BR-KLASSIK - Leporello


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Trauer um Rudolf Kehrer Der Pianist Rudolf Kehrer ist tot

Wie aus Familienkreisen bekannt wurde, verstarb Rudolf Kehrer am Dienstag, 29. Oktober, im Alter von 90 Jahren. Der gebürtige Georgier galt als herausragender Pianist, der im Westen erst spät bekannt wurde. Die Sowjetunion verweigerte ihm lange die Ausreise.

Stand: 30.10.2013
Klaviertastatur mit Trauerflor | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Geboren wurde Rudolf Kehrer in Tiflis am 10. Juli 1923. Seine Vorfahren stammten aus Deutschland.

"Musik hat mich mein Leben lang verfolgt. Im guten Sinne des Wortes."

Rudolf Kehrer

Bereits als kleiner Junge begann Rudolf Kehrer mit Klavierspielen. Er war hochbegabt und konnte mit 14 Jahren schon fast alle Chopin-Etüden spielen. Doch im Rahmen der Russifizierungs-Maßnahmen wurden mehr als eine halbe Million Menschen deportiert - darunter auch die Familie von Rudolf Kehrer.

Jahrelang ohne "echte" Musik

Verbannt nach Kasachstan, musste er auf einer Baumwollplantage arbeiten. Statt auf einem Klavier übte er in der Vorstellung hörend auf einem Brett, auf das er Klaviertasten malte. Über 13 Jahre verbrachte Rudolf Kehrer ohne "echte" Musik. Als die restriktiven Bestimmungen der Sowjet-Regierung gelockert wurden, konnte er mit einem Klavierstudium beginnen. Seine Karriere startete er als Gewinner eines Klavierwettbewerbs, wurde Solopianist der Moskauer Philharmonie und Professor am Tschaikowski-Konservatorium. Bekannt blieb Kehrer lange nur in den Ostblock-Ländern, da ihm die Regierung Reisen in den Westen aus Angst, er könne dort bleiben, verweigerte.

Späte Anerkennung im Westen

In den späten 1980er-Jahren durfte Rudolf Kehrer schließlich doch in den Westen. Dort übernahm er in Wien eine Gastprofessur. In fortgeschrittenem Alter erlangte er auf diese Weise doch noch internationale Anerkennung.

Programmänderung

Anlässlich des Todes von Rudolf Kehrer ändert BR-KLASSIK am 31.10.2013 sein Programm: In "Pour le piano" um 15.05 Uhr läuft eine Jubiläumssendung mit Rudolf Kehrer vom 22. November 2008. Die vorgesehene "Pour le piano"-Ausgabe mit Robert Casadesus entfällt.


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