Zermalmte Musik Neue Gesichter des Solokonzerts
Die musica viva präsentiert am 25. Januar 2013 zwei höchst unterschiedliche Solokonzerte: turbulent-virtuose Orgel – Elektronik – Orchestermusik von Wolfgang Mitterer sowie Mathias Spahlingers neue Klangwelten für Cello und Orchester.
Der Dirigent Peter Rundel ist in München immer ein gern gesehener Gast, wenn es darum geht, mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auf klangliche Entdeckungsreisen zu gehen. Nicht umsonst haben ihn seine Fähigkeit, äußerst komplexe Partituren zu durchdringen, sowie seine starke dramaturgische Kreativität zu einem gefragten Partner führender europäischer Orchester gemacht. Nun stellt sich Peter Rundel der Herausforderung, zwei große Kompositionen zu kreieren.
Elektronische Klänge zu Orgel und Orchester
Da ist die Uraufführung von Wolfgang Mitterers neuem Werk für großes Orchester, Orgel und Electronics. Mitterer schrieb sich das virtuose Orgelkonzert selbst auf den Leib:
"In 'Crush 1-5' möchte ich Spannung erzeugen mit hohen Geschwindigkeiten und raschen Veränderungen der Ideen. Sowohl ich als Organist als auch die Zuhörer werden vor Überraschungen nicht gefeit sein, denn mit extrem huschenden Spieltechniken, rasend schnell über die Tasten wandernden Fingern ergeben sich rasch Unschärfen – und hoffentlich auch neue Klänge. Dabei habe ich durchaus improvisatorische Elemente eingebaut, damit ich auf jede Orgel mit ihren Besonderheiten eingehen kann. Die Elektronik erhält in diesem Stück einen ausgestellten Part, mehr als sonst in meinen Arbeiten üblich. Ich suche nicht nach möglichen Deckungsgleichen zwischen Orchester und Elektronik, im Gegenteil, ich behandle sie wie zwei völlig unterschiedliche Instrumente."
Wolfgang Mitterer, Komponist und Organist
Der Titel seines Werkes "Crush 1-5" beschreibt fünf ineinander übergehende Abschnitte, die sich jedoch ständig verwandeln. Mitterer verweilt nie lange bei einer Textur. Außerdem bezieht sich der Komponist mit diesem Titel auf eine frühere Arbeit:
"Ich habe ein Musiktheater in Basel gemacht, 'crushrooms'. Darin wurden elektronische Samples verwendet, die die Grundlage dieser Komposition bilden. Ich habe sie einer gründlichen Umarbeitung unterzogen und in einen neuen klanglichen Kontext eingearbeitet. Ich 'zermalme' geichsam meine bisherigen Kompositionstechniken und gelange dadurch zu einer neuen Schreibweise."
Wolfgang Mitterer
Cello-Konzert als Gemeinschaftsprojekt
Doch vor dieser fulminanten Ganzkörpererfahrung steht Präzisionsarbeit allerhöchster Güte auf dem Programm. Der Komponist Mathias Spahlinger und der Cellist Lucas Fels ließen in engster Zusammenarbeit "Lamento, Protokoll" entstehen. Es dauerte ganze fünf Jahre, bis die beiden ihre Vorstellungen von einem Cello-Konzert verwirklicht sahen. Nun steht der Premiere nichts mehr im Weg – einzig die Frage bleibt offen, wie der Dirigent es vermag, aus einer riesigen Partitur zu lesen, die 88 Zeilen umfasst: eine Notenzeile für jedes Instrument auf der Bühne. Aber auch in diesem Punkt vertrauen wir ganz der Kunst von Peter Rundel.

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