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"Wagner und Verdi" Eine Doppelbiographie von Eberhard Straub

Verdi und Wagner, beide wurden 1813 geboren, beide waren revolutionäre Klangkünstler in einer politisch bewegten Zeit. Beide werden nun 2013, im Jahr ihres 200. Geburtstags, in ganz Europa gefeiert. Der Historiker und Journalist Eberhard Straub hat Verdi und Wagner eine Doppelbiografie gewidmet.

Von: Dorothea Hußlein Stand: 12.01.2013

Verdi und Wagner wuchsen in bescheidenen Verhältnissen auf, kamen als Opernkomponisten groß heraus und konnten sich nicht leiden. Doch beide Komponisten, gemeinhin als deutsch-italienische Antipoden gesehen, eint mehr, als der ersten Blick erahnen lässt. Dies gilt nicht nur für ihre Bedeutung für das kollektive Selbstbewusstsein der verspäteten Nationen Italien und Deutschland.

Ein ungleiches Duo

Wagner und Verdi, die bedeutendsten Musikdramatiker des 19.Jahrhunderts sind so lebendig wie nie. Sie hätten sich begegnen können, doch sie sind sich zeitlebens aus dem Weg gegangen.

"Überkam ihn gute Laune, dann konnte Wagner am Klavier Verdi recht amüsant parodieren. Wahrscheinlich so, wie dessen Melodien auf der Straße aus dem Leierkasten erklangen oder wie sie von Blaskapellen auf Plätzen und von Salonorchestern in Hotelhallen gespielt wurden. Mit solchen musikalischen Scherzen bereitete er seinen Bayreuther Freunden Vergnügen."

Auszug aus der Doppelbiografie: Wagner und Verdi – Zwei Europäer im 19. Jahrhundert von Eberhard Straub

Aber auch Wagner wurde zu Lebzeiten gerne parodiert. Das ist nur eine von vielen Gemeinsamkeiten, die Eberhard Straub in seiner Doppelbiographie betont. Straub nimmt den 200. Geburtstag beider zum Anlass, nicht erneut bekannte Gegensätze abzubilden, sondern dem nachzuspüren, was dieses ungleiche Duo verbindet. Wagner und Verdi lebten in derselben Epoche und sie kamen beide aus derselben europäischen Kultur. Beide besuchten ein humanistisches Gymnasium. Verdi kannte die komplette italienische klassische Literatur, von Dante bis Alfieri und Manzoni. Er war ein großer Kenner der spanischen und französischen Literatur und zudem, da er im nördlichen Italien in einer österreichischen Provinz aufwuchs, auch der süddeutschen.

Wagner wuchs, dank eines Onkels der Romanist war, mit der italienischen Literatur auf, las Dante, Ariost, Tasso und wählte für seine erste vollendete Oper „Die Feen“ Carlo Gozzi als Vorlage. Er kannte Italien, die italienische Sprache und die ganze italienische Opernliteratur.

Konkurrenten auf Entfernung

Wagner und Verdi bewunderten Shakespeare und Mozarts "Don Giovanni". Paris, das damalige Zentrum der kulturellen Welt, imponierte beiden und sie hatten ein gemeinsames Ziel vor Augen: nämlich statt der Nummernoper richtige musikalische Dramen zu schaffen. Verdi orientierte sich an der wirklichen Geschichte von Menschen, Wagner hingegen suchte das allgemein Menschliche im Mythos. Dennoch waren sie Konkurrenten.

"Wagner ist viel italienischer, als die germanische oder altdeutsche Maskerade vermuten lässt, und Verdi viel deutscher, als ihm selbst zuweilen lieb sein konnte."

Auszug aus der Doppelbiografie: Wagner und Verdi

In den einzelnen Kapiteln führt Eberhard Straub seine Leser in die Städte, die für Wagner und Verdi von Bedeutung waren. Mailand, wo der junge Verdi lebte. Leipzig, wo Wagner geboren wurde, dann die Stationen der großen Erfolge und auch Niederlagen. Paris, Wien, wo Verdi gefeiert und Wagner umstritten war, Bologna, Bayreuth, und schließlich Venedig. Eberhard Straub schreibt unterhaltsam, spannend und mit großer Sachkenntnis. Sein Anliegen, beide Komponisten als Europäer darzustellen, ist gelungen.

Buchinfo

Buchcover "Wagner und Verdi" von Eberhard Straub | Bild: Klett-cotta

"Wagner und Verdi:
Zwei Europäer im 19. Jahrhundert"

Autor: Eberhard Straub
352 Seiten , 24,95 Euro
ISBN-13: 9783608946123
Verlag: Klett-cotta





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