Gustav Mahler Symphonie Nr. 7
Sie werden gefeiert als das Mahler-Orchester der Stunde: Mit der inzwischen fast vollendeten Gesamteinspielung der Symphonien Gustav Mahlers für das Label Tudor sorgen Jonathan Nott und seine Bamberger Symphoniker international für Furore. Warum das so ist, lässt sich gut auf der neuesten, wieder in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk produzierten SACD nachhören.
Mit der Symphonie Nr. 7 hatte das Orchester diesmal einen besonders heiklen Brocken zu bewältigen. Bis heute gibt das fünfsätzige Werk Rätsel auf. Das scharfkantige, collageartige Kopfsatz-Ungetüm, die spukhaften nächtlichen Mittelsätze und dann das scheinbar unmotiviert dröhnende Jubel-Finale, gegen dessen "angestrengt fröhlichen Ton" besonders Adorno schäumte - das alles will keine rechte Einheit ergeben. Und weil Mahler überdies seiner Siebten ausnahmsweise kein geheimes Programm mitgab, stehen Generationen von Exegeten recht ratlos vor Mahlers womöglich unheimlichster Symphonie.
Brüchige Romantik
Nicht so Jonathan Nott und die Bamberger Symphoniker. Ohne Beschönigung werden die schroffen Kontraste, das Doppelbödige der Partitur ausgespielt. Die Welt der Romantik ist hier brüchig geworden, und durch die Risse lugt schon das Grauen der Moderne. Waren die Idyllen in den Wunderhorn-Symphonien zumindest noch im Traum oder im Märchen möglich, verwandeln sie sich in der Siebten gänzlich in Alpträume. So gestochen scharf, so transparent selbst im wildesten Getümmel hat man diese Alpträume freilich noch selten gehört. Jedes Instrument, jede Nebenstimme ist deutlich herausgearbeitet - die berühmte "Nachtwache" des zweiten Satzes sieht man geradezu in 3D vorbeispuken.
Gespenstischer Jubel
Der Clou der Einspielung aber ist das Finale. Schon die krachenden Pauken zu Beginn deuten eher auf eine Apokalypse als auf ein fröhliches Fest. Und wenn später die verschiedenen Themenfetzen übereinandergeschichtet werden, wenn dann auch noch Glockenspiel und Herdenglocken lauthals dazu bimmeln, dann scheint die Welt keineswegs wieder in Ordnung, sondern nun erst recht aus den Fugen geraten zu sein. Dieser Jubel hat etwas Gespenstisches. Und plötzlich begreift man, dass die fünf Sätze von Mahlers Siebter doch eine Einheit bilden. Eine überzeugende sogar.
Gustav Mahler: Symphonie Nr. 7 e-Moll
Bamberger Symphoniker - Bayerische Staatsphilharmonie
Leitung: Jonathan Nott
Label: Tudor

Wetter


