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Texas im Pianofieber 14. Van-Cliburn-Klavierwettbewerb

Etliche Jahre vor Glasnost und Perestroika gelang einem jungen US-Amerikanischen Pianisten das kaum Vorstellbare: Mitten im Kalten Krieg gewann Van Cliburn 1958 den Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau und überwand die kulturellen Barrieren zwischen Ost und West. Zuhause angekommen, wurde er wie ein Staatsheld gefeiert. Ihm zu Ehren hat man 1962 einen Klavierwettbewerb in Fort Worth ins Leben gerufen, der alle vier Jahre ausgetragen wird.

Von: Christoph Hiller Stand: 27.05.2013
Fahnen "The Cliburn" in Fort Worth | Bild: BR

Die Region Dallas/Fort Worth packt alle vier Jahre ein regelrechtes Pianofieber. Schon Wochen vor Wettbewerbsbeginn berichtet der Star-Telegram, eine der großen texanischen Tageszeitungen, über das Ereignis und porträtiert jeden Tag einen der 30 Teilnehmer. Lokale Radio- und TV-Sender berichten über den Wettbewerb wie über ein internationales Sportereignis.

Immerhin gilt "The Cliburn" als einer der wichtigsten und anspruchsvollsten Pianowettbewerbe weltweit: Im Vorfeld wurden unter den zahlreichen Bewerbungen rund 130 Kandidaten ausgewählt, die sich dann bei einer der so genannten "Screening Auditions" - abgehalten in Honkong, Moskau, Hannover, Mailand, New York und Fort Worth - für die Teilnahme qualifizieren mussten. Wer es dann bis ins Finale mit zwei Orchesterkonzerten schafft, muss schon vorab einen wahren Konzertmarathon bewältigen: drei Soloprogramme von jeweils knapp einer Stunde und dazu einen Durchgang mit Kammermusik.

Bereits in München erfolgreich: Claire Tori Huangci

Eine der 30 Pianistinnen und Pianisten, die in Fort Worth am Start sind, ist die US-Amerikanerin Claire Tori Huangci. Die 23-Jährige war bereits in München erfolgreich und wurde beim ARD-Musikwettbewerb 2011 mit einem 2. Preis ausgezeichnet.

"Der letzte Wettbewerb, an dem ich teilgenommen habe, war der ARD-Wettbewerb. Der war für mich sehr wichtig und sollte eigentlich auch mein letzter sein. Aber als ich dann die Möglichkeit bekam, hier mitzumachen, dachte ich mir - OK, ich probier’s nochmal. Denn seit meiner Kindheit habe ich all die Dokumentationen über den Pianisten Van Cliburn gesehen. Das hier ist so ein bedeutender Wettbewerb, alle kennen ihn, auch wer mit Musik nichts zu tun hat! Und nachdem das Ganze in meiner Heimat stattfindet, ist mir die Teilnahme besonders wichtig."

Claire Tori Huangci, 2. Preisträgerin beim ARD-Wettbewerb 2011

Karriere-Coaching als Hauptpreis

Mag auch der Wettbewerb nicht so traditionsreich wie beispielsweise die Wettbewerbe in Genf, Moskau, Warschau oder Brüssel sein, ist er wohl der einzige, der den Gewinnern neben einer hohen Geldprämie - den Goldmedaillengewinner erwarten immerhin 50.000 US-Dollar - ein kostenloses dreijähriges Karriere-Management mit zahlreichen Konzertangeboten bietet. Sich auch im Anschluss an den Wettbewerb intensiv um die Preisträger zu kümmern, dieser Aspekt liegt Jacques Marquis, dem neuen künstlerischen Leiter, sehr am Herzen.

"Der Cliburn-Wettbewerb ist ein sehr schwieriger Wettbewerb, aber die Karriere im wirklichen Leben ist auch äußerst schwierig. Deswegen ist es unsere Aufgabe, den Gewinnern nach allen Möglichkeiten zu helfen - und sie zu beraten, wo, was und wie oft sie spielen. Denn eine Karriere will auch sorgfältig geplant sein - und das wollen wir unterstützen."

Jacques Marquis

Der Pianist Van Cliburn ist im vergangenen Februar an Knochenmarkkrebs in seiner texanischen Heimat verstorben. Umso mehr ist es der Organisation dieses Jahr ein Anliegen, den Wettbewerb ganz in Erinnerung an den legendären Pianisten abzuhalten.

Weitere Infos

Der 14. Van-Cliburn-Klavierwettbewerb läuft bis zum 9. Juni 2013. Alle Vorspiele und Konzerte sowie zahlreiche Interviews werden live auf der Website des Wettbewerbs übertragen.


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