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Michael Bauer/Thomas Starost "99 x Franken wie Sie es noch nicht kennen"

Wissen Sie, wo Schneewittchen zuhause war? Oder kennen Sie die älteste frei schwebende Hängebrücke Deutschlands? Das sind nur zwei von 99 besonderen Orten, die im Reisebüchlein "99 x Franken" vorgestellt werden.

Von: Susanne Roßbach

Stand: 19.07.2017

Buchcover "99 x Franken wie Sie es noch nicht kennen" | Bild: Bruckmann Verlag

Die Autoren sind kreuz und quer durch Franken gereist und haben dabei Orte entdeckt, die zum Verweilen und Genießen einladen. Das sind kleine Gasthäuser, lauschige Plätze am Rande der Großstadt und kulturelle Kleinode – oft jenseits von ausgetretenen Pfaden. Michael Bauer ist Sportredakteur bei der Mainpost und gebürtiger Würzburger. Thomas Starost ist Reisejournalist und wurde in Schweinfurt geboren. Dass die Autoren Übung im Schreiben haben, merkt man dem Buch an: Die Texte lesen sich leicht und immer wieder ahnt der Leser die Begeisterung, mit der die beiden unterwegs waren. Kostprobe?

"Beim Joggen können einem schon seltsame Ideen kommen – dass man in Bäumen auch schlafen kann, zum Beispiel. Und weil Stephan Schulze kein Träumer ist, hingen drei Jahre Behördenmarathon später sechs Baumhäuser im Wäldchen hinter Gräfendorf. Dabei wollte er doch eigentlich nur die Mühle dort ausbauen. Nun haben Urlaubsgäste auch was von der Seemühle und den 15 Hektar Land, vom Bilderbuch-Idyll aus Wald, Wiesen, Bach und See. (…) Er ließ sechs frei tragende Konstruktionen bis zu zwölf Meter über dem Boden fertigen. 35 Quadratmeter hat eine Hütte. (…) Strom gibt's per Wasserkraft. Muskelkraft braucht aber, wer sich ein Frühstückskörbchen ans Baumhaus hängen lässt – um es dann am Seil nach oben zu ziehen."

Aus '99 x Franken wie Sie es noch nicht kennen' von Michael Bauer und Thomas Starost  

Eine bunte Mischung

Das Baumhaushotel Seemühle bei Gräfendorf steht im Buch gleich hinter der "Strecke 46", einem Teilstück einer noch von den Nazis geplanten Autobahn, die von Bad Hersfeld über Fulda nach Würzburg führen sollte. Dann kommt ein Tipp für Sportliche: Der Wakeboard-Park in Thulba. Die Mischung im Reiseführer "99 x Franken wie Sie es noch nicht kennen" ist bunt.

"Wir haben uns bemüht, Tipps zu finden, die abseits des Üblichen sind. Wir haben versucht, wirklich außerordentliche Geschichten zu finden, die nicht in anderen Reiseführern vorhanden sind, also Geheimtipps."

Thomas Starost

Doch es sind auch Highlights dabei wie das Markgräfliche Opernhaus oder auch die Therme in Bad Staffelstein. Dabei haben die Autoren versucht, die unbekannten Dinge im Bekannten zu finden

"Wir haben natürlich andere Aspekte dazu genommen. Wir haben nicht die Therme Bad Staffelstein genommen, sondern die Besonderheit, dass man seine Cocktails in der Therme schlürfen kann. Sie finden auch das Kloster Banz in unserem Geheimtippführer. Wir haben entdeckt, dass dort droben die Bamberger Symphoniker mit ausgewählten kleinen Ensembles Meisterkonzerte geben."

Michael Bauer

Manche Texte über beispielsweise kleine Lokale und Geschäftchen lesen sich so, als wären sie aus einem Werbeflyer. Doch die Inhaber hätten natürlich nicht dafür bezahlt, in das Buch aufgenommen zu werden, so die Autoren.

"Nein. Aber wenn ich irgendwo hingekommen bin und gemeint habe, ich würde gerne den kleinen Laden, die Gaststätte, in einen Reiseführer aufnehmen, dann war die erste Frage immer: 'Was muss ich dafür bezahlen?' Aber das war natürlich bei uns überhaupt nicht so."

Michael Bauer

"Ein Dreivierteljahr durch Franken getingelt"

In fünf große Kapitel ist das Buch aufgeteilt. Die Reise beginnt in Unterfranken bei Würzburg und geht über die Mainschleife zum Untermain und bis in die Rhön.

Info und Bewertung

Wertung: 4 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Das Buch "99 x Franken wie Sie es noch nicht kennen" von Michael Bauer und Thomas Starost ist im Bruckmann Verlag erschienen. Es hat 192 Seiten. Texte und Bilder wechseln sich Seite für Seite ab. Das Buch kostet 14 Euro.

In Mittelfranken gibt es Tipps zu den großen Städten Nürnberg, Fürth und Erlangen sowie Ausflüge von den Karpfenteichen bei Uehlfeld bis zum Ludwigskanal bei Schwarzenbruck. Das letzte große Kapitel über Oberfranken deckt die Region von Bamberg bis ins Fichtelgebirge ab. Eine übersichtliche Karte erleichtert das Finden. Zu allen Zielen sind Zusatzinformationen angegeben, wie Internetadresse, Öffnungszeiten, Telefonnummern, U-Bahn oder Busverbindung. Bis die Autoren die 99 Orte zusammen hatten, hat es eine Weile gedauert.

"Aber in den ländlichen Regionen drängen sich die Tipps fast auf. Man fährt einfach los. Man sucht sich vorher ein paar interessante Punkte, fährt dann dahin, merkt, das ist gar nicht so toll und findet auf der Strecke dann fünf andere. Schwierig und langwierig wurde es dann in den Städten, weil es einfach so ist: In Würzburg, in Nürnberg glaubt man, alles zu kennen. Dann beim Stadtrundgang entdeckt man ein paar Eckchen, die ganz versteckt sind und das hat ein bisschen gedauert. So summa summarum bin ich ein Dreivierteljahr durch Franken getingelt."

Michael Bauer

"Ich bin beispielsweise in Bamberg im Hotel Residenzschloss gewesen, weil es dort eine Barockkapelle im Hotel gibt. Aber der Hoteldirektor hat mir gesagt: Du, pass mal auf: Es gibt hier noch eine super Brauerei, die nicht so bekannt ist. Das ist das Ambräusianum. Das ist dann halt der nächste Tipp gewesen."

Thomas Starost

Abwechslungsreich und lohnenswert

Es hat sich gelohnt. Wirklich 99 unbekannte Orte werden es für Leser aus Franken zwar kaum sein. Der ein oder andere war schon auf dem Staffelberg bei Bad Staffelstein, im Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth oder im Nürnberger Lochgefängnis. Aber für die vielen anderen Ausflugstipps lohnt sich der abwechslungsreiche Reiseführer allemal.

Ach ja, nun wollen wir noch das Rätsel vom Anfang lösen: Schneewittchen war angeblich in Lohr am Main zuhause. Von ihr wird im Spessart-Museum erzählt. Und die älteste frei schwebende Hängebrücke Deutschlands ist der Kettensteg über die Pegnitz in Nürnberg.


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