schwierigkeiten bewältigt Perényi mit einer Selbstverständlichkeit, die ihm erlaubt, alle Energie in den Ausdruck zu legen. Mit historischer Aufführungspraxis hat sein Bach-Spiel wenig zu tun. Er taucht tief ein in den dunklen Klang seines Instruments, spielt stets mit intensivem Bogenkontakt. Romantisierend wird man seinen Zugang jedoch ebenso wenig nennen können: Absolut schnörkellos und direkt geht er an diese Musik heran, Vibrato setzt er generell sehr sparsam ein.
Spannungsreich und stimmig
Fulminant schließlich die Solosonate von György Ligeti, ein Frühwerk aus den Jahren 1948 bis 1953, das den jungen Komponisten noch auf den Spuren seiner großen Vorbilder Béla Bartók und Zoltán Kodály zeigt. Im stalinistischen Ungarn durfte das Werk seinerzeit nicht im Radio gespielt werden, und so wurde es erst lange Jahre nach Ligetis Flucht in den Westen veröffentlicht. Perényi kann hier gewissermaßen in seiner musikalischen Muttersprache sprechen, denn Ligeti orientiert sich in diesem meisterhaften Frühwerk noch stark an der ungarischen Volksmusik. Fazit: Eine ebenso spannungsreiche wie stimmige Zusammenstellung - und eine schöne Gelegenheit, einen großartigen, aber bei uns zu wenig bekannten Musiker von ganz unterschiedlichen Seiten her kennen zu lernen.
Miklós Perenyi - Britten, Bach Ligeti
Benjamin Britten
Suite für Violoncello solo Nr. 3, op. 87
Johann Sebastian Bach
Suite für Violoncello solo Nr. 6, BWV 1012
György Ligeti
Sonate für Violoncello solo
Miklos Perenyi (Violoncello)
Label: ECM

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