Valer Barna-Sabadus "Hasse Reloaded"
Der 1699 in Bergedorf - heute ein Stadtteil Hamburgs - geborene Johann Adolph Hasse war in der Mitte des 18. Jahrhunderts der erfolgreichste und am meisten verbreitetste Komponist. Hasse, der an den Höfen von Dresden und Wien wirkte und an den italienischen Opernbühnen, ja selbst in Versailles, rauschende Erfolge feierte, galt als Inbegriff des Opernkomponisten. Er war sogar noch populärer als sein Rivale Georg Friedrich Händel, den die Italiener zwar "il caro Sassone - den lieben Sachsen" getauft hatten, doch Hasse war für sie "il divino Sassone - der göttliche Sachse".
Der Vollender der opera seria wurde von den Zeitgenossen wegen des Melodienreichtums und der vornehmen Schlichtheit seiner rund 35 Opern geliebt. Der berühmte Dichter Pietro Metastasio, dessen Libretti von allen namhaften Komponisten der Zeit vertont wurden - einzelne Werke sogar bis zu fünfzig Mal - erklärte, dass sein Freund Hasse die kongenialsten Kompositionen zu seinen Operntexten geliefert habe.
Eine Lanze für den "göttlichen Sachsen"
Es ist ein Rätsel, wie dieser internationale Star der Opernszene von der Nachwelt so vergessen werden konnte. Auch von dem seit einigen Jahren anhaltenden Boom der Barockoper hat Johann Adolph Hasse kaum profitiert. Während von Händel so gut wie jedes Nebenwerk aufgeführt und auf Tonträger gebracht wird, sind Hasses fast ebenbürtigen Musikdramen selten auf den Spielplänen und noch seltener auf CD zu finden. Eine Lanze für den "göttlichen Sachsen", der zwar lange in Dresden wirkte, aber strenggenommen doch ein Norddeutscher war, hat jetzt der junge Countertenor Valer Barna-Sabadus gebrochen. Auf seiner ersten Solo-CD stellt sich der vielversprechende Falsettsänger mit einem beeindruckenden Hasse-Programm vor. Es enthält die Arien des Jarba aus der 1742 uraufgeführten Oper "Didone abbandonata" sowie die 20 Jahre später entstandene Kammerkantate "La Gelosia" über die Qualen der Eifersucht. Dass der Titel dieser CD etwas fesch "Hasse reloaded" lautet und von einem hochglanzmodemagazintauglichen Foto des attraktiven Sängers angepriesen wird, sei geschenkt. Denn erstens werben auch andere anziehende Interpreten und Interpretinnen mit ihrem Konterfei, und zweitens schaut Valer Barna-Sabadus nicht nur gut aus, sondern kann auch betörend singen.
Tragweite und Persönlichkeit
Der 1986 in Rumänien geborene und mit fünf Jahren nach Niederbayern gezogene Valer Barna-Sabadus soll sich als Heranwachsender nach einem Konzert des Countertenors Andreas Scholl unter der Dusche selbst im Falsettgesang geübt haben. Das fand seine Mutter, eine Pianistin, so beeindruckend, dass ihr Sohn eine Gesangsausbildung erhielt. Eine weise Entscheidung. Denn obwohl der heute 25-jährige Countertenor noch gar nicht ganz fertig ist mit seinem Studium, reißen sich diverse Bühnen um den begabten Interpreten. Er sang unter anderem schon an der Oper Frankfurt, dem Prinzregententheater München, der Semperoper Dresden, der Staatsoper Berlin sowie den Festspielen von Salzburg, Schwetzingen, Schleswig-Holstein und Aix en Provence. Was den jungen Countertenor neben seiner Bühnenpräsenz dabei auszeichnet ist natürlich seine Stimme, die nicht sehr groß ist, aber Tragweite und Persönlichkeit hat. Auf dieser Hasse-Cd glänzt Barna-Sabadus mit einem ziemlich hoch angelegten Sopran. Sein vibratoreiches aber keineswegs schrilles Organ erreicht lichte Höhen. Seine Verzierungen perlen nur so dahin. Das ist technisch hervorragend und ausdrucksstark.
Gepflegter, farbenreicher Klang
Am allermeisten beeindruckt der Countertenor aber mit seinem auch in den hohen Lagen feinem Piano. Das kommt gerade bei Hasses langen und langsamen Arien "Leon ch'errando vada" und "Cadrà fra poco in cenere" aus seiner Oper "Didone abbandonata" herrlich zur Geltung. Wenn Valer Barna-Sabadus sie so edel und kultiviert interpretiert, versteht man auf einmal Hasses musikalisches Schönheitsideal der Schlichtheit des Belcanto, das nicht mit vordergründigen Effekten, sondern mit melodischer Delikatesse und Wohlklang überzeugt. Und die Hofkapelle München unter der Leitung von Michael Hofstetter tut alles, um den Countertenor dabei gut aussehen zu lassen. Das Alte Musik-Orchester besticht mit einem gepflegten farbenreichen Hasse-Klang.
Diese CD ist eine echte Entdeckung im doppelten Sinne. Auf "Hasse reloaded" finden Sie einen erstklassigen wiederzuentdeckenden Komponisten und einen grandiosen neuzuentdeckenden Sänger.
Valer Barna-Sabadus - "Hasse Reloaded"
Johann Adolph Hasse:
Arien aus "Didone abbandonata" (1742)
Kantate "La Gelosia" (1762)
Einlagearie zu "Artaserse" von Nicola Porpora (1734)
Valer Barna-Sabadus (Countertenor)
Hofkapelle München
Leitung: Michael Hofstetter
Label: Oehms Classics

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