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Bayerische Bücherschau Franz Bumeders Lesetipps für Ostern 2016

Osterzeit, Ferienzeit, das heißt neben Ausflugszeit für viele Erholungssuchende auch Entspannung – und , ja, durchaus auch Lesezeit. Und da bietet der bayerische Büchermarkt so einiges. Franz Bumeder hat sich umgehört bzw. umgeschaut, - und einige ganz interessante Neuerscheinungen entdeckt.

Von: Franz Bumeder

Stand: 18.03.2016

Alle besprochenen Titel zum schnellen Nachlesen:

  • Comicaze: Bier. Alles über den Durst. Volk Verlag
  • Przybilla Angelika Anna: Gerichte und Gedichte. Buch und Kunst Verlag Oberpfalz
  • Fröhling Stefan/Huck Markus: Franz Marc. Prophet der Moderne. Pustet Verlag
  • Böckl Manfred: König der Wildschützen. SüdOst Verlag
  • Krebs Wolfgang/Fuchs Stefan: Das Guglhupf Wunder. Rosenheimer Verlagshaus
  • Krebs Wolfgang: Bayern-Abc. Rosenheimer Verlagshaus
  • Frei Hans/Stettmayer Fritz: Schwaben in Bayern. Kunstverlag Josef Fink

Bier

Bier läuft aus dem Zapfhahn in ein Glas, schäumendes Bier. Gutes Bier, zumindest im Freistaat, dafür sorgt angeblich das bayerische Reinheitsgebot. 500 Jahre wird es heuer alt, die diesjährige Landesausstellung im niederbayerischen Aldersbach „Bier in Bayern“ hat mit ihm ihr Thema gefunden. Rechtzeitig vor der Eröffnung am 29. April hat der Münchner Volk-Verlag sich des Themas angenommen.

"Kaum war der Mensch sesshaft geworden, begann er auch schon, Bier zu brauen. Man könnte sogar sagen: Der Mensch wurde sesshaft, um Bier brauen zu können. Biergeschichte ist also gleichbedeutend mit zehntausend Jahren menschlicher Kulturgeschichte."

Einleitung

Nein, nicht schon wieder ein historisches Werk, das mit vielen und oft gesagten Worten auf 500 Jahre Reinheitsgebot zurück blickt. Unter dem Titel „Bier. Alles über den Durst“ präsentiert die Münchner Comic-Vereinigung Comicaze auf knapp 180 Seiten Cartoons, Comics und Zeichnungen. Thema: einzig und allein Bier!

45 zum Teil sehr bekannte bayerische und internationale Künstlerinnen und Künstler haben sich in dem Band verewigt. Unter ihnen z.B. Tom Bunk, Dieter Hanitzsch oder Timo Würz. Es geht um das Gilgamesch-Epos, um Fastenspeisen, um Hopfenanbau in der Hallertau, um den Dorfener Bierkrieg und noch vieles mehr. Ein Comic-Band zum Schmunzeln!  

Gerichte und Gedichte

Nicht um Bier, sondern um andere leibliche Genüsse geht es auch in einer Neuerscheinung des Buch und Kunstverlags Oberpfalz:

"Du sollst Dinge essen, die von verantwortungsbewussten Nahrungsmittelherstellen auf nachhaltige Weise produziert wurden und nachdem schmecken, woraus sie sind: Brot nach natursauer, Gemüse und Kräuter intensiv, Zutaten ohne Geschmacksverstärker, Zucker und Salz ohne Raffinade, ohne Gentechnik. Keine Antibiotika im Tierfleisch. Lieber mal auf etwas anderes verzichten, aber dafür mit großem Vergnügen Gutes essen."

Angelika Przybilla

Was die Autorin Angelika Anna Przybilla hier ankündigt, versucht sie in ihrem Kochbuch umzusetzen: Gutes Essen – und das so einfach wie möglich. Nicht umsonst wendet sich Przybilla an junge Leute, die noch wenig Erfahrung beim Kochen haben.

Der Titel des Buchs: „Gerichte und Gedichte – Kochen mit Kunst und Poesie“ – wobei man auf die Poesie, eine recht persönlich gehaltene Liebesgeschichte auch hätte verzichten können. Und warum man für ein Butterbrot mit Schnittlauch ein Rezept braucht, das erschließt sich auch beim dritten Mal Lesen nicht. Insgesamt aber eine sehr schön gestaltete Anleitung, wie man mit wenig Aufwand und ohne Vorkenntnisse gut regional und saisonal kochen – und damit „gut essen“ kann.

Franz Marc

"Vielen nur durch seine blauen Pferde, gelben Kühe oder roten Rehe bekannt, ist Franz Marc mehr als ein Maler bunter Tiere. Er ist ein Künstlerprophet der Moderne."

Verlagstext

Mit diesen Zeilen wirbt der Regensburger Pustet-Verlag für eine weitere Folge seiner „Kleinen Bayerischen Biographien“. Gewidmet ist sie Franz Marc, dem Mitbegründer des „Blauen Reiters“. Wie häufig in dieser Reihe ist es auch bei Franz Marc den Autoren Stefan Fröhling und Markus Huck ein spannendes Stück Geschichte oder besser Kunstgeschichte gelungen – gedacht nicht für Kunsthistoriker, sondern für interessierte Laien. Auf mangelndes Vorwissen nehmen die Autoren insofern stets Rücksicht, als sie in zahlreichen Nebenkapiteln etwa Zeitgenossen Marcs wie August Macke und Wassily Kandinsky oder Stilrichtungen porträtieren, die Einfluss auf Franz Marc hatten.

Schade nur, dass der kleine Band sehr spärlich bebildert ist.

König der Wildschützen

Der Räuber Heigl, der Matthias Kneißl, die Meusel-Bande. Die Geschichte Bayerns kennt einige berühmte Gesetzesbrecher, die heute fast so etwas wie Heldenstatus genießen. Ein neuer historischer Roman schildert das Leben eines der berühmtesten bayerischen Wilderer und Räuber:

"Der Gefesselte, der lediglich ein grobes knielanges Leinenhemd trug, starrte im noch schwachem Schein der wolkenverhangenen Morgensonne zu den schwarzgekleideten Männern auf der Freitreppe des Rathauses empor. Er starrte wie gelähmt, und in seine mentale Lähmung hinein drang die knarrende Stimme des Adligen, der einen Schritt vor der Front der anderen dunkel Gekleideten stand. Doch es war ihm, als könnte er die Worte des Mannes in der protzigen höllenschwarzen Robe nicht wirklich verstehen."

Prolog zum König der Wildschützen

Mit diesen Worten beginnt der Prolog von Manfred Böckls Roman „König der Wildschützen“. Es geht um Matthäus Klostermayr, besser bekannt als der „Bayerische Hiasl“. Sein Unwesen trieb der von zahlreichen Legenden umrankte Wilderer und Mörder im 18. Jahrhundert im Schwäbischen. Mit den Anfangsworten des Prologs beginnt übrigens auch der Epilog des Romans, um dann mit der Hinrichtung Hiasls am 6. September 1771 in Dillingen zu enden. Zuvor schildern einzelne kurze chronologisch auf gebaute Kapitel sein Leben von der Kindheit bis zur blutigen Festnahme. ein klassischer, leicht zu lesender Wilderer-Roman, der sich dem Protagonisten zwar mit einer gewissen Sympathie nähert, allerdings auf historischen Tatsachen beruht. Für Liebhaber dieses Genres für die bevorstehenden Ostertage durchaus zu empfehlen.

Bayern ABC

Fans von Wolfgang Krebs können sich freuen: In seinem zweiten sehr amüsanten Roman, den der Kabarettist wieder zusammen mit Stefan Fuchs verfasst hat, geht es erneut um die fiktive Gemeinde Zeislhöring, die übrigens nichts mit der fast gleichnamigen niederbayerischen Kleinstadt zu tun hat. Unerklärliche Heilungen, vermutlich verursacht durch eine Betonplatte, sorgen für Aufsehen und beschäftigen den Gemeinderat. Der wiederum holt sich Rat bei dem zwielichtigen Geschäftsmann, dem Scheberl  Schorsch:

"Des is natürlich ein Riesenschmarrn, des glaubt ja kein Mensch. Ha! Aber die Hauptsache ist, dass die Leit, des glauben, ned wahr. Und wenn’s dann wirklich so ein Kasperl gibt, der des wissenschaftlich bestätigt, dann gratulier‘ ich Euch."

Wolfgang Krebs

Klar besteht ein Unterschied, ob Krebs aus seinem Roman „Das Guglhupf Wunder“ den Schorsch vorliest oder Leser sich vorstellen müssen, wie Krebs lesen würde. Noch viel stärker gilt das für eine zweite Neuerscheinung des Mannes aus Kaufbeuren, das „Bayern-ABC“.Begriffe zu jedem Buchstaben außer Ypsilon füllt Krebs mit Auszügen aus seinen zahlreichen Kabarettprogrammen. Das geht von A wie Allgäu oder Amigos bis Z wie Zuagroaste. Oder Beispiel F wo Krebs alias Edmund Stoiber sich über die Franken auslässt:

"Das Thema Integration war für uns immer schon sehr wichtig, schon vor zweihundert Jahren, als wir die Franken nach Bayern integriert haben. Ha, Ha. Quasi als Pufferzone zu den Preissn. Das Frankenland ist quasi unser Gaza-Streifen. Der Franke ist ja in Bayern sowas wie der Kurde in der Türkei."

Wolfgang Krebs als Edmund Stoiber

Das kann man eigentlich nicht lesen, das muss man hören. Krebs weiß das auch.

"Natürlich spielt Sprache eine wesentliche Rolle bei sowas. Aber man kann sich natürlich schon auch reinfühlen und ich hab ja g’hört, ich bin ja … Also diese Bücher machen mer ded, weil mir Bücher machen wollen, sondern weil Leute mich nach der Vorstellung gfroagt ham: Herr Krebs, i dat mer des gern mal in aller Ruhe nachlesen. Gibt’s da irgendetwas zu lesen.?"

Wolfgang Krebs

Dann dürfte es Krebs-Fans auch gelingen, beim Lesen den herum zappelnden Kabarettisten mit der Stoiber-Perücke quasi live zu hören. In den 55 Kapiteln tritt übrigens aber nicht nur Stoiber, sondern auch Seehofer, Söder oder Ilse Aigner auf.

Schwaben in Bayern

Schwaben, aber auch Menschen, die nicht in diesem bayerischen Regierungsbezirk leben, können sich seit kurzem über ein voluminöses Werk freuen, das ihnen den Landstrich zwischen Allgäu und Ries näher bringt. „Schwaben in Bayern“ lautet der Titel, unter dem der Kulturgeograph Hans Frei

"in kompakter Form, Erkenntnisse und Ergebnisse über den schwäbischen Regierungsbezirk darstellen will."

Hans Frei

Dabei geht es ihm nach eigenen Worten

"Nicht um eine vollständige Erfassung, sondern um eine Hinführung zu den verschiedenen Themen in unterschiedlicher Form."

Hans Frei

Diese Hinführung, das sind 19 reich bebilderte Kapitel, in denen es etwa um „Schwaben als Kunstlandschaft“, „Schwaben Flora und Fauna“ oder „Schwaben im Königreich und im Freistaat Bayern“ geht. 400 Seiten Information, tolle Bilder des Fotografen Fritz Stettmayer, ein Band zum immer wieder Hineinschauen, bei dem man aber auch immer wieder bei einzelnen Passagen gern hängen bleibt.

Das Ganze zu einem unglaublichen Preis, eine umfangreiche und im wahren Wortsinn gewichtige Zutat zu einem zwangsläufig recht groß ausfallenden Osternest.


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