BR-KLASSIK

Bayreuther Festspiele 2013 Thema
Stand: 04.09.2013

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Bayreuths neuer "Ring"

Mit "Tannhäuser" gingen am 28. August 2013 die 102. Richard-Wagner-Festspiele zu Ende. Im Fokus aber stand heuer natürlich der neue "Ring", den Frank Castorf für die Jubiläumsfestspiele in Szene gesetzt hat. Doch seine Version von Richard Wagners Nibelungen-Sage stieß bei Publikum und Kritikern nicht auf allzu große Akzeptanz.

Insgesamt standen sieben Produktionen auf dem Spielplan: Neben dem "Holländer" und den vier Teilen der Ring-Tetralogie kamen der "Tannhäuser" sowie der "Lohengrin" zur Aufführung. Insgesamt gab es 30 Aufführungen im Festspielhaus.

Frank Castorf hat für die Jubiläumsfestspiele 2013 einen neuen "Ring" geschmiedet. Doch seine Version von Richard Wagners Nibelungen-Sage stieß bei Publikum und Kritikern auf eher mäßige Akzeptanz: Nach der Premiere der "Götterdämmerung" trat der Regisseur mit seinem Team erstmals vor den Vorhang - und erntete minutenlang lautstarke Buh-Rufe. Daraufhin provozierte Castorf das Publikum, indem er sie zu lauteren Rufen aufforderte und sich an die Stirn tippte. Gefeiert hingegen wurde Dirigent Kirill Petrenko, der in diesem Jahr auf dem Grünen Hügel ebenfalls sein Debüt gibt. Einige sprechen schon vom "Petrenko-Ring". BR-KLASSIK war bei allen vier Premieren des insgesamt 16-stündigen Mammutwerks live dabei.

Das "Rheingold" hat Castorf als unterhaltsames Gangster-Moovie in Texas auf einer Tankstelle an der Route 66 angesiedelt, die "Walküre" verlegt der Regisseur in Aserbaidschans ölreiche Hauptstadt Baku; "Siegfried" findet sich an einer Art sozialistischem Mount Rushmore sowie auf den Berliner Alexanderplatz zu DDR-Zeiten wieder und in der "Götterdämmerung" kommt es an New Yorks Wallstreet und in einer Kreuzberger Dönerbude zum Showdown. Der Intendant der Berliner Volksbühne staffiert den Göttervater Wotan als Mafioso aus, Siegfried schießt mit einer Kalaschnikow um sich und auf dem Alexanderplatz treten Krokodile auf. Diese Sichtweise konnte das Premierenpublikum in Bayreuths Festspielhaus sowie die Kritiker offensichtlich wenig überzeugen.

"Jahrhundert-Ring" oder "Jahres-Ring"?

Am 22. Mai 2013 jährte sich der Geburtstag des Komponisten und Gründers der Bayreuther Festspiele Richard Wagner zum 200. Mal. Grund genug, bei dieser Jubiläumsausgabe des Festivals einen neuen "Ring des Nibelungen" auf die Bühne zu bringen.

Nach langer Suche konnte schließlich der gebürtige Berliner Frank Castorf gewonnen werden, um die mächtige Tetralogie mit rund 16 Stunden Gesamtspielzeit zu stemmen. Und nicht nur die Inszenierung liegt in den Händen eines Debütanten auf dem Grünen Hügel, auch mit Kirill Petrenko, dem musikalischen Leiter des "Rings", steht ein Bayreuth-Neuling am Pult des Festspielorchesters.

Ob Regisseur Frank Castorf mit seiner Interpretation in die Nachfolge von Patrice Chéreau mit seinem "Jahrhundert-Ring" treten kann, bleibt eher abzuwarten. Wenn auch die Interpretation des Franzosen aus dem Jahr 1976 zunächst auf sehr verhaltene Zustimmung stieß ...

"Ich will keinen Jahrhundert-'Ring' präsentieren. Mir reicht ein Jahres-'Ring'."

Regisseur Frank Castorf

Eröffnung mit "Holländer"

Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Showbiz kamen am 25. Juli 2013 auf den Grünen Hügel, um bei der Eröffnung der 102. Richard-Wagner-Festspiele dabei zu sein. Allen voran Wagner-Fan Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck, außerdem das fast komplette Bayerische Kabinett. Zum Auftakt gab's erst einmal den "Fliegenden Holländer". Denn so will es die Tradition: Wenn es in Bayreuth eine Neuinszenierung der "Ring"-Tetralogie gibt, wird nicht etwa mit ihr, sondern mit der Wiederaufnahme einer älteren Produktion eröffnet.

Der "Fliegende Holländer" eröffnete - als Neuinszenierung - bereits auch die Bayreuther Festspiele 2012. Seit der Erstaufführung 1901 ist dies die zehnte Produktion des Werks auf dem Grünen Hügel. Musikalisch fand die Premiere des "Fliegenden Holländers" beim Publikum großen Anklang, und auch Einspringer Samuel Youn konnte überzeugen. Die Regie des Bayreuth-Neulings Jan Philipp Glogers ließ jedoch auch in diesem Jahr trotz Nachbesserungen Fragen offen.

Für die Wiederaufnahme 2013 hat der Regisseur seine Inszenierung überarbeitet. Der 1981 in Hagen geborene Gloger arbeitet seit 2007 als Schauspielregisseur unter anderem am Bayerischen Staatsschauspiel München, am Staatstheater Mainz sowie am Deutschen Theater Berlin. Seine erste Oper inszenierte er 2010 mit "Le Nozze di Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart in Augsburg.

Bei der Eröffnungsvorstellung dirigierte Christian Thielemann. Samuel Youn sang wieder die Rolle des Holländers. Er war schon 2012 kurzfristig für Evgeny Nikitin eingesprungen, der nach der Affäre um seine Tätowierungen mit NS-Motiven nicht auftrat. Neu ist die Rollen der Senta mit Ricarda Merbeth und die des Erik mit Tomislav Muzek besetzt.

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Wagner multimedial

Bayreuther Festspiele - Szenenfotos zur Wagner-Oper "Der Fliegende Holländer", 2012 | Bild: Bayreuhter Festspiele GmbH / Enrico Nawrath zum Video Wagner-Crashkurs "Der Fliegende Holländer"

Wegen einer Gotteslästerung ist der fliegende Holländer dazu verdammt, ruhelos die Meere zu befahren. Nur die Liebe einer treuen Frau kann ihn erlösen. (Inszenierung 2012. In Zusammenarbeit mit K. Neuschäfer und der Sendung Do Re Mikro) [mehr]


"Walküre" bei den Bayreuther Festspielen 2013 | Bild: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath zum Video Wagner-Crashkurs "Das Rheingold"

Das "Rheingold" ist der Vorabend zu Richard Wagners Bühnenfestspiel "Der Ring des Nibelungen". Unser multimedialer Opernführer entführt Sie in die Welt Alberichs, Wotans und der Rheintöchter. (in Zusammenarbeit mit K. Neuschaefer und der Sendung Do Re Mikro) [mehr]


"Die Walküre" 2013 bei den Bayreuther Festspielen | Bild: Bayreuhter Festspiele/Enrico Nawrath zum Video Wagner-Crashkurs "Die Walküre"

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"Siegfried" 2013 bei den Bayreuther Festspielen | Bild: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath zum Video Wagner-Crashkurs "Siegfried"

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Szene aus "Tannhäuser" bei den Bayreuther Festspielen | Bild: Bayreuther Festspiele/ Enrico Nawrath zum Video Wagner-Crashkurs "Tannhäuser"

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Bayreuther Festspiele - Szenenfotos zur Wagner-Oper "Lohengrin", 2011 | Bild: Bayreuther Festspiele GmbH / Enrico Nawrath zum Video Wagner-Crashkurs "Lohengrin"

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