BR-KLASSIK

Wolfgang Amadeus Mozart Klavierwerke

Hammerklavier-Spezialist - so wird Kristian Bezuidenhout häufig genannt. Und es stimmt ja auch: In der Szene der Originalklang-Pianisten hat sich der Südafrikaner in den letzten Jahren in die erste Reihe gespielt.

Autor: Bernhard Neuhoff Stand: 01.02.2012

Aber Bezuidenhout ist viel zu sehr Musiker, als dass für ihn das Instrument im Zentrum des Interesses stünde. In seiner Generation hat sich im Umgang mit historischen Tasteninstrumenten so etwas wie eine zweite Unbefangenheit herausgebildet. Noch in den 80er und 90er Jahren hatte das Spiel auf dem Hammerklavier oft etwas Demonstratives: Hört her, Mozarts Klaviere haben ganz anders geklungen als der moderne Steinway! Für viele Klassikfans mag das bis heute der vorherrschende Eindruck sein, hinter dem die eigentliche Interpretation zurücktritt. Für die jüngeren Pianisten hat sich dieser Effekt mittlerweile glücklicherweise relativiert: Klar, also lasst uns Musik damit machen!

Mozart - ungewohnt kraftvoll

Für Bezuidenhout jedenfalls ist der wunderbar farbenreiche Klang seines 2009 entstandenen Nachbaus eines Wiener Fortepianos aus dem Jahr 1805 immer nur Mittel zum Zweck. Alle Energie kommt dem Werk und seiner ganz individuellen Interpretation zugute. Und die ist absolut erfrischend. Mozarts Werke für Klavier solo stehen im Schatten der Konzerte, wirklich ernst genommen werden sie selten. Mit hinreißender Verve befreit Bezuidenhout diese Musik vom falschen, aber hartnäckigen Ruf der Harmlosigkeit. Die Tiefe und Menschlichkeit etwa der F-Dur-Sonate KV 332 oder der Fantasie c-Moll KV 396 fesselt, bezaubert, überwältigt Takt für Takt.

Hier findet man alles, was den reifen Mozart auch in seinen Opern und Klavierkonzerten ausmacht: Den Witz und die übersprudelnde Ideenfülle in den schnellen Sätzen, den bunten Wechsel der Stimmungen, die auf kürzestem Weg von übermütiger Heiterkeit in existenziellen Ernst umschlagen, und schließlich die Kunst, mit drei, vier Tönen musikalische Charaktere zu zeichnen, deren Aufeinandertreffen dramatische Situationen schafft. All das wird von Bezuidenhout ungemein prägnant herausgearbeitet. Seine Mittel sind: Klangphantasie, Reaktionsschnelligkeit, ausgefeilte Phrasierung und mitreißende musikantische Energie.

Dass uns hier ein ungewohnt kraftvoller Mozart entgegentritt, hat dann allerdings doch eine Menge mit dem Instrument zu tun: Auf dem Hammerklavier kann man beim fortissimo die dynamischen Möglichkeiten voll ausreizen - auf dem modernen Flügel klänge das zu dick. Und das hat Folgen für den Ausdruck: Weil bei Mozart kaum ein Pianist auf dem Steinway an die Grenzen geht, steht seine Klaviermusik stets in der Gefahr, schmächtiger und dadurch irgendwie auch harmloser zu wirken als Beethoven, Chopin oder gar Rachmaninow. Mit diesem irreführenden Eindruck räumt Bezuidenhout gründlich auf: Er entdeckt für uns Mozarts solistische Klaviermusik endlich in ihrer ganzen dramatischen Intensität.

Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierwerke (Vol. 3)

Sonaten F-Dur KV 332 und B-Dur KV 333
Fantasie c-Moll KV 396
Variationen über "Ein Weib ist das herrlichste Ding" KV 613
Kristian Bezuidenhout, Hammerklavier
Label: harmonia mundi