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Mariss Jansons Dem Maestro zum 70. Geburtstag

Mariss Jansons trat 2003 die Leitung von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks an und setzte die prominente Reihe der Chefdirigenten fort. Am 14. Januar feierte der Maestro seinen 70. Geburtstag. BR-KLASSIK feiert dieses Jubiläum mit zahlreichen Sondersendungen.

Stand: 14.01.2013

Am 14. Januar feierte Pultstar Mariss Jansons seinen 70. Geburtstag. Jansons, 1943 in Riga als Sohn eines Dirigenten geboren, wurde bei Hans Swarowsky und Herbert von Karajan ausgebildet, als Assistent von Jewgenij Mrawinskij bei den Leningrader Philharmonikern nachhaltig geprägt.

BR-KLASSIK gratuliert

BR-KLASSIK eröffnet den Gratulationsreigen am 12. Januar mit einer aktuellen Ausgabe von "Meine Musik" (11.05 Uhr), tags darauf wird Jansons in der Symhonischen Matinée (10.05 Uhr) sowie in der "Geistlichen Musik" (22.05 Uhr) als Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gewürdigt. Am 14. Januar, Jansons 70. Geburtstag, ist er dann in der "Philharmonie" (10.05 Uhr) am Pult ihm eng verbundener Spitzenorchester zu erleben, am Abend (19.05 Uhr) ist dem Jubilar ein umfassendes Porträt von Bernhard Neuhoff gewidmet. Auch BR-alpha und das Bayerische Fernsehen zeigen am 13. Januar Konzertmitschnitte mit Maestro Jansons am Pult sowie am 14. Januar die Erstausstrahlung des Filmporträts "'Die Musik hat immer recht' - Der Dirigent Mariss Jansons".

Mariss Jansons trat als Wunschkandidat aller Musiker 2003 ans Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Damit setzte wieder ein Großer seiner Zunft die prominente Reihe der Chefdirigenten fort und führt das Orchester weiter weltweit zu Erfolgen. Den sehr speziellen warmen Klang des Orchesters formte Rafael Kubelík, Lorin Maazel schulte es in technischer Präzision und Mariss Jansons lässt nun beide Komponenten miteinander verschmelzen und hebt die klangliche Identität auf eine neue Ebene. Durch ihn ist das Orchester noch einmal über sich hinausgewachsen.

"Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist nicht nur brilliant - es hat keinerlei Schwächen. Die Musiker sind ungeheuer enthusiastisch und spontan, sie spielen jedes Konzert so, als wäre es ihr letztes. Sie geben alles, mehr als 100 Prozent. Für mich als Dirigent ist es so, als würde ich einen Rolls-Royce fahren. Dieses Orchester kann einfach alles."

Mariss Jansons

Der lettische Dirigent ist stark geprägt vom emotionalen russischen Musizierstil, voller Hingabe in der Kunst - persönlich hingegen bescheiden und fernab von Starallüren. Die Musiker sind von ihm begeistert: "Mariss Jansons ist für mich ein Phänomen: Er dirigiert schon so lange, aber am Pult brennt er vor Leidenschaft wie am ersten Tag. Jansons ist ein tiefernster Musiker, der es schafft, dass bei ihm immer der Funke überspringt", schwärmt der Geiger Wolfgang Gieron.

Anerkennungen

Zusammen mit Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks vervollständigte Jansons mit einer ganzen Reihe von Aufnahmen seine Gesamteinspielung der Schostakowitsch-Symphonien. Darunter die Nr. 13, die 2006 mit dem Grammy in der Kategorie "Beste Orchesterdarbietung" ausgezeichnet wurde, dem "Oscar" dieses Genres. 2007 erhielt er den "Europäischen Dirigentenpreis" und ein Jahr später platzierte eine Umfrage der Musikzeitschrift "Gramophone" die beiden von Mariss Jansons geleiteten Klangkörper unter die zehn besten Orchester der Welt: das Concertgebouworkest in Amsterdam auf Platz 1 und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auf Platz 6.

"Für die Klassikliebhaber in Bayern und der ganzen Welt sind Sie ein Geschenk des Himmels. Es ist Ihnen gelungen, den von jeher guten Ruf von Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks noch weiter zu steigern. Dafür danke ich Ihnen und wünsche Ihnen Gesundheit, Zufriedenheit und viele weitere gemeinsame Jahre mit den Klangkörpern des Bayerischen Rundfunks."

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks

Besondere Höhepunkte

Mit langen Konzertreisen führt Jansons das Orchester durch nahezu alle europäischen Länder, nach Asien sowie Nord- und Südamerika. Zur Eröffnung der Fußball-WM 2006 in München beteiligte er sich an dem großen Event mit Plácido Domingo, Lang Lang und den drei Münchner Spitzenorchestern, die unter ihren Chefdirigenten im Olympiastadion spielten. Jansons ist sehr daran gelegen, auf diese Weise für die klassische Musik zu werben. Ein besonderes Erlebnis war 2007 ein Gastspiel mit Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks vor Papst Benedikt XVI. im Vatikan mit Beethovens Neunter Symphonie.

Mariss Jansons und der Chor des BR

Zu den konzertanten Meilensteinen mit Chor und Symphonieorchester des BR zählen weiterhin die Aufführungen der Requien von Verdi, Mozart und Dvořák, Stravinskys Psalmensinfonie, Poulencs Stabat Mater und Leonard Bernsteins Chichester Psalms. Im Karajan-Gedenkjahr führte der Karajan-Schüler Brahms’ Deutsches Requiem auf, eines der Lieblingswerke Karajans; dieses Konzert wurde von der Presse als überragendes Klangereignis gefeiert. Im Dezember 2012 fand für den Chor Dank Maestro Jansons das Japandebut mit umjubelten Konzerten in Tokio und Yokohama statt. Im Frühjahr 2013 gelangt Brittens monumentales War Requiem in München und Luzern zur Aufführung.

Denkwürdige Konzerterlebnisse durfte der Chor mit seinem Chef auch außerhalb des Bayerischen Rundfunks erleben mit Aufführungen des Verdi-Requiems mit den Berliner Philharmonikern in Berlin und bei den Salzburger Festspielen erleben sowie einer Aufführung von Mahlers 8. Symphonie mit dem Concertgebouw Orkest in Amsterdam.

Stationen eines Traumberufs

Mariss Jansons kam 1943 in der lettischen Hauptstadt Riga zu Welt. Sein Vater Arvid war ein bekannter Dirigent und die Mutter Erhaida Sängerin. Sein Zuhause war das Opernhaus, wo die Eltern arbeiteten. Schon als Dreijähriger kannte er die Ballette und Opern auswendig. Er arrangierte Knöpfe, denen er verschiedene Orchester-Rollen zuwies, und spielte anschließend Dirigieren. Sein Vater unterstützte ihn später dabei, seinen Berufswunsch Dirigent zu verwirklichen.

Die Familie zog bald nach Leningrad, wo sein Vater eine Stelle bei den Leningrader Philharmonikern hatte. Dort studierte Jansons Violine, Klavier und Orchesterleitung. Dank eines Austauschprogramms schlüpfte er 1969 durch den Eisernen Vorhang und kam nach Wien. "Es war, wie wenn ich ins Paradies gekommen wäre", sagt Jansons. Er sog in der Musikstadt an Kunst und Kultur auf, was ihm in seiner Heimat nicht geboten war.

Perfektionieren der Kunst

An der Wiener Musikhochschule studierte er bei Hans Swarowsky. Bald holte Herbert von Karajan das junge Talent zu sich und förderte es. Besonders prägend war jedoch Jansons' Lehrer in der Heimat: Jewgenij Mrawinskij, die größte Dirigentenlegende der Sowjetunion.

Als Mrawinskijs Assistent startete Jansons 1971 die Dirigentenkarriere bei den Leningrader - später St. Petersburger - Philharmonikern. Zeitgleich bekam er eine Professur für Dirigieren am Leningrader Konservatorium. 1979 erreichte ihn der Ruf nach Oslo, seiner ersten festen Station im Westen. In den folgenden 21 Jahren baute er das Osloer Symphonieorchester auf und formte es zu einem internationalen Spitzenorchester. 1997 trat er zusätzlich die Nachfolge Lorin Maazels beim Pittsburgh Symphony Orchestra an.

Väterlicher Chef

Abermals übernahm er Maazels Position, als er zum Chefdirigenten von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks 2003 ernannt wurde. Zusätzlich zu dieser Aufgabe leitet er seit 2004 das Concertgebouworkest in Amsterdam. Die Sorge der Münchner um zu wenig Zuwendung konnte Jansons zerstreuen. Er arbeitet 200-prozentig und kümmere sich wie ein Vater, der seine beiden Söhne liebe. Damit führt er zwei Spitzenorchester, die nach Kritikermeinung ganz vorn in der Weltliga spielen.

Mariss Jansons arbeitete als Gastdirigent mit vielen bedeutenden Orchestern der Welt zusammen. 2006 dirigierte er erstmals das berühmte Wiener Neujahrskonzert. In Japan, wo er regelmäßig auftritt, wird er auch von jungen Leuten gefeiert wie ein Popstar.

Musik für junge Leute

Linktipps

Erfahren Sie mehr über das Jugendprogramm des Symphonieorchestsers und die BR-Orchesterakademie:

Junge Menschen an die klassische Musik heranzuführen, dafür setzt sich Jansons mit viel Engagement ein. Damit sind nicht nur die jungen Musiktalente gemeint, die in der Orchesterakademie des Bayerischen Rundfunks auf den Beruf eines Orchestermusikers vorbereitet werden. Vielmehr sollen Kinder und Jugendliche Gelegenheit bekommen, jenseits von Frack und grauen Haaren, die "Musik zunächst fühlen, dann lieben und danach verstehen zu lernen", so Jansons. Mit Sorge nimmt er eine zunehmende materielle Einstellung in unserer Gesellschaft wahr. Diese verhindere eine geistige Entwicklung durch Kunst und Musik, die jedoch einen wesentlichen Teil des Menschseins ausmache.

Ausblick

Nicht nur unter Kennern herrscht die Meinung, Mariss Jansons stünde zusammen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bereits ganz oben. Allein dieses Niveau zu halten, löst natürlich Druck aus. Eine Lösung sieht der Dirigent darin, stets das Repertoire zu erweitern. Daher werden demnächst bislang wenig beachtete Werke französischer Impressionisten sowie Zeitgenössisches auf dem Programm stehen. Und was den Chefdirigenten schon seit Jahren umtreibt: ein eigener Konzertsaal, der akustisch deutlich besser gegenüber den anderen Münchner Sälen ist und dem Orchester endlich ein Zuhause bietet.

2011 hat Mariss Jansons seinen Vertrag zum dritten Mal, nun bis zum 31. August 2015, verlängert.


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