BR-KLASSIK - Leporello

Berliner Tanzszene Nacho Duato wird neuer Ballettchef

In der Berliner Ballettszene brodelt es: Erst sagte der Staatsballetts-Chef Vladimir Malakhov der Bundeshauptstadt ade, dann wollte auch die Choreographin Sasha Waltz Berlin verlassen. Nun erklärte der Bürgermeister Klaus Wowereit die Tanzkrise zur Chefsache und stellte Malakhovs Nachfolger Nacho Duato vor.

Stand: 07.02.2013
Nacho Duato | Bild: picture-alliance/dpa

Der Nachfolger für den Berliner Staatsballett-Intendanten Vladimir Malakhov steht fest: Der spanische Tänzer Nacho Duato wird ab August 2014 neuer Intendant und Chefchoreograph des Staatsballetts Berlin. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit stellte Duato am Donnerstag im Roten Rathaus offiziell der Öffentlichkeit vor.

"Ich fühle, es ist der richtige Moment, um nach Berlin zu kommen"

Nacho Duato

Klassische Balletttradition für Berlin

Duato gilt als ein Vertreter der klassischen Moderne innerhalb der Ballettwelt. Zur Zeit leitet der Spanier das Ballett des Michailowsky-Theaters in St. Petersburg, fast zwei Jahrzehnte lang war er an der Spitze des spanischen Nationalballetts. Duato soll auch in Berlin die klassische Tradition fortsetzen. "Das wird nicht der radikale Bruch sein, dafür hat man ihn nicht geholt", sagte Wowereit.

Duato möchte an die Arbeit Malakhovs anknüpfen. "Das sind sehr große Schuhe für mich.", sagte er. Seinen Schwerpunkt sieht er im traditionellen Repertoire, er wolle aber auch mit jungen Choreographen arbeiten. Duato zeigte sich auch offen für eine Zusammenarbeit mit Sasha Waltz, einer international erfolgreichen Choreographin, die am Dienstag Malakhovs Beispiel folgte und ihren Abschied von Berlin ankündigte.

Abschied von Sasha Waltz

Choreographin Sasha Waltz

Sasha Waltz sieht keine Zukunft mehr für ihre Tanzcompangie "Sasha Waltz & Guests" in der Bundeshauptstadt. Dabei ist die Choreografin sehr eng mit der Hauptstadt und ihrer kulturellen Geschichte verbunden.

"Berlin ist seit 1992 mein künstlerischer Mittelpunkt. Aber die Diskrepanz zwischen meinen Visionen, den Möglichkeiten und dem Kampf um die Existenzsicherung der Compagnie drängt mich nach 20 Jahren zu dem Entschluss einer vollkommenen Neuorientierung."

Sasha Waltz

Schwierige Finanzlage

Für Kulturstaatssekretär André Schmitz, der Waltz in Berlin halten möchte, bietet die Berliner Finanzlage keinen Spielraum mehr für eine Erhöhung des Etats. Dieser läge seinen Angaben zufolge bei 1,85 Millionen Euro pro Jahr.

"Wir sind mit Sasha Waltz weiterhin im Gespräch. Aber ihre Forderungen sind: zwei Millionen mehr und möglicherweise ein festes Haus, und das kann auch ein Kulturstaatssekretär im Land Berlin nicht so ohne Weiteres aus der Tasche ziehen."

Kulturstaatssekretär André Schmitz

Auch Klaus Wowereit möchte Sasha Waltz in Berlin behalten. "Wir können aber nicht alle Forderungen erfüllen. Das ist kein böser Wille oder Missachtung der Leistung von Sasha Waltz", so wies Wowereit bei der Pressekonferenz am Donnerstag auf die angespannte Finanzlage der Stadt hin.


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