BR-KLASSIK - CD-Tipps

Mark Padmore singt Benjamin Britten und Gerald Finzi

Die neue Britten-CD von Mark Padmore lässt sich durchaus als das konsequente Weiterdenken seiner großen Schubert-Projekte der letzten Jahre sehen. Schubert war zweifellos einer der größten Melodiker der vergangenen Jahrhunderte. Und genau hier knüpfte Benjamin Britten, selbst ein bedeutender Liedbegleiter, mit seinem Schaffen an.

Von: Oswald Beaujean Stand: 24.05.2012

Britten war überzeugt davon, dass die Melodie und damit zusammen hängend auch die Tonalität auch im 20. Jahrhundert keineswegs ausgedient hatten oder überholt waren. Für ihn war klar, dass mit diesen musikalischen Parametern nach wie vor zu arbeiten war, mochte er sie auch in eine sehr persönliche Richtung erweitern. Seine Opern legen davon beredtes Zeugnis ab. Dass er damit keineswegs nur Beifall fand, angefeindet und von vielen Avangardisten nicht ernst genommen wurde, als konservativ und oberflächlich abgestempelt wurde, nahm er in Kauf. Zu Recht, denn Britten entwickelte auf diesem Weg eine ganz persönliche, unverwechselbare Sprache.

Die beiden Zyklen auf Padmores neuer CD schrieb Britten für seinen Lebensgefährten Peter Pears, dessen helle, klare und relativ leichte Stimme durchaus an diejenige Padmores erinnert. Dass das Lied in Brittens Schaffen eine so zentrale Rolle spielte, hing zum einen mit Pears zusammen, zum anderen sicher mit seiner Begeisterung für Literatur und Lyrik. Die "Serenade für Tenor, Horn und Streicher" op. 31 mit Texten verschiedenster Jahrhunderte - unter anderem von John Keats, Alfred Tennyson und William Blake, aber auch einem anonymen Text aus dem 15. Jahrhundert - belegt das ebenso wie das ähnlich gelagerte "Nocturne für Tenor, sieben obligate Instrumente und Streicher" op. 60. Und beide Zyklen sind wundervolle Beispiele für Brittens Fähigkeit, innerhalb der Gesetze und Gesetzmäßigkeiten der Tonalität eine unverwechselbare, schöne, aber nie glatte, sondern unglaublich expressive und berührende Sprache zu entwickeln.

Mark Padmore singt Britten und Finzi

Serenade für Tenor, Horn und Streicher op. 31
Nocturne für Tenor, sieben obligate Instrumente und Streicher op. 60
Dies natalis op. 8 (Gerald Finzi)
Mark Padmore, Tenor
Stephen Bell, Horn
Britten Sinfonia
Leitung: Jacqueline Shave
Label: harmonia mundi


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