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Fatale Lebensrettung? Wenn "Adi" Hitler 1894 ertrunken wäre

Was wäre wenn ...? Was wäre gewesen, wenn ...? - Hören Sie ein Gedankenspiel um den ehemaligen Passauer Domkapellmeister Johann Nepomuk Kühberger und den größten Massenmörder des 20. Jahrhunderts, die beide als Kinder in der Innstadt gern am Fluss spielten.

Von: Joseph Berlinger

Stand: 20.05.2017 | Archiv

"Am verflossenen Sonntag wurde ein Knabe gerade noch rechtzeitig vor dem sicheren Tode des Ertrinkens gerettet. Derselbe betrat am Inn unterhalb des Garnisons-Lazarethes neu gebildetes Eis und brach durch. Glücklicherweise konnte er von seinen beherzten Kameraden gerettet werden."

( 'Donau-Zeitung' vom 9. Januar 1894)

Der kleine "Adi" Hitler spielte gerne mit Nachbarjungen am Flussufer

Passau, Ansicht mit Donau und Inn (um 1900)

Dies ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der dem kleinen Adolf Hitler das Leben rettete. Und eines schweizerischen, österreichischen, deutschen Flusses, der beinahe die Welt gerettet hätte. - Der Inn macht heute kaum mehr Geräusche, wenn er an Passau vorbeifließt. Unsere begradigten, gebändigten Flüsse sind leise geworden. Leise, lau und lethargisch. Nur bei Hochwasser begehren sie noch auf. Ende des 19. Jahrhunderts war das noch anders. Da war der Inn laut. Und stellenweise reißend. Ein für die Menschen lebensgefährlicher Fluss. Die Kinder der Passauer Innstadt zog dieser Fluss magisch an. An seinem Ufer spielte der kleine "Adi" Hitler mit Nachbarjungen gerne "Fangen".

Lebensrettung mit fatalen geschichtlichen Folgen

Johann Nepomuk Kühberger

Eines Tages im Jahre 1894 passiert es: Er rutscht beim Spielen aus und fällt ins wilde Wasser. Doch bevor es ihn fortspülen kann, wird er von einem Kameraden gerettet. - Adolf Hitler wird sein Leben lang nicht mehr schwimmen lernen. Und Millionen unschuldiger Menschen in den Tod schicken. Johann Nepomuk Kühberger, Hitlers Lebensretter, wird später ein stiller, schweigsamer Mann werden. Auf seine Initiative hin wird in Passau 1924-1928 die größte Domorgel der Welt gebaut. Und Kühberger wird ihr Kapellmeister sein.

"Ich war 12 Jahre in der Innstadt wohnhaft, und in der Familie von meiner Frau, die schon seit 1900 in der Innstadt beheimatet sind, ist immer erzählt worden, dass der Kühberger den Hitler als Kind aus dem Inn rausgezogen hat. Muss also dann wohl in der Innstadt passiert sein. Ist ja irgendwo auch klar, weil die Verwandtschaft vom Hitler hat ja in dem Klara-Hitler-Haus in der Innstadt gewohnt. Das ist ja im Uferbereich, nicht weit weg, vielleicht knappe 50 Meter vom Ufer weg…"

(Wolfgang Fronhöfer, Zeitzeuge)

"Um 1970 hat mir eine hochangesehene vertrauenswürdige Person erzählt, dass Kühberger bis zu seinem Lebensende darunter gelitten hat, Hitler gerettet zu haben."

(Marianne Sporer)

Gedankenspiele

Wir tauchen ein ins späte 19. Jahrhundert, zu den Fangen spielenden Jungen. Und springen in die Mitte des 20. Jahrhunderts, zu dem Orgel spielenden Domkapellmeister. Ein Spiel treibt der Autor Joseph Berlinger auch mit einem grausigen und zugleich wunderbaren Gedanken. Wenn der kleine Johann Nepomuk Kühberger den kleinen Adolf Hitler hätte ertrinken lassen, wären Millionen Menschenleben gerettet worden. Und der Vater des Autors hätte im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront nicht sein linkes Bein verloren. Aber wäre der Autor dann je geboren worden?


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