Jan Caeyers Beethoven, der einsame Revolutionär
Es gibt Komponisten, über die schon sehr viel geschrieben worden ist. Beethoven zählt gewiß dazu. Und doch wagt es der holländische Musikwissenschaftler und Dirigent Jan Caeyers eine neue Biografie herauszubringen.
Beethovens Taubheit als heimlicher Segen – der Gedanke ist nicht neu. Jan Caeyers aber gelingt es, Beethovens Gemütsschwankungen von tiefer Verzweiflung und trotzigem Aufbegehren so mit seinem durch das Schicksal aufgezwungenen Weg zum einsamen Revolutionär zu verbinden, dass ein spannungsgeladenes, aber stimmiges Gesamtbild entsteht. Lebendig und detailgetreu zeichnet Caeyers Beethoven als liebenswerten, aber verschrobenen Sonderling.
"Er trug in der Regel einen dunklen Mantel oder Überrock. dessen lange, ungeknöpfte Schöße sich nach außen schlugen und ihn beim Gehen um die Arme flatterten. Auch die Hutkrone war deformiert, weniger vom Regen als von Beethovens Angewohnheit, den Hut mit ausladend-theatralischer Gebärde auf die Spitze des Kleiderständers zu knallen – eine Nummer, die er auch im Kaffeehaus oder bei Bekannten zum Besten gab."
Jan Caeyers
Beethoven im historischen Umfeld
Auf rund 800 Seiten skizziert Caeyers Beethovens Leben als Weg eines Genies, das um seine Stellung als autonomer Künstler kämpft - dicht verwoben mit seinem Werk und eingebettet in den historischen Kontext. Schlaglichtartig entwirft der Autor das facettenreiche Bild einer Epoche turbulenter politischer Strömungen und gesellschaftlicher Umbrüche mit allen ihren Chancen und Zwängen. Dazwischen muss sich Beethoven positionieren - der allerdings bei den teilweise recht ausschweifenden Exkursen aus dem Fokus gerät. Trotzdem helfen diese historischen Schlenker dem Leser, Beethoven besser zu verstehen: seine Arbeitsbedingungen zu Beginn des öffentlichen Konzertlebens und seinen verbissenen Kampf mit den Verlegern in einer Zeit, zu der es noch keine Gema gab.
Kompendium und Korrektur
Das Buch ist eine unterhaltsame Lektüre, die trotzdem wissenschaftlichen Ansprüchen Genüge tut. Sie liefert zwar wenig neue Erkenntnisse, ist aber ein wunderbares Kompendium bisheriger Erkenntnisse über das Leben des Künstlers und lässt manches in einem neuen, richtigeren Licht erscheinen. Auch wenn der gewaltige Umfang des Buches viele Leser zunächst abschrecken mag - es lohnt sich!
Buch-Info
Jan Caeyers: Der einsame Revolutionär.
C.H. Beck im Februar 2012
832 Seiten (mit Notenbeispielen und Abbildungen)
Preis: 29,95 Euro

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