Josef Bulva spielt Klaviermusik von Chopin
Bereits im zarten Alter von 13 Jahren spielte er die hochvirtuosen Paganini-Variationen von Johannes Brahms, galt in seiner tschechischen Heimat als Wunderkind und wurde gar zum Staatssolisten gekürt. Vom Pianisten Josef Bulva ist die Rede, der seine Heimat nach dem Prager Frühling verließ und auch im westlichen Europa Karriere machte.
Ein Unfall im Jahr 1996 verletzte die Hand des inzwischen luxemburgischen Staatsbürgers und zeitweise auch in München lebenden Bulva so schwer, dass er erst 2009 nach etlichen Operationen und hartem Training auf die Konzertpodien zurückkehren konnte. Hoch gelobt wurde seine erste CD nach dem Comeback, auf der er Werke von Beethoven einspielte. Auf seiner aktuellen CD hat er nun beim Label " RCA Red Seal" eine Auswahl von Werken Frédéric Chopins vorgelegt.
Josef Bulva wurde schon früh wegen seinem geradezu wissenschaftlichen Perfektionsdrang und seiner außergewöhnlichen Virtuosität als Pianist des technischen Zeitalters bezeichnet. Mit großer pianistischer Unbestechlichkeit durchleuchtet er auch diesmal auf seinem Flügel wie mit einem Röntgenapparat die Klavierpoesie Chopins. Trotz aller analytischen Präzision, allem intellektuellen Kalkül und aller technischen Brillanz seines Spiels, lassen sich auf Bulvas neuer Chopin-CD allerdings zudem überraschend gesangliche und lyrische Intonationen vernehmen. So verleiht er Chopins Polonaise Nr. 5 in fis-Moll, die eher wie die Vertonung eines düsteren Dramas anmutet, eine irisierende, zugleich männlich-markante und melancholisch-kantable Atmosphäre. Auch in der elegischen Etüde op. 25 Nr. 7 in cis-Moll fasziniert Bulvas Chopin-Spiel durch eine besondere Mischung aus fast pedantischer Detailgenauigkeit, packender Dramatik und einfühlsamer Kantabilität.
Immer wieder wird auf Josef Bulvas Chopin-CD hörbar, dass es ihm nicht nur um Präzision, Prägnanz oder Brillanz geht, sondern dass er mit seinem äußerst fein differenzierten Legatospiel ebenfalls danach strebt, das Klavier buchstäblich zum Singen zu bringen. In diesem Bemühen sind selbst Triller für ihn weniger ein Ornament als vielmehr eine expressive Gestaltungsmöglichkeit, die harmonische Wirkung von Einzeltönen und Akkorden zu intensivieren. Fazit: Josef Bulva eröffnet überraschende Perspektiven auf Chopin die nicht nur für Eingeweihte spannend sind.
Josef Bulva spielt Frédéric Chopin
Polonaise fis-Moll, op. 44
Walzer Des-Dur, op. 64, Nr. 1
Scherzo Nr. 3 cis-Moll, op. 39
Grande Valse brillante As-Dur, op. 34, Nr. 1
Ballade Nr. 4 f-Moll, op. 52
Etüde cis-Moll, op. 25, Nr. 7
Andante spianato und Grande Polonaise brillante, op. 22
Josef Bulva (Klavier)
Label: RCA

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