BR Heimat


3

Eine Radtour mit Geschichte im Lechrain Von Landsberg über Vilgertshofen in die Teufelsküche

Geschichte, Sagen und Kultur - in und um Landsberg am Lech herum gibt es davon viel zu entdecken, am besten mit dem Fahrrad. Die mittelalterliche Altstadt von Landsberg mit ihren kleinen Gässchen lockt viele Touristen an, doch fernab der Betriebsamkeit gibt es zum Beispiel eine geschichtsträchtige Radrundtour im Lechrain, die in Landsberg startet.

Von: Antonia Schlosser

Stand: 19.05.2017

Landsberg | Bild: BR/Antonia Schlosser

Stadtführerin Mechthild Huber

Mechthild Huber liebt ihre Stadt, und diese Liebe hat die Stadtführerin von Landsberg am Lech zu ihrem Beruf gemacht. Wir stehen im Schatten des Schmalzturms am Hauptplatz der geschichtsträchtigen Stadt, die langsam erwacht. Der Schmalzturm hat seinen Namen nicht von ungefähr. Auf dem Platz vor dem  Rathaus war im Mittelalter immer Markt, doch die Bauersfrauen, die in die Stadt kamen, um ihr Schmalz zu verkaufen, haben sich bei hochsommerlichen Temperaturen in die Nähe des schönen Turms zurückgezogen, damit das Schmalz nicht schmolz. 

Damit auch ich an diesem warmen Frühlingstag in meinen langen Radklamotten nicht dahinschmelze, breche ich lieber schnell zu meiner Radtour auf.  Nur wenige Meter geht es über den betriebsamen Hauptplatz und dann kurz vor der Lechbrücke nach links auf einen ruhigen Radweg. Am Straßenrand strahlen uns die typisch bunten Stadthäuser entgegen. Auch sie erzählen viele Geschichten. Mechthild Huber weiß von einem Reisebericht aus dem 16. Jahrhundert. Darin berichtet der französische Philosoph  Michele de Montaigne anlässlich seiner Reise durch Bayern über Landsberg: „Das besonders Schöne an der Stadt sind die vielen farbigen Häuser“.  Sein Fazit lautete: „Für ihre Größe recht hübsch“.

Rainer Mahl kennt Geheimtipps auf der Lech-Route

Hübsch und angenehm sind auch die ersten Kilometer entlang des Lechufers . Auf dem 35 Kilometer langen Radrundweg entlang des Lechs begleitet mich Rainer Mahl. Er kennt nahezu jeden Radweg der Region und weiß auch auf dieser Route viele Geheimtipps. Wir entscheiden uns, nicht den Radweg zu nehmen, sondern wagen uns auf den etwas schwierigeren Lecherlebnis-Wanderweg in Richtung Vilgertshofen. Eine gute Idee, denn kurz hinter Pitzling erwartet uns auf einer Anhöhe, versteckt hinter dichten Nadelbäumen, eine kleine Lichtung mit wunderschönem Ausblick auf den Lech, das Voralpenland, die Staustufe und auf Schloss Unterdießen.

Abwechslungsreich und nicht immer ganz einfach geht's am Lech entlang.

Der Lechrain zwischen Landsberg und Vilgertshofen ist aber nicht nur abwechslungsreich, er strotzt nur so von Geschichte und Kultur, die man auch vom Rad aus kennenlernen kann, zum Beispiel auf einem neuen Radweg, der vom Leben und Wirken des lokalen Kirchenmalers Johan Baptist Baader erzählt, dem „Lechhansl“. Er feiert heuer seinen 300. Geburtstag und hat vor allem in den  heutigen Landkreisen Landsberg und Weilheim gewirkt.

Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Mutter Gottes

Der Schotterweg wird immer holpriger und enger, so dass wir streckenweise absteigen und unsere Mountainbikes steile Waldabhänge hinauf schieben müssen. Doch irgendwann hat auch diese Mühsal ein Ende und wir kehren auf den angenehmen Radweg und in Vilgertshofen schließlich auch zu Johann Baptist Baader zurück. Das Bild am Stephansaltar in der Wallfahrtskirche zeigt die Steinigung des Heiligen Stephanus, gemalt von Johann Baptist Baader. Kirchenpfleger Franz Berger erzählt gern über die Geschichte der Wallfahrtskirche. Sie ist der Schmerzhaften Mutter Gottes geweiht und es sind auch Wunder nachgewiesen: Der Pfarrer, der die Wallfahrt  zu dem gemacht hat, was sie heute ist, hatte ein schweres Kopfleiden und kein Arzt konnte helfen. Er hielt eine Messe vor der Statue der Schmerzhaften Mutter Gottes und wurde geheilt.

In Vilgertshofen ist die Hälfte der Tour geschafft. Zurück geht es auf einem geteerten Radweg in Richtung Fuchstal, dann über den Lech nach Asch und zurück nach Landsberg. In der nur wenige Minuten südlich von Landsberg gelegenen Teufelsküche lässt es sich gut einkehren, sagt Rainer Mahl und empfiehlt Wildschweinsauerbraten mit Semmelknödel und Gemüse, Regenbogenforelle mit Butterkartoffeln oder Rehrahmgoulasch mit Waldpilzen. Fürs leibliche Wohl ist also gesorgt, zudem sitzt man wildromantisch beim Wildschweingehege direkt am Lech und kann sich vom Hojemännle erschrecken lassen. Das hat es nämlich  auf Wanderer abgesehen, wie Karl Freiherr von Leoprechting im 19. Jahrhundert in seiner Sagensammlung aus dem Lechrain geschrieben hat. Statt Hexen, Druden und sonstigen Geistern versammeln sich heute in der Landsberger Teufelsküche hungrige Radler und Naturfreunde.

 

Info

Diese Tour und viele andere Routentipps gibt es im neuen Buch von Armin Scheider mit dem Titel „Das Radlbuch Oberbayern“. Es kostet 20 Euro, ist im Verlag J.Berg erschienen und bietet 50 Touren für alle Ansprüche zwischen Altmühltal und Werdenfelser Land, Pfaffenwinkel und Berchtesgaden (ISBN: 978-3-86246-537-8).

Landsberg am Lech


3