Bayreuther Festspiele Blick in die kritische Vergangenheit
"Verstummte Stimmen" gab es in Deutschland und Österreich nach 1933 auf vielen Opern- und Konzertbühnen, in Orchestergräben, in Funk und Film. Im Focus - damals wie heute - steht dabei das deutsche "Kultur-Mekka Bayreuth": Weltklasse-Stimmen wie die von Emanuel List oder Alexander Kipnis waren nicht mehr zu hören.
Nach den über zehn Jahre zurückliegenden Tagungen zu "Wagner und die Juden" sowie "Wagner und das Dritte Reich" ging es diesmal um: "Die Bayreuther Festspiele und die 'Juden' 1876 bis 1945", um den dort zutage tretenden Antisemitismus – und damit natürlich wieder um die Frage, ob nicht von Richard Wagners fürchterlichem Pamphlet über "Das Judentum in der Musik" von 1850 und 1869 der Weg direkt in Hitlers Vernichtungslager führte.
Die von Organisator Hannes Hehr mit hochrangigen Geistes- und Sozialwissenschaftlern besetzte Tagung suchte zunächst nach Ursprüngen des im 19. Jahrhundert so virulenten Antisemitismus. Erschreckenderweise wies Werner Bergmann klare Abgrenzungs- und Vertreibungsphantasien als bereits im 18. Jahrhundert etabliert nach. "Opernwelt"-Spezialist Stephan Mösch begann die fatale Reihe von antisemitisch attackierten Künstlern mit dem "Parsifal"-Dirigenten Hermann Levi. Hannes Heer spannte mit beispielhaften Künstler-Biographien den Bogen bis in die NS-Zeit weiter. Insgesamt eine Tagung als Markstein. Denn auch die Bundesrepublik ist heute nicht frei von diesem Gedankengut wie Uwe Puschner zeigte. Er zog Linien in neuere esoterische Strömungen, ins "Neuheidentum" mit dem T-Shirt "Odin statt Jesus" – und auch in Gruppen des modernen Rechtextremismus.
Zu all dem wird ab 22. Juli 2012 und während der ganzen Festspielzeit eine Installation unterhalb des Bayreuther Festspielhauses und eine Ausstellung im Rathaus Ergänzendes liefern.

Wetter

