Biografie György Ligeti
"Ich wollte immer eine streng konstruierte Musik schreiben. Unerlässlich ist es für mich, eine Distanz zu mir selbst zu bewahren, um zu einem viel unmittelbareren Ausdruck zu kommen." Der aus Ungarn stammende György Ligeti (1923-2006) schuf in seinem kompositorischen Werk die Verbindung von hochkomplexer Faktur mit einer unmittelbaren Wirkung, die ihn zu einem der populärsten Komponisten zeitgenössischer Musik werden ließ.
Nach seiner Flucht aus Ungarn im Herbst 1956 verschlug es ihn zunächst nach Köln, wo er auf Karlheinz Stockhausen traf und einige elektronische Kompositionen schuf. Auf der Grundlage dieser Erfahrung schrieb er seine ersten Stücke für Orchester und entwickelte das Konzept der Klangflächenkomposition, bei dem Cluster und Glissandi die Musik auf engstem Raum zusammendrängen, sie flirren und schimmern lassen, insgesamt jedoch eine statische Wirkung erzielen: "Apparitions" (1958/59) und "Atmosphères" (1961) begründen den kompositorischen Durchbruch Ligetis. Bei der Uraufführung in Donaueschingen 1961 erzielte "Atmosphères" einen solch großen Erfolg, dass es sogar wiederholt werden musste. Auch die folgenden Stücke, "Aventures" (1962), "Nouvelles Aventures" (1962-65), beide für drei Sänger und sieben Instrumentalisten, fanden Eingang in das Konzertrepertoire und sind bei Ausführenden wie beim Publikum gleichermaßen beliebt. Weitere wichtige Kompositionen der sechziger Jahre sind das "Requiem" (1963-65), "Lux aeterna" für 16stimmigen Chor (1966), "Continuum" für Cembalo (1968), das 2. Streichquartett (1968) und das Kammerkonzert (1969-70). Im Laufe der siebziger Jahre schrieb er "Melodien" (1971) und die Oper "Le Grand Macabre" (1974-77). Schließlich entwickelte er eine komplexe polyrhytmische Kompositionstechnik, auf der seine Werke der achtziger und neunziger Jahre beruhen, vor allem das Klavierkonzert (1985-88) und das Violinkonzert (1990-29). Diese beiden, wie auch das "Hamburgische Konzert" für Horn und Kammerorchester (1998/99), wurden für viele Solisten zum Standardrepertoire.
György Ligeti, seit 1967 österreichischer Staatsbürger, erhielt unzählige Preise und Auszeichnungen, u.a. 1993 den Musikpreis der Siemens-Stiftung. Der gefragte Lehrer war 15 Jahre lang Professor für Komposition an der Hamburger Musikhochschule, zu seinen Schülern zählten u.a. Unsuk Chin, Hans-Christian von Dadelsen, Babette Koblenz, Benedict Mason, Manfred Stahnke und Wolfgang von Schweinitz.

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