BR-KLASSIK

Wolfgang Amadeus Mozart Streichquartett KV 590

Als Wolfgang Amadé Mozart am 4. Juni 1789 von einer zweimonatigen Reise nach Wien zurückkehrt, da macht er sich unversehens daran, eine Serie von sechs Streichquartetten zu komponieren. Das Streichquartett F-Dur KV 590 bleibt Mozarts letztes Werk für diese Besetzung. Andreas Grabner stellt es mit Günter Pichler, dem ehemaligen Primarius des Alban Berg Quartetts, vor.

Autor: Andreas Grabner Stand: 21.01.2012

Das erste in der Reihe erhält in Mozarts "Verzeichnüß aller meiner Werke" den Zusatz "für seine Majestät, dem (sic!) König von Preußen". Ob der cellospielende Friedrich Wilhelm II. Mozart einen verbindlichen Kompositionauftrag erteilt hatte? Wohl kaum. Tatsache ist jedenfalls, dass Mozarts schöpferischer Eifer relativ schnell erlahmt oder vielleicht auch einfach nur von der Oper "Cosi fan tutte" in Beschlag genommen wird.

Ein Jahr später, im Juni 1790, vollendet der Komponist erst das dritte der sogenannten "Preußischen" Quartette, und da scheint sich die ganze Sache auch schon endgültig zerschlagen zu haben - wie so vieles in Mozarts letzten Lebensjahren.

Brief an die geliebte Frau

"Wenn die Leute in mein Herz sehen könnten, so müsste ich mich fast schämen. Es ist alles kalt für mich - eiskalt. Ja, wenn du bei mir wärest, da würde ich vielleicht an dem artigen Betragen der leute gegen mich mehr vergnügen finden, so ist es aber so leer ..."

(Wolfgang Amadeus Mozart)

Dies schreibt Mozart am 30. September 1790 aus Frankfurt am Main an seine Frau Constanze. Ja, da ist etwas wie Eis in diesem Anfang von Mozarts letztem Streichquartett: Keine der himmelsfliegenden Melodien, an denen es dem Komponisten zeit seines Lebens eigentlich ja nie gemangelt hatte, stattdessen eine karge Tonfolge, der irgendwie das innere Zentrum zu fehlen scheint.

Einen "der sensitivsten Sätz der ganzen Kammermusikliteratur" hat der große Mozart-Schriftsteller Alfred Einstein das Andante, den zweiten Satz des Quartetts, einmal genannt.

"Wie ein selig-wehmütiger Abschied vom Leben. Wie schön war es! Wie enttäuschend! Wie kurz!"

(Alfred Einstein)

In diese Musik ist der Daseinsschmerz so als etwas Selbstverständliches hineingewoben, daß er sich immer wieder in rätselhafte, unergründliche Schönheit hüllen darf. Nur dann und wann ein kurzes Hochschrecken - als wache jemand aus einem süß-seltsamen Traum auf, um festzustellen, daß er ganz alleine sei.

Musik-Info

Wolfgang Amadeus Mozart: 3. Preußisches Quartett
Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello F-Dur, KV 590
Alban Berg Quartett
Label: ANGEL