BR-KLASSIK

Elena Kuschnerova spielt Klavierwerke von Schumann

"Der Verstand irrt, das Gefühl nie" - mit diesem berühmten Aphorismus plädierte Robert Schumann für den Vorrang des Irrationalen, Poetischen, Übersinnlichen vor dem Analytischen, Messbaren. Nicht zufällig finden sich im Schaffen des romantischen Komponisten so viele Arabesken, Romanzen, Balladen, Szenen und Fantasien: für diverse Kammermusikbesetzungen, und immer wieder für Klavier solo - Stücke und Zyklen, die Raum geben, um die Gedanken und Emotionen schweifen zu lassen, die wilden, energetischen, und die beschaulichen, grüblerischen.

Autor: Annika Täuschel Stand: 10.12.2011

Robert Schumanns florestanisch-aufgewühlte und eusebiushaft-verinnerlichte Klaviermusik ist für jeden Weltklasse-Pianisten eine technische und musikalische Herausforderung. Die Stücke verlangen nicht nur Ideenreichtum und immense künstlerische Gestaltungskraft, will heißen: die Fähigkeit, den Willen und den Mut, immer wieder in neue Klangwelten aufzubrechen und neue Stimmungen und Schattierungen zu suchen und zu erzeugen. Sie verlangen auch - scheinbar nebenbei, zumindest nicht auf dem Präsentierteller ausgestellt - stupende Technik.

Makellose Technik und feinfühliger Anschlag

Die gebürtige Moskauer Pianistin Elena Kuschnerova, die längst in Deutschland eine Wahl-Heimat gefunden hat, hat sich für ihre Schumann-CD neben dem "Faschingsschwank aus Wien" die "Fantasiestücke" op. 12, die "Beethoven-Etüden" und Schumanns erstes mit Opuszahl versehenes und also vollgültiges Werk, die "Abegg-Variationen" von 1831 ausgesucht. Eine ausgewogene Zusammenstellung aus mehr und weniger Bekanntem, alles überdies Werke, in denen Kuschnerova ihre pianistischen Qualitäten hervorragend unter Beweis stellen kann. Natürlich begeistert Elena Kuschnerova auf ihrem Schumann-Album selbst Nicht-Pianisten mit ihrer makellosen Technik und ihrem feinfühligen Anschlag; ob es in dieser Musik für sie jemals technische Hürden zu überwinden gab, bleibt wohl ihr Geheimnis. Mehr aber als die Bravour faszinieren die klanglichen Fantasiewelten, die die russische Pianistin eine nach der anderen aufschließt und mit dem Zuhörer durchwandert: Musik, mit dem Verstand erarbeitet, um dem Gefühl freie Entfaltung zu schenken. Ganz in Robert Schumanns Sinn also …

Robert Schumann: Klavierwerke

Faschingsschwank aus Wien op. 26
Beethoven-Etüden
Abegg-Variationen op. 1
Fantasiestücke op. 12
Elena Kuschnerova (Klavier)
Label: Glor Classics