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Münchener Biennale "Wir möchten das Festival in der Stadt stärker erden"

Am Donnerstag präsentierte der künstlerische Leiter der Münchener Biennale, Peter Ruzicka, das Programm für 2012. Neben drei Opern-Uraufführungen wurden auch zahlreiche Neuerungen vorgestellt.

Autor: Frank Schwarz Stand: 24.11.2011

Sichtlich entspannt eröffnete Peter Ruzicka die Pressekonferenz zur 13. Ausgabe der Münchener Biennale. 90 Prozent der Partituren seien schon fertig, so der künstlerische Leiter. "Dies ist ein Novum." Bei den letzten Biennalen seien manche Parituren erst kurz vor dem Festival fertiggestellt worden. Als Motto hat sich Ruzicka für "Der ferne Klang" entschieden. Damit möchte er an Franz Schrekers gleichnamige Oper erinnern, die 1912 in Frankfurt am Main uraufgeführt wurde.

Gemeinsamer Nenner

Das Motto bilde nicht nur den gemeinsamen Nenner der drei Opern-Uraufführungen, es weise auch auf die geschichtliche Linie hin, in der sich die Biennale als Festival für neues Musiktheater sehe, so Ruzicka.

"Der ferne Klang. Das ist für jeden Komponisten ein Aufbruch zu neuen Bildern und Klängen, die er so noch nicht gehört hat."

Peter Ruzicka über das Motto

Drei Opern-Uraufführungen im Fokus

Stellte ihre Oper "L'absence" bei der Pressekonferenz in München vor: Die Komponistin Sarah Nemtsov.

Im Mittelpunkt stehen bei der kommenden Biennale drei Musiktheater-Uraufführungen. Peter Ruzicka sagte, alle diese Produktionen würden die "Geschichte eines existenziellen Verlustes und den Versuch seiner Überwindung" thematisieren.

Die 1980 in Oldenburg geborene Komponistin Sarah Nemtsov eröffnet mit ihrer Oper "L'absence" am 3. Mai das Festival. Das Libretto basiert auf dem "Buch der Fragen" von Edmond Jabès und handelt von einem Paar, das den Holocaust überstand.

Münchener Biennale

Das Internationale Festival für neues Musiktheater wurde 1988 von Hans Werner Henze ins Leben gerufen. Seitdem kamen dort etwa 85 Musiktheaterwerke zur Uraufführung. Im kommenden Jahr wird die 13. Ausgabe vom 3. bis 19. Mai veranstaltet. 2014 wird Peter Ruzicka die Biennale zum letzten Mal betreuen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Eunyoung Kim war eigens für die Pressekonferenz aus Korea angereist und sprach kurz über ihr Werk "Mama Dolorosa". Es nimmt Bezug auf das heutige Korea, in dem Traditionen auf eine moderne Lebenswelt treffen. Kim portraitiert darin eine Mutter, deren einziger Sohn sich nicht zur "erhofften Lichtgestalt" entwickelt, sondern in die Kriminalität abdriftet. Die 1973 in Seoul geborene Komponistin verwende darin koreanische Musik, aber verfremde sie vor allem, so Kim.

Komponiert derzeit noch an seiner Oper "Wasser": Der 1968 in Heidelberg geborene Arnulf Herrmann

Auch Arnulf Herrmann, der Komponist der dritten Uraufführung, präsentierte seine Oper persönlich. In "Wasser" benutze er aber weder Lautmalereien, noch sei Wasserplätschern zu hören. Es gehe ihm mehr um die Verschränkung von szenischen und musikalischen Elementen. So stellt er die Gedanken eines verwirrten Mannes dar, indem er die dazugehörige Musik von einer Schallplatte abspielen lässt. Das Besondere daran: Herrmann lässt die Vinylscheibe nicht um ihren Mittelpunkt drehen - die Musik "eiert".

Neue Vermittlungsformate und "Biennale Special"

Das Rahmenprogramm zur Biennale 2012 sei das "reichhaltigste ever", so Peter Ruzicka. Dazu zählen etwa "Biennale extra" oder Projekte, die München als Zentrum für neues Musiktheater präsentieren wollen. Bei "Biennale special" sei das zentrale Anliegen des Münchner Kulturreferats, so Stadtdirektor Anton Biebl, Zusammenarbeit, Vernetzung und Nachhaltigkeit der lokalen Kulturszene zu fördern.

"Die erste Neuigkeit ist das Format 'Biennale Special', wo sich wichtige Münchner Musikschaffende des zeitgenössischen Musiktheaters vorstellen und ihre Werke präsentieren können."

Stadtdirektor Anton Biebl, der den an Grippe erkrankten Kulturreferenten Hans-Georg Küppers vertrat.

Der Münchner Klarinettist Heinz Friedl koordiniert das Projekt "Musik zum Anfassen"

Zu "Biennale Special" gehört neben der Kompositionsreihe "Nucleus", der Video-Oper "mystery - mach dir kein bild" von Helga Pogatschar auch "Musik zum Anfassen", eines der Lieblingsprojekte von Peter Ruzicka. Hier erarbeiten 90 Kinder aus zwei Münchner Schulen ein eigenes Musiktheaterstück. Außerdem veranstaltet die Münchner Volkshochschule zwei "Biennale-Werkstätten" zu Uraufführungsprojekten, in denen Interessierte Einblicke in den Entstehungsprozess einer Oper gewinnen können.

Konzerte

Neben dem Münchener Kammerorchester und den Münchner Philharmonikern gibt auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von George Benjamin ein Konzert. Auf dem Programm stehen dann Werke von Ligeti, Messiaen und die Uraufführung eines Klavierkonzerts von Tristan Murail. Solist ist Pierre-Laurent Aimard.

Uraufführungen bei der Münchener Biennale 2012 (Auszug)

Opern

  • 3. Mai 2012: Sarah Nemtsov - "L'absence", Oper in 5 Akten nach dem Buch der Fragen von Edmond Jabès für 12 SängerInnen, Sprecher, Tänzerin und Orchester
  • 5. Mai 2012: Eunyoung Kim - "Mama Dolorosa", Musiktheater in 6 Szenen
  • 16. Mai 2012: Arnulf Herrmann - "Wasser", Oper in 13 Szenen

Biennale Special

  • 12. Mai 2012: Musik zum Anfassen - Münchner SchülerInnen der Mittelschule Walliserstraße und des Heinrich-Heine-Gymnasiums spielen ein selbst gestaltetes und komponiertes Musiktheaterstück

Konzert der musica viva

  • 4. Mai 2012: Tristan Murail - Concerto pour piano, Klavier: Pierre-Laurent Aimard, George Benjamin dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

(ohne Gewähr)