Nikolai Lugansky spielt Klavierwerke von Liszt
Sein großes Talent zeigte der 1972 in Moskau geborene Sohn einer russischen Wissenschaftlerfamilie schon in frühester Kindheit: den ersten Klavierunterricht erhielt er im Alter von fünf Jahren und 1994 gewann der spätere Schüler der legendären Tatjana Nikolayeva den Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb.
Die Rede ist von Nikolai Lugansky, den seine steile Karriere schon in alle großen Musikzentren der Welt führte und der auch mit seinen CD-Einspielungen besonders von Werken Rachmaninows und Chopins Aufsehen erregte. Recht spät, nämlich erst zum Ausklang des vergangenen Liszt-Jahres 2011 widmete sich der russische Starpianist mit einer CD diesem genialen Klavier-Visionär.
Klarheit und Farbigkeit
Natürlich gab es im letzten Jahr viele und auch viele spannende Neuaufnahmen der Klaviermusik von Franz Liszt. Trotzdem fasziniert das Album von Nikolai Lugansky durch eine ganz eigene, eher introvertierte Liszt-Sicht - auch wenn der russische Pianist sich in seiner Repertoire-Auswahl eher auf die populäreren Werke des Meisters fokussiert hat. Mit einer besonderen Mischung aus apollinischer Klarheit und sinnlicher Farbigkeit, lässt Nikolai Lugansky Klavier-Tondichtungen wie die berühmten Wasserspiele "Les jeux d'eau de la Villa d'Este" aus Liszts musikalischem Reisetagebuch "Les Années de pèlerinage" in einem ungewöhnlich hellen Licht erstrahlen.
Virtuosität mit Zwischentönen
Trotz seiner brillanten, auch in den atemberaubendsten Passagen mühelos wirkenden Technik wirkt Nikolai Luganskys Interpretationsstil nie massiv oder überhitzt, sondern lässt auch differenzierte, lyrische oder zuweilen sogar resignierte Zwischentöne hörbar werden. So spürt Nikolai Lugansky in Liszts kongenialer Transkription von Richard Wagners "Isoldes Liebestod" mit subtilen Anschlagsnuancen nicht nur dem harmonischen Farbenreichtum nach, sondern auch den gestischen Feinheiten des melodischen Verlaufs. Hinzu kommt ein ausgeprägter Sinn für die vielschichtig sich steigernde Dramaturgie dieses ekstatischen Abgesangs. Fazit: Luganskys Liszt-Spiel schärft das Gehör für die Kühnheiten, aber auch für die Brüchigkeit dieser Zukunftsmusik.
Franz Liszt: Klavierwerke
"Chasse-neige"; Ètude Nr. 10 f-Moll; "La Campanella"; "Vallée d'Obermann"; "Sposalizio"; "Les jeux d'eau de la Villa d'Este"; "Sonnetto 123 del Petrarca"; "Isoldens Liebestod"; "Feux follets"; "Première valse oubliée"
Nikolai Lugansky (Klavier)
Label: Naive ambroise

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