BR-KLASSIK

Peter Tschaikowsky Symphonie Nr. 5

Mit Verve stürmt derzeit eine neue Dirigenten-Generation um die dreißig die Konzertpodien und Opernhäuser der Welt. Einer jener Hoffnungsträger, um die sich die traditionellen Klangkörper reißen, ist der 1977 in Nordossetien geborene Tugan Sokhiev.

Autor: Fridemann Leipold Stand: 31.01.2012

Sokhiev stammt aus der Talentschmiede Ilya Musins am Sankt Petersburger Konservatorium und ist bei uns noch nicht allzu bekannt, obwohl er bereits bei den Wiener, Berliner und Münchner Philharmonikern debütierte, an der Wiener und der Bayerischen Staatsoper dirigierte. Das wird sich spätestens im Herbst ändern, wenn Sokhiev nach einer zweijährigen Interimszeit als Nachfolger von Ingo Metzmacher Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin wird.

Newcomer aus dem Kaukasus

Nach offenbar beflügelnden gemeinsamen Konzerterfahrungen war, wie man hört, Sokhiev der Wunschkandidat des Orchesters. Seine Position an der Spitze des traditionsreichen Orchestre National du Capitole de Toulouse wird er neben Berlin beibehalten. Was von dem Newcomer aus dem Kaukasus zu erwarten ist, zeigt die aktuelle Studioproduktion der Fünften Symphonie von Peter Tschaikowsky. Es ist bereits die vierte CD, die Sokhiev mit seinem Toulouser Orchester in Frankreich herausgebracht hat - bezeichnenderweise ausschließlich mit russischem Repertoire. Und sie demonstriert den unvermindert hohen technischen Standard und die gerühmte Klangkultur, für die dieses renommierte französische Orchester seit den Tagen von Cluytens, Prêtre und Plasson steht.

Balance aus Maß und Emotion

Sokhiev überzeugt bei diesem symphonischen Schlachtross des Konzertbetriebs durch klare Tempo- und Klangdisposition - Tschaikowskys "Schicksalssymphonie" erscheint hier prägnant ausgearbeitet und durchhörbar strukturiert. Eher zügig als bräsig im Duktus, setzt sich Sokhievs Lesart nie dem Vorwurf der Effekthascherei bei dieser gefährlich in Gefühlen badenden Musik aus. In ihrer Balance aus Maß und Emotion bietet Sokhiev eine zeitgemäße Tschaikowsky-Interpretation. Und die beigegebene "Festliche Ouvertüre" Schostakowitschs, ein lärmig staatstragendes, aber auch zündendes Gelegenheitsstück, gerät hier zur brillanten Visitenkarte des Orchestre National du Capitole de Toulouse. Dass mit Tugan Sokhiev ein ganz anderer Typ als Ingo Metzmacher künftig die Geschicke des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin leiten wird, ist nach dieser CD sonnenklar.

Peter Tschaikowsky: Symphonie Nr. 5

Peter Tschaikowsky
Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64
Dmitrij Schostakowitsch
Festliche Ouvertüre op. 96
Orchestre National du Capitole de Toulouse
Leitung: Tugan Sokhiev
Label: Naïve