BR-KLASSIK

Proben mit dem Chor des BR Nachwuchsförderung beim Chor-Dirigierforum

Zum dritten Mal nach 2003 und 2007 fand von 16. bis 20. Juli das Chor-Dirigierforum mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks statt. Dieser Workshop sollte jungen Dirigenten die Chance geben, mit einem Profichor zu arbeiten. Sechs von zwölf Kandidaten wurden per Abstimmung für die aktive Teilnahme an dem Workshop ausgewählt.

Stand: 23.07.2012

"Bei diesem Chor-Dirigierforum geht es darum, die Dinge schnell auf den Punkt zu bringen, ökonomisch zu arbeiten und dem 'fahrenden Zug' in der Geschwindigkeit, die dem Ensemble zusteht, als Lokomotive Dampf zu geben."

Markus Landerer (Workshop-Teilnehmer aus Wien)

An fünf Tagen hatten die Nachwuchsdirigentinnen und -dirigenten die Möglichkeit auf hohem Niveau mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks zu arbeiten. Dabei wurden unter anderem Stücke von Poulenc, Schnittke, Busto und Kernis geprobt: anspruchsvolles A-Cappella-Repertoire, das der Chor des BR unter der Anleitung der jungen Musiker wieder auffrischte. "Wir müssen uns immer sehr schnell auf die unterschiedliche Literatur einstellen, aber natürlich auch auf die verschiedenen Dirigentinnen und Dirigenten, die alle mit einem anderen Ansatz herangehen", erklärte Tenor Andreas Mogl aus dem Chorvorstand. Von dem knapp einwöchigen Workshop profitierten beide Seiten. "Jedes Chor-Mitglied ist froh, dass wir die Möglichkeit haben, junge Leute auf diese Weise zu unterstützen", so Mogl.

"Es ist interessant und wunderbar, mit diesem einzigartigen Klangkörper zusammenarbeiten zu können."

Stefan Wolitz (Workshop-Teilnehmer aus Marktoberdorf)

Die Teilnehmer kamen nicht völlig ohne Meriten nach München. Die in Sibirien geborene Maria Benyumova beispielsweise ist Chordirektorin am Theater Krefeld und war bereits zum zweiten Mal aktiv beim BR-Chordirigierforum dabei. Ines Kaun leitet den Studentenchor der Uni Jena, Markus Landerer ist gar Domkapellmeister am Stephansdom in Wien. Neu und aufregend war die Arbeit mit dem Chor des BR dennoch für alle, zumal die Arbeit mit einem Profi-Ensemble eine andere ist, als die mit einem Laienchor. "Es ist generell sehr spannend, wenn man zu einem Chor fährt, den man noch nicht kennt", sagte Tobias Löbner aus Zwickau. "Trotz einer gewissen Nervosität macht es natürlich sehr viel Spaß, mit dem Chor zu arbeiten." In diesem Punkt waren sich alle Kandidaten einig. Sehr hilfreich war zudem das direkte Feedback, das jeder Dirigent nach der jeweiligen Probeneinheit aus den Reihen des Chores erhielt. Schon während der Probe gab der Künstlerische Leiter Peter Dijkstra konkrete Tipps, bot Hilfestellungen und korrigierte, wenn es notwendig war.

"Ich habe eine sehr schöne und lebendige Woche erlebt, in der ich selbst sehr viel über das Fach, den Chor und die Teilnehmer reflektiert habe. Es war toll zu sehen, wie offen die Sängerinnen und Sänger gegenüber jedem Dirigenten waren."

Peter Dijkstra

Am Schlusstag hatten alle sechs Teilnehmer nochmal jeweils 25 Minuten Zeit, eines der Pflichtstücke der vorangegangenen Tage zu proben. Christian Meister, Lokalmatador aus München, entschied sich für das "Gloria" aus Frank Martins "Messe für Doppelchor", die Berlinerin Ines Kaun wählte einen Teil aus Alfred Schnittkes "Konzert für Chor": "Mich hat die Stimmung und die Melodik dieses anspruchsvollen Stückes sehr angesprochen, und im Laienbereich kommt man eher nicht dazu, sich mit dieser Literatur zu beschäftigen."

Beim abschließenden Empfang nach der Überreichung der Teilnehmerurkunden durch Peter Dijkstra zogen alle Teilnehmer ein positives Fazit und zeigten sich zufrieden über den Verlauf der Woche, bei der eine ganze besondere Stimmung zwischen den jungen Talenten, dem künstlerischen Leiter und dem Chor des BR herrschte. "Sowohl Peter Dijkstra als auch das Ensemble haben uns auf eine sehr freundschaftlich-erfahrene Art und Weise weitergeholfen und unsere Arbeit am Pult offen, direkt und ungekünstelt widergespiegelt", fasste Markus Landerer aus Wien zusammen. Das bestätigte auch Christof Hartkopf aus Reihen des Chores: "Für uns alle war die Woche sehr interessant, weil wir durch das Beobachten der Teilnehmer viel über uns selbst und über die Interaktion mit anderen Dirigenten reflektiert haben. Die Möglichkeit, den jungen Musikern Feedback geben zu können, fand ich besonders hilfreich."

Möglicherweise war es für den einen oder anderen der sechs Kandidaten nicht die letzte Möglichkeit, mit dem Chor des BR zu arbeiten, "weil wir", so Christof Hartkopf, "immer auf der Suche nach guten neuen Dirigenten zur Einstudierung sind. Da wird sich sicherlich etwas ergeben."
Für die sechs Teilnehmer ging es direkt nach dem Workshop zurück nach Hause oder in den wohlverdienten Urlaub. Aber vielleicht sieht man sich bald wieder, im Chorprobensaal des Bayerischen Rundfunks.

Wie das Chor-Dirigierforum des Bayerischen Rundfunks entstand

Wie sieht es mit den Möglichkeiten eines talentierten und ambitionierten Chordirigenten aus, um sich für die sehr spezifische Arbeit mit Profichören in Rundfunkanstalten fit zu machen und in dieser Branche Fuß zu fassen? Leider eher trostlos! Hochqualifizierte Profichöre brauchen aber erstklassige Chordirigenten, und es stellt sich die Frage, wie beide zueinander finden. Um dieses Vakuum zu schließen, wurde 2003 in München das 1. Chor-Dirigierforum veranstaltet. Zentraler Aspekt dieser neuen Initiative war das im nationalen Kulturleben fehlende Angebot, Erfahrungen mit einem Profi-Vokalensemble zu sammeln und sowohl erprobten Chordirigenten und –dirigentinnen als auch jungen Talenten die Möglichkeit zu geben, sich für die Übernahme künftiger Projekte von Einstudierungen bis zu Konzerten mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks zu empfehlen.


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