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Der Ötzi - Kinopreview Alpiner Kino-Held und Mumien-Star

Er ist ohne Zweifel die berühmteste Mumie der Welt: Ötzi, der Mann aus dem Eis. Als er vor 5300 Jahren das Tisenjoch im Schnalstal überquert hat, wurde er dort ermordet und sein Körper auf natürliche Weise im Eis konserviert. 1991 fand ein wanderndes Ehepaar aus Nürnberg die Gletschermumie, die heute im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen in einer speziellen Kühlkammer aufbewahrt und ausgestellt wird.

Von: Albert Zink / Susanne Franke

Stand: 11.11.2017

Ötzi | Bild: picture-alliance/dpa

Viele Rätsel, die der „Iceman“ aufgegeben hat, sind inzwischen gelöst. Ötzis Genom ist entschlüsselt und sein Körper liefert immer wieder neue Erkenntnisse über das Leben unserer Vorfahren. Über den aktuellen Stand der Ötzi-Forschung hat sich Susanne Franke mit dem renommierten Mumienforscher Albert Zink unterhalten, dem Leiter des Europäischen Instituts für Mumien in Bozen.

Der weiße Pfeil auf dem Röntgenbild zeigt auf die Stelle, an der sich die Pfeilspitze in Ötzis Schulter befindet.

Was genau zu Ötzis gewaltsamen Tod geführt hat, das bleibt nach wie vor ein Geheimnis – eine Grauzone, die auch Stoff für die Leinwand bietet. Am 30. November kommt „Der Mann aus dem Eis“ in die deutschen Kinos, mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle. Es ist der erste Spielfilm, der in spektakulären Bildern vom ältesten ungelösten Mordfall der Menschheitsgeschichte erzählt: dem Schicksal von Ötzi. Emphatisch und nahezu ohne Dialoge erzählt der Autor und Regisseur Felix Randau die fiktive Geschichte von Ötzis Schicksal und lässt den Zuschauer eintauchen in eine Welt archaischer Gefühle. Zusammenmit einem Sprachforscher wurde für den Film eine eigene Sprache entwickelt, die an eine Urform des Rätischen angelehnt ist. Die rätische Sprache wurde bis in 3. Jahrhundert nach Christus im mittleren Alpenraum gesprochen.

Neues aus Ötzis Blut und DNA

Ötzis mütterlicher Familienzweig wahrscheinlich ausgestorben

Nach einem Abgleich von Ötzis Erbgut mit dem von mehr als 1.000 Menschen, haben Forscher der Europäischen Akademie Bozen (Eurac) herausgefunden, dass die mütterliche Familienlinie des Gletschermanns höchstwahrscheinlich ausgestorben ist. Dazu hatten die Wissenschaftler die DNA aus den Mitochondrien, den sogenannten Energiekraftwerken der Zelle, untersucht. "Die mitochondriale DNA erzählt uns, gemeinsam mit dem Y-Chromosom, die genetische Geschichte des Menschen", so die Biologin und Mitautorin der Studie Valentina Coia. Die mitochondriale DNA verändere sich nur sehr langsam und werde nur von Müttern weitergegeben.

Abstammung von Ötzis Mutter

Einen Grund für das Aussterben zeigte ein Vergleich des Erbguts von Ötzi mit dem anderer Funde aus der Jungsteinzeit. Demnach kam die mütterliche Linie zu dieser Zeit wahrscheinlich nur im Alpenraum vor. Die Mutter habe einer kleinen, lokalen Alpenbevölkerung angehört, schreibt das Team in seiner im Journal "Scientific Reports" 2016 veröffentlichten Studie. Die genetische Linie von Ötzis Vater hingegen war in der Jungsteinzeit in ganz Europa verbreitet und findet sich noch heute.

Männliche Verwandte von Ötzi gefunden

Eine DNA-Analyse von mehr als 3.000 Männern in Tirol brachte im Oktober 2013 zutage: In Österreich leben noch Verwandte von Ötzi. 19 tiroler Männer tragen auf ihrem Y-Chromosom Erbinformationen, die wie ein vergilbtes Foto in einem alten Familienalbum an den Vorfahren aus der Eiszeit erinnern. Die Verwandtschaft zu Ötzi ist allerdings nicht allzu nah: Der letzte gemeinsame Vorfahr von Ötzi und den 19 heute lebenden Tirolern ist selbst schon seit rund 10.000 Jahren Geschichte. Ötzi selbst lebte vor etwa 5.000 Jahren, könnte also bestenfalls als eine Art Ururur...urgroßonkel der lebenden Verwandten bezeichnet werden.

Zufallsfund

Die Studie, bei der die Verwandtschaft zu Ötzi herauskam, hat eigentlich ein ganz anderes Ziel: In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Innsbruck auf der Spur der Besiedlung Tirols - der Blutspur, gewissermaßen. Mehr als 3.700 männliche Probanden haben für die "Tirolstudie" ihr Blut gespendet. Zusätzlich gaben die Spender an, wo sie selbst geboren wurden und ihre männlichen Vorfahren herkamen. Die Forscher wollen herausfinden, wie die Täler Tirols nach der letzten Eiszeit wieder besiedelt wurden.

Man(n) verrät's

Untersucht wurden in dieser Studie nur die Y-Chromosomen, daher wurden nur Männer getestet. Das Y-Chromosom wird nahezu unverändert von Vätern an ihre Söhne weitergegeben. Mutationen vollziehen sich extrem langsam. Daher geben die Y-Chromosomen Auskunft über die genetischen Eigenschaften der Ur-Väter.

Blutspuren entdeckt

Eduard Egarter-Vigl (l) und Albert Zink

2012 haben deutsche und italienische Forscher zum ersten Mal rote Blutkörperchen an der 5.300 Jahre alten Mumie entdeckt. "Dass nach so langer Zeit noch Blutkörperchen erhalten sind, war für uns eine riesige Überraschung", sagte Albert Zink. Er leitet das Institut für Mumien und den Iceman der Europäischen Akademie Bozen (EURAC).

Nutzen für die Gerichtsmedizin

"Es gab bislang keine Erkenntnisse darüber, wie lange Blut erhalten bleibt - geschweige denn, wie menschliche Blutkörperchen aus der Kupferzeit aussehen", so Zink. Die Wissenschaftler erhoffen sich von der Blutprobe neue Erkenntnisse für die moderne Gerichtsmedizin und darüber, wie sich Blutspuren mit der Zeit verändern. Laut Zink ist es bisher kaum möglich, bei Tatortuntersuchungen das exakte Alter einer Blutspur zu bestimmen.

Kino-Preview

So soll Ötzi ausgesehen haben. Die Rekonstruktion des Steinzeitmannes steht im Ärchäologiemuseum in Bozen.

In bewährter Tradition zeigt die Bayern-2-Bergsteigerredaktion den Kinofilm „Der Mann aus dem Eis“ in einer Preview am Montag, 20. November um 19 Uhr im CinemaxX in München (Isartorplatz 8).

Wenn Sie Interesse an der Ötzi-Preview haben, dann schicken Sie eine Mail an Bergsteiger@br.de oder ein Fax an 089-5900-32077. Pro Person gibt es maximal vier Karten für die Veranstaltung – solange der Vorrat reicht. Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben.


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