BR-KLASSIK - Allegro


11

Trauer um Patrice Chéreau "Künstler von enormer Feinfühligkeit"

Patrice Chéreau war nicht nur ein gefeierter Theater- und Filmregisseur, auch seine Operninszenierungen setzten Maßstäbe. Legendär war sein "Jahrhundertring" bei den Bayreuther Festspielen 1976. Am Montag ist Patrice Chéreau 68-jährig in Paris gestorben.

Von: Philipp Weismann Stand: 08.10.2013

Patrice Chéreau wurde 1944 als Sohn eines Malers und einer Zeichnerin im westfranzösischen Lézigné geboren. Schon als Jugendlicher entdeckte er seine Theaterleidenschaft, mit 22 Jahren wurde er bereits Direktor eines Theaters in einem Pariser Vorort.

Regisseur Patrice Chéreau (rechts), Dirigent Pierre Boulez (links), Gwyneth Jones (als "Brunhilde") und Rene Kollo (als "Siegfried")

Immer wieder übernahm Chéreau auch kleinere Rollen auf der Bühne und im Film. 1969 inszenierte der Franzose mit Rossinis "Italienerin in Algier" seine erste Oper. Weltbekannt wurde er mit seiner Inszenierung von Wagners "Ring des Nibelungen" in Zusammenarbeit mit Pierre Boulez bei den Bayreuther Festspielen 1976.

Die legendäre "Ring"-Inszenierung 1976 in Bayreuth

"Lulu", "Tristan" und "Don Giovanni"

Alban Bergs "Wozzek". Inszenierung: Patrice Chéreau. Staatsoper unter den Linden, 1994

Im Musiktheaterbereich folgten unter anderem Inszenierungen von Alban Berg's "Lulu" 1979 in Paris, Wagners "Tristan und Isolde" oder Wolfgang Amadeus Mozarts "Don Giovanni" bei den Salzburger Festspielen 1994.

Noch im Juli dieses Jahres wurde seine Neuinszenierung der "Elektra" von Richard Strauss beim Festival im südfranzösischen Aix-en-Provence bejubelt.

"Frankreich verliert einen seiner größten Künstler, auf den es in der ganzen Welt stolz gewesen ist."

François Hollande, französischer Staatspräsident

Patrice Chéreau mit der englischen Sängerin Marianne Faithfull bei der Berlinale 2001

Auch als Filmregisseur wurde Patrice Chéreau gefeiert. Zu seinen größten Erfolgen zählt der Film "Die Bartholomäusnacht" mit Isabelle Adjani in der Hauptrolle aus dem Jahr 1994. Mit dem Film "Intimacy" gewann er 2001 bei der Berlinale den goldenen Bären.

"Patrice Chéreau war von einer enormen Feinfühligkeit geprägt."

Olivier Py, Regisseur

Vehement vertrat Chéreau zudem seine politischen Überzeugungen. 1962 demonstrierte er gegen den Algerienkrieg, 1979 unterstützte er den späteren Präsidenten Vaclav Havel. Und aus Protest gegen die Regierungsbeteiligung der rechtspopulistischen FPÖ in Österreich im Jahr 2000 boykottierte er die Salzburger Festspiele.

Wie seine Angehörigen mitteilten, starb Chéreau am Montag nach langer Krankheit im Alter von 68 Jahren an Lungenkrebs.


11