BR-KLASSIK

Symphonieorchester in Wien Uraufführung von Pendereckis Doppelkonzert

"Ich bin wahnsinnig glücklich, dass die Bratschisten wieder ein großes bedeutendes Werk haben", freut sich Julian Rachlin. Er war Solist bei der Uraufführung des neuen Doppelkonzerts für Violine, Viola und Orchester von Krzysztof Penderecki. Zudem hat ihm der polnische Komponist sein Werk gewidmet.

Von: Susanna Felix Stand: 23.10.2012

"Beide Solostimmen sind wirklich absolut ebenbürtig komponiert, ich werde jetzt sagen mit einem kleinen Augenzwinkern: also die Bratschisten werden sich ziemlich anstrengen müssen, um das Werk technisch zu erlernen, es ist also genauso anspruchsvoll wie der Geigenpart. Penderecki ist für mich ein sehr tiefgründiger Komponist. Er komponiert nie oberflächlich und auch nie für den Effekt, um dem Publikum zu gefallen. Und es ist immer ein Gefühl von einer wirklichen durchlebten Reise. Oder von einem gelesenen großartigen Roman. Es ist Musik, die sehr bewegt. Es ist für mich immer ein großes Erlebnis, ein Werk von ihm zu hören, geschweige denn selber spielen zu dürfen," sagt Julian Rachlin. Mit dem Doppelkonzert für Violine, Viola und Orchester hat sich Penderecki einer Besetzung gewidmet, die in der Musikgeschichte nur selten anzutreffen ist.

"Man muss wirklich sehr aufpassen mit der Balance und dass man nicht ein Konzert für Geige schreibt mit Viola obligato, sondern wirklich zwei gleich wichtige Partien."

Krzysztof Penderecki

Das Werk ist eine Auftragskomposition der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiert. Anlässlich des Jubiläums brachte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks die Komposition am Montag, 22. Oktober, unter seinem Chefdirigenten Mariss Jansons im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins zur Uraufführung.  Am 15. und 16. November wird Mariss Jansons in München im Rahmen der Abo-Reihe B die deutsche Erstaufführung der Komposition dirigieren.

Regelmäßig ist das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Musikstadt Wien zu Gast. Bereits am Sonntag hatte es unter Mariss Jansons die Österreichische Erstaufführung von Rodion Schtschdrins "Selbstportrait" aus dem Jahr 1984 gespielt. Außerdem war das erste Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester von Dmitrij Schostakowitsch sowie die Vierte Symphonie von Johannes Brahms auf dem Programm gestanden.

Die Uraufführung von Pendereckis Werk wurde mit Spannung erwartet. Solistin an der Violine war die niederländische Geigerin Janine Jansen. Zusammen mit Julian Rachlin spielte sie bereits 2009 die Uraufführung von Pendereckis "Ciaccona" (in memoriam Giovanni Paolo II, Transkiption für Violine und Viola). "Sie ist eine wunderbare Geigerin. Und ich freue mich, dass die beiden mein Stück uraufführen werden", so Krzysztof Penderecki.

Eine lange Freundschaft und künstlerische Zusammenarbeit verbindet Penderecki auch mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das bereits seine Symphonie Nr. 7 ("Die sieben Tore von Jerusalem") 1997 uraufführte. Dass Mariss Jansons die Uraufführung seines Doppelkonzerts dirigierte, freute Penderecki besonders.

"Er ist ein wunderbarer Musiker, ich kenne ihn seit mindestens 30 Jahren. Es ist auch eine sehr lange Freundschaft. Er versteht die Musik, und ich liebe und schätze solche Dirigenten, mit denen man nicht arbeiten muss. Da kommt jemand, der alles versteht und interpretiert. Natürlich kann er seine eigene Interpretation haben. Ich verlange nicht, dass jede Note so dirigiert wird, wie ich das möchte."

Krzysztof Penderecki über Mariss Jansons 

Auch für die Musiker des Symphonieorchesters war die Uraufführung von Pendereckis Doppelkonzert in Wien etwas Besonderes. Anton Barachovsky, Konzertmeister des Symphonieorchesters, freute sich darauf, das neue Werk mit aufzuführen: "Ich finde, das ist ein sehr schönes Werk, sagen wir: ein tonales Werk. Häufig wird heutzutage nicht mehr komponiert, sondern konstruiert. Dieses Stück ist was Besonderes, das ist wirklich ein musikalisches Opus. Und wir müssen darauf achten, dass wir sehr schöne Farbe erzeugen, um eine bestimmte Atmosphäre zu erreichen."


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