Zimmermanns Oper "Die Soldaten" in Salzburg Sittengemälde vom Untergang einer Epoche
Steil bergab führt der Weg der Kaufmannstochter Marie, die sich mit Soldaten einlässt, und endet in der Prostitution. Mit Bernd Alois Zimmermanns Oper "Die Soldaten" bringen die Salzburger Festspiele einen Klassiker der Moderne auf die Bühne, der mehr als nur den persönlichen Niedergang einer jungen Frau darstellt.
Die fatale Geschichte um die Kaufmannstochter Marie erzählt zugleich den Untergang einer ganzen Epoche. Obwohl Zimmermanns Oper auf einem Theaterstück von 1776 basiert, wählte der lettische Regisseur Alvis Hermanis für seine Inszenierung den Schauplatz des beginnenden 20. Jahrhunderts. Das ist durchaus durchdacht.
"Ich gehöre nun mal zu denjenigen, die den Höhepunkt der europäischen Zivilisation gegen Ende des 19. Jahrhunderts ansetzen. Alles, was danach kam, war Niedergang und Dekadenz."
Alvis Hermanis, Regisseur
Sprung in die Zeit des Ersten Weltkriegs
Die Felsenreitschule: ein Heerlager irgendwann zwischen 1914 und 1918 in Flandern. Eine von herabgekommener Soldateska bevölkerte Spielfläche, die zugleich auch alles andere ist: Schlafgemach, Offizierskasino, bürgerliches Wohnzimmer und Stallung – sogar mit echten Pferden, die im Hintergrund gemächlich und sehr authentisch ihre Kreise ziehen.
Musikalisch höchste Anforderungen
Der musikalische Aufwand für Zimmermanns Oper "Die Soldaten" ist gewaltig. Das 100-köpfige Riesenorchester gleicht irgendwie einem Heerlager, das bis auf die seitlichen Emporen der Felsenreitschule hinauswächst. Dazu gehört auch ein immenses Schlagwerkaufgebot, eine Jazzkombo sowie eine Bühnenmusik direkt unterm Dach der Felsenreitschule. Die Sängerrollen sind - unter anderem mit Laura Aikin, Tomasz Koniecny oder Gabriela Benackova - prominent besetzt. Mit der Erarbeitung der Oper erfüllt sich Dirigent Ingo Metzmacher einen langgehegten Wunsch.
"Gerade dieser Zusammenhang zwischen einer scheinbar hochkomplizierten modernen Musik und der hohen Espressivität, die darin steckt, die hat mich immer sehr gereizt."
Ingo Metzmacher, Dirigent
Zimmermanns Oper ist ein musikalisch und szenisch gewaltiges Sittengemälde. Marie treibt ihrem Untergang entgegen - genau wie die Männer, die sie benutzen. Es bleibt kein Platz für Liebe oder komfortablen Festspielschmaus. Dafür ist ein Werk zu erleben, dass so auch nur bei Festspielen realisierbar scheint.

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