BR-KLASSIK

Maximilian Hornung spielt Werke von Dvořák und Saint-Saëns

Für die Cellisten ist es das Konzert – ein großes Epos, in dem ihr Instrument, das sonst meist als Bass- oder Tenorstimme die Melodie stützt, endlich einmal der strahlende Held ist. In Dvořáks Cellokonzert muss und darf der Solist das ganze Spektrum romantischer Gefühle beschwören, durchleben und aufs Publikum übertragen: Schwärmerische Nostalgie, drängende Leidenschaft, fein ausgehörte Kammermusik und die große virtuose Geste.

Autor: Bernhard Neuhoff Stand: 18.02.2012

Geschrieben hat es ein Komponist, der selbst am liebsten Bratsche spielte. Das Cello, meinte Dvořák einmal, sei doch bloß ein Stück Holz, das oben kreischt und unten brummt. Diesen Spruch mag man als eine der üblichen Musiker-Frotzeleien abhaken. Doch Dvořák zögerte sehr lange, ehe er einem befreundeten Cellisten den dringenden Wunsch nach einem Konzert für sein Instrument erfüllte. Und das hatte auch ernstere Gründe, vor allem: die heikle Balance. Die hohen Frequenzen der Geige dringen nun mal viel leichter durch und können sich notfalls auch gegen das volle Orchester behaupten. Das Cello dagegen ertrinkt nur allzu leicht im Klang der andern Instrumente, vor allem, wenn man auch seine wunderbar sonore Tenor- und Basslage ausnutzen will.

Herausforderung für den Cellisten

Erst als Dvořák mit Anfang 50 in New York das Cellokonzert von Victor Herbert hörte, ließ er sich überzeugen, dass diese Probleme lösbar sind. Eine Herausforderung bleibt sein Cellokonzert allemal. Denn auf keinen Fall darf die Bewältigung des Soloparts zum Kraftakt werden, viel wichtiger sind die lyrischen und gesanglichen Stimmungen, der unwiderstehliche Tonfall von Nostalgie und Erinnerung.

Der junge Cellist Maximilian Hornung stellt sich dieser Herausforderung mit einer Frische und einem Selbstbewusstsein, die absolut entwaffnend sind. Hornung hat einen satten, erdigen, meist sehr markanten, manchmal dunkel glühenden Ton, und er hat beeindruckende Kraftreserven. Trotzdem wirkt sein ungemein vitales Spiel nie forciert. Denn Hornung ist, bei aller musikantischen Energie, alles andere als ein unreflektierter Draufgänger. Höhepunkte werden sorgfältig vorbereitet, das dynamische Spektrum wird auch im piano und pianissimo sorgfältig ausgeleuchtet, und wenn die Melodie im Orchester liegt, nimmt er sich mit wachem Ohr begleitend zurück.

Charakterstücke von Saint-Saëns

Besonders reizvoll und eine echte Repertoire-Bereicherung ist das zweite Werk auf dieser CD: Die Suite für Cello und Orchester von Camille Saint-Saëns. Fünf Charakterstücke, die elegant die Brücke vom 19. Jahrhundert in die Barockmusik schlagen: Serenade, Romanze und Tarantella sind unverkennbar romantisch, während Präludium und Gavotte geistreich den Cellosuiten von Johann Sebastian Bach huldigen.

Die Bamberger Symphoniker unter der so zupackenden wie umsichtigen Leitung von Sebastian Tewinkel sind mit ihrem samtig-dunklen Orchesterklang für Maximilian Hornung ein idealer Partner.

Maximlian Hornung spielt Dvořák und Saint-Saëns

Antonín Dvořák
Cellokonzert h-Moll op. 104
Camille Saint-Saëns
Suite für Violoncello und Orchester op. 16, Romanze op. 36
Maximilian Hornung (Violoncello)
Bamberger Symphoniker
Leitung: Sebastian Tewinkel
Label: Sony