Franz Lehrndorfer Langjähriger Organist des Münchner Doms gestorben
Viele Musikfans reisten nach München, um Franz Lehrndorfer einmal an der Orgel improvisieren zu hören. Am 10. Januar ist der Kirchenmusiker im Alter von 84 Jahren in einer Münchner Klinik gestorben.
Noch im August vergangenen Jahres, kurz nach seinem 84. Geburtstag, hatte Franz Lehrndorfer in der Münchner St.-Bonifaz-Kirche ein Konzert gegeben – und dabei selbstverständlich auch trefflich improvisiert. Denn das war, neben seinem weitgefächerten Repertoire an Orgelliteratur, zweifellos sein Markenzeichen.
Ein Markenzeichen, das ihn weit über bayerische Grenzen berühmt machte. Genauer gesagt: Franz Lehrndorfer war eine Institution, und nicht wenige pilgerten zu ihm nach München, um entweder als Hörer oder gar als Schüler dem Faszinosum der Improvisation auf die Spur zu kommen. Er selbst freilich kommentierte diese Gabe stets mit der ihm eigenen Bescheidenheit:
"Das kann ich nicht sagen, ob ch der geborene Improvisator bin. Aber, mich hat das immer schon gereizt in meiner Jugendzeit, in meiner Gymnasialzeit. Anlass war eigentlich, so eigenartig das klingt, das Choralvorspiel 'Wachet auf' von Johann Sebastian Bach."
Franz Lehrndorfer
Das unvorhersehbar Spontane
Ob in freier Gestaltung, über gegebene Themen beispielsweise aus dem Volkslied-Bereich, wenn sich Franz Lehrndorfer zum Improvisieren anschickte, wusste man, dass er hier ganz in seinem Element war - vor allem, was die immer neue Herausforderung des echten "improviso", des unvorhersehbar Spontanen, betrifft.
"Man kann natürlich eine harte Arbeit daraus machen. Es wird behauptet, dass ein berühmter französischer Organist am Tag bis zu sechs Stunden Improvisation geübt hat, das habe ich nicht gemacht."
Franz Lehrndorfer
Geboren 1928 in Salzburg, wuchs Franz Lehrndorfer in Kempten auf, wo er seinen ersten Musikunterricht vom eigenen Vater erhielt. Bereits im Alter von neun Jahren spielte er in der heimischen Kirchengemeinde die Orgel und studierte von 1948 bis 1951 katholische Kirchenmusik in München.
Leiter der Abteilung für katholische Kirchenmusik
Nach einem anschließenden Meisterklassendiplom für Orgel ging er zunächst als Musikpädagoge zu den Regensburger Domspatzen. 1962 dann folgte der Ruf an die Münchner Hochschule für Musik und Theater, wo Lehrndorfer bis 1993 die Leitung der Abteilung für katholische Kirchenmusik innehatte.
Sondersendung am 15. Januar
Am Dienstag, 15. Januar, sendet BR-KLASSIK um 19.05 Uhr zum Tod von Franz Lehrndorfer ein Gespräch mit Matthias Keller und dem Kirchenmusiker.
Nachdem er selbst 1957 den 1. Preis im Fach Orgel beim ARD-Wettbewerb errungen hatte, gehörten später auch einige seiner Schüler zu ARD-Preisträgern, darunter Gerhard Weinberger, Klemens Schnorr und Edgar Krapp. Als Orgel-Pädagoge kommt Franz Lehrndorfer vor allem das Verdienst zu, die Musik Johann Sebastian Bachs auch in der bayerisch-katholischen Tradition "salon"- beziehungsweise kirchenfähig gemacht zu haben. Und zwar mit derselben Urtext-kritischen Haltung, mit der er sich etwa auch dem Werk Max Regers widmete.
Organist am Münchner Liebfrauendom
Von 1969 an hatte Lehrndorfer auch das Organistenamt am Münchner Liebfrauendom inne - eine Tätigkeit, die leider im Oktober 2002 ein jähes Ende fand, als der Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse und der Ehrendoktorwürde am päpstlichen heiligen Stuhl in Rom aus eigenen Stücken seinen Hut nahm.
Voraus gegangen war ein monatelanger musikalischer Zwist, in dem man ihm - ähnlich wie seinerzeit Johann Sebastian Bach - vorhielt, liturgisch unpassend zu musizieren und die Gemeinde zu begleiten. Ein Eklat, von dem sich Lehrndorfer die letzten Jahre seines Lebens nie mehr so recht erholen sollte. Er, dessen Medium das Wort nicht war - wohl aber das der Musik.

Wetter
